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Abriss für neue Brücke in Dresden?

Dresden soll eine Elbquerung vom Ostragehege nach Pieschen bekommen. Drei Varianten wurden dafür untersucht.

Die Karte zeigt, welche Brückenstandorte untersucht wurden. Nur einer davon hat wirklich eine Chance.
Die Karte zeigt, welche Brückenstandorte untersucht wurden. Nur einer davon hat wirklich eine Chance. © SZ Grafik

Dresden. Kleingärten sind auf der Ostra-Insel in Gefahr. Auf der anderen, der Pieschener Elbseite gleich mehrere Gebäude und ebenfalls Teile einer Gartensparte. Je nach Wahl der Brückenvariante droht ihnen die Abrissbirne. Drei Varianten haben Ingenieure im Auftrag des Stadtplanungsamtes für eine neue Elbquerung von Pieschen ins Ostragehege untersucht. Es soll keine Brücke für Autos werden, nur für Straßenbahnen, Radfahrer und Fußgänger. Ausgerechnet die Variante mit dem größten Positiv-Effekt für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist auch die mit den größten Gebäudeverlusten.

Variante 1

Die Trasse beginnt auf der Seite der Ostra-Insel direkt am Messering und führt von dort über die Wiese an der Elbe, nahe an der ehemaligen Anlegestelle der Fähre vorbei. Auf der anderen Elbseite kommt sie direkt neben dem "Watzke"-Biergarten an. Die Trasse führt dann über das Grundstück mit dem sogenannten "Kleinen Watzke", dem Verwaltungsgebäude des Brauhauses auf dem Parkplatz an der Kötzschenbroder Straße. Dann geht es dicht an den Häusern Kötzschenbroder Straße 8 und 10 vorbei, über das Tankstellengrundstück an der Leipziger Straße hinweg und auf gerader Linie durch die Gartensparte Erholung II zur Sternstraße. Dort könnten die Straßenbahnen von der Brückenrampe kommend nach links auf die Sternstraße in Richtung Übigau fahren - oder nach rechts auf die Leipziger Straße in Richtung Radebeul. "Im Abschnitt zwischen der Kötzschenbroder Straße und der Sternstraße müssten auf der Westseite der Leipziger Straße alle Gebäude abgerissen werden", heißt es in der Untersuchung. Das beträfe auch Geschäfte, Wohnhäuser und das "Kleine Watzke". Und weiter: "Eine Trassierung unmittelbar vor mehreren Wohngebäuden an der Kötzschenbroder Straße 8 und 10 ist hinsichtlich der Lärm- und Sichtbeeinträchtigung sehr problematisch."

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Variante 2

Sie beginnt kurz vor dem derzeitigen westlichen Ende des Messerings über die Elbwiese und die Elbe und trifft fast im rechten Winkel in Höhe des Grundstücks mit der Nummer 5 auf die Böcklinstraße. Es gibt aber auch eine "Trassierungsvariante 2e" für die Messe-Seite der Brückenzufahrt, die durch die dortige Gartensparte führt. "Um den Abriss von Gebäuden auf der Westseite der Kötzschenbroder Straße zwischen der Böcklinstraße und der Sternstraße zu vermeiden, verläuft die Brückenrampe diagonal über ein von diversen Gewerbebetrieben genutztes Gelände in Richtung Sternstraße", heißt es dazu in der Untersuchung. "Für die Trasse muss ein Teil der Gewerbegebäude entfallen." Das beträfe mehrere ein- bis zweistöckige Gebäude" in teilweise abgenutztem Zustand. Allerdings führt diese Trasse an dem kürzlich sanierten Wohnhaus Böcklinstraße 2 vorbei. Dort wäre dann Lärmschutz nötig.

Variante 3

Auch diese Variante könnte auf der Ostra-Seite an den Messering anschließen oder eine Trasse diagonal durch die dortige Gartensparte bekommen. Auf der Pieschener Seite trifft die Brücke dort auf die Böcklinstraße, wo die Bebauung derzeit endet. Dort beginnt die Flutrinne. Gleich neben der gedachten Straßenbahntrasse an der Sternstraße befindet sich eine Fläche, die noch bebaut werden soll. "Gegenwärtig ist dieser Korridor unbebaut", heißt es in der Untersuchung.

Das ist die Brückenlage, die laut der Untersuchung die größten Chancen hat. Dafür müssten auf Pieschener Seite keine Gebäude abgerissen werden. Ihr Verlauf auf der Ostra-Insel könnte aber eine Gartensparte treffen.
Das ist die Brückenlage, die laut der Untersuchung die größten Chancen hat. Dafür müssten auf Pieschener Seite keine Gebäude abgerissen werden. Ihr Verlauf auf der Ostra-Insel könnte aber eine Gartensparte treffen. © Stadtplanungsamt Dresden

Vor- und Nachteile

Brückenstandort 1, also der, bei dem die Brücke in Pieschen neben dem "Watzke" ankommt, hat "das größte prognostizierte Nutzerpotenzial". Dort wäre die neue Elbquerung also besonders sinnvoll. Sie würde reichlich 70 Millionen Euro kosten.

Die Brückenstandorte 2 und 3 würden laut den Ingenieuren "zur besseren Verteilung der ÖPNV-Ströme zwischen Kaditz/Mickten und dem Stadtzentrum beitragen". Sie wären zwischen sieben und fast 25 Millionen Euro billiger als die Variante 1.

Es gibt weitere Argumente gegen Brückenstandort 1, die aus Sicht der Untersuchung besonders schwer wiegen. "Die Einbindung eines neuen Verkehrszuges in die Leipziger Straße im Bereich Pieschen würde die heute zeitweise problematische Verkehrssituation weiter verschärfen und alle Verkehrsteilnehmer benachteiligen", stellen die Verantwortlichen fest. Zusammenfassend erklären sie: "Rechtselbisch steht bei den Standorten 1 und 2 kein frei verfügbares Gelände für die Planung einer Brückenrampe und die Einbindung der Straßenbahntrasse in die bestehende Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung."

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Sie schlagen letztlich vor, den dritten Standort zu favorisieren. Vor allem deshalb, weil die Trasse auf Pieschener Seite nicht bebaut ist. Zum Trassenverlauf auf der Ostra-Insel machen sie lediglich zur Variante 2 eine Aussage. Der Verkehrshof einer Speditionsfirma sowie bei Trassenverlauf 2e eine Kleingartenanlage und eine geplante Wasseraufbereitungsanlage "stellen Hindernisse dar".

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