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Angeklagter gesteht tödlichen Stich

Prozessauftakt am Landgericht Dresden: Im Streit hat ein 49-Jähriger in Lockwitz seine Partnerin tödlich verletzt. Dabei war jede Menge Alkohol im Spiel.

Robert W. (l.), hier mit seinem Verteidiger Hans Theisen, muss sich wegen Totschlags verantworten. Er hat seine Frau in einer lautstarken Auseinandersetzung niedergestochen.
Robert W. (l.), hier mit seinem Verteidiger Hans Theisen, muss sich wegen Totschlags verantworten. Er hat seine Frau in einer lautstarken Auseinandersetzung niedergestochen. © Alexander Schneider

Dresden. Es war das Wochenende, an dem die coronabedingte Ausgangssperre begann. Die Schulen waren schon eine Woche zu. Am 21. März, es war ein Sonnabend, hat der 49-jährige Betriebswirt Robert W. im Laufe eines lautstarken Streits seine Lebensgefährtin und Mutter ihres damals 11-jährigen gemeinsamen Sohnes niedergestochen. Irina R. (45) überlebte die Verletzungen nicht. Am 2. April erlag sie kurz vor Mitternacht einem multiplen Organversagen.

Robert W. sitzt seit dem verhängnisvollen Wochenende in Untersuchungshaft. Am Montag hat sein Prozess am Landgericht Dresden begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor. Tatort war das gemeinsame Wohnhaus in Lockwitz.

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Laut Anklage hat W. seiner Partnerin mit einem Küchenmesser in den Unterbauch gestochen. Die 20 Zentimeter lange Klinge verletzte Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz und Nieren. Irina R. habe erheblich Blut verloren und noch in der Küche einen Herzstillstand erlitten. Sie konnte reanimiert werden.

Eine ganz normale Familie

Das Paar hatte mit dem Sohn im gemeinsamen Reihenhaus in der Heinz-Bongartz-Straße gelebt. Robert W. war Controller bei einem IT-Unternehmen. Auch seine Partnerin hatte gearbeitet. Eine ganz normale Familie. Doch dass es zwischen dem Paar seit Jahren kriselte, sollen sie mehr für sich behalten haben.

W. hat sich schon gegenüber der Polizei zu der Tat eingelassen. Am Montag wiederholte er sein Geständnis. Er berichtete von einer Beziehung, die seit langem zerrüttet gewesen sei. Seit fünf Jahren schon habe er im Arbeitszimmer auf der Couch geschlafen. Man habe getrennt eingekauft und im Kühlschrank hätten in der oberen Hälfte seine, in der unteren ihre Lebensmittel gestanden.

Die 45-Jährige sei auch sehr streng und autoritär gegenüber ihrem gemeinsamen Sohn gewesen, er dagegen sei viel entspannter gewesen, antiautoritär, wie er sagte. Auch am Tatabend habe es, nachdem beide erheblich getrunken hatten, Streit um die Erziehung gegeben. Er habe seinem Sohn erlaubt, eine Stunde länger aufzubleiben, weil er in der vergangenen Woche zu Hause gut gelernt habe. Als sie davon erfahren habe, sei es laut geworden.

"Was hast du jetzt gemacht?"

Während der längeren Auseinandersetzung in den Abendstunden in der Küche habe er ein Messer gegriffen. "Ich weiß nicht, wie ich zugestochen habe", sagte er. Sie habe gesagt: "Was hast du jetzt gemacht?" Wie er das sagte, klingt es so, als seien es die letzten Worte seiner Frau gewesen.

Er habe seinen Sohn gerufen und "ich habe der Mama in den Bauch gestochen" gesagt. "Nein, nein, Papa, nein!", habe der gerufen, sei zum Nachbarn gelaufen. W. sagte dann, er habe die Polizei alarmiert - und dann in der Küche um sich geschlagen. Als die Beamten kamen, habe er darum gebeten, dass sie ihn erschießen mögen. "Ich wollte, dass es vorbei ist". Das war es aber nicht.

Wie seine Frau kam auch W. in eine Klinik. Er hatte sich eine Schnittwunde am Arm zugezogen, als er auf die Küchenmöbel einschlug. Er habe gehofft, dass Irina überlebt und alles wieder gut wird.

Das Gericht hat sechs Verhandlungstage bis Ende Oktober geplant.

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