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Dresdner Türsteher: Angriff auf Sarrasani und Frau

Erst durfte der Magier nicht in eine Dresdner Disko, dann gab es auch noch Prügel. Seit Freitag steht ein 42-Jähriger deshalb vor Gericht.

Der Dresdner Magier André Sarrassani und seine Partnerin Edith Slavova wurden am Eingang einer Disko attackiert. Am Freitag sagten sie als Zeugen gegen den Angeklagten aus.
Der Dresdner Magier André Sarrassani und seine Partnerin Edith Slavova wurden am Eingang einer Disko attackiert. Am Freitag sagten sie als Zeugen gegen den Angeklagten aus. © Foto: Alexander Schneider

Dresden. An diesen frühen Samstagmorgen im Januar 2019 wird sich André Sarrasani noch lange erinnern. Nach der Dinnershow in seinem Trocadero-Zelt am Elbepark traf er sich noch mit Gästen. Lange nach Mitternacht fuhr er mit Lebensgefährtin Edith Slavova zum „Blue Dance Club“ in der Wallstraße. Dort feierte ein Kollege mit weiteren Künstlern und Mitarbeitern der Show Geburtstag.

Doch zwei Türsteher verweigerten dem Paar, es war bereits gegen drei Uhr, den Zutritt zur Disko. Es sei zu spät, hieß es. Das Paar diskutierte mit den Wachmännern, doch es war nichts zu machen. Immerhin erhielt Edith Slavova die Erlaubnis, hineinzugehen, um die Freunde zu informieren, auf dem Handy waren sie nicht erreichbar.

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Doch die 43-Jährige kam dort nie an. Ein Mann, offensichtlich ein dritter Türsteher, der auch eine solche Uniform getragen habe, fing sie ab und begleitete sie wieder nach draußen. Ruppig sei das gewesen. Geschubst habe er sie. Am Ausgang soll er der Frau sogar ins Gesicht geschlagen oder sie gegen eine Tür gestoßen haben.

Sarrasani reagiert geistesgegenwärtig

Das sah Sarrasani und stellte sich dazwischen: „Hey, was soll das?“, habe er sich laut Erinnerung gefragt. Dann habe der mutmaßliche Türsteher ihm einen Kopfstoß verpasst. Der 48-jährige Zauberer und Dompteur verlor zwei Schneidezähne. Das Paar alarmierte sofort die Polizei. So in aller Kürze die Version, die der Künstler und seine Frau am Freitag im Amtsgericht Dresden als Zeugen vortrugen.

Angeklagt ist ein 42-jähriger Dresdner, der seit vielen Jahren als Rechtsextremer auf sich aufmerksam macht, zuletzt auch mit Reichsbürger-Allüren. Als regelmäßiger Teilnehmer an Pegida-Demos „verirrte“ er sich an einem Montagabend auch schon einmal in eine Zeitungsredaktion, indem er den Wachschutz ignorierte.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun Körperverletzung vor. Darüber hinaus ist auch ein zweiter Sachverhalt angeklagt: Urkundenunterdrückung. Im August 2020 habe R. einem Polizisten nach einer Verkehrskontrolle den Dienstausweis entrissen und nicht herausgegeben.

Ein auffälliger "Security-Gast"?

Sebastian R. machte keine Aussage zu den Vorwürfen. Nachdem das Künstlerpaar ausgesagt hatte, bestätigte eine Polizeibeamtin die Angaben der beiden weitgehend. Sie berichtete, dass der Täter vor Ort verschwunden war. Die beiden Türsteher hätten gesagt, der dritte Uniformierte sei ein „Gast“ und gehöre - trotz Uniform - angeblich nicht zu ihnen.

Der Beamtin gelang es, R. zu ermitteln. Er war mit seinen auffälligen Kotelettenbart kein Unbekannter. Eine Person dieses Aussehens sei mehrfach an Türen bei Wachdiensten „als dritte Person involviert gewesen“. Sarrasani und Slavova hatten den Mann später als mutmaßlichen Täter identifiziert.

Nach Angaben des Richters hatte sich ein angeblicher Entlastungszeuge R.s kurzfristig krank gemeldet. R.s Verteidiger Rolf Franek versuchte allerlei Zweifel an den Zeugenaussagen zu sähen, doch der Richter sagte, das geschilderte Geschehen sei „insgesamt sehr konsistent“.

Hintergrund des zweiten Vorwurfs war eine Verkehrskontrolle. Autofahrer R. war angeblich nicht angeschnallt, bestritt das jedoch. Dabei kam der Verdacht auf, der 42-Jährige sei Halter eines in Tschechien zugelassenen Autos, um Steuer zu hinterziehen. R. habe sich von den Beamten die Dienstausweise zeigen lassen und einen dann entrissen.

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