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Dresdner Politiker verurteilen Buttersäure-Anschlag

Unbekannte haben die Fensterscheibe des Dresdner Buchhauses von Susanne Dagen eingeschlagen. Die Polizei vermutet einen politischen Anschlag.

Anschlag auf Buchhaus Loschwitz in Dresden
Anschlag auf Buchhaus Loschwitz in Dresden © T. Plunert

Dresden. In der Nacht zum Montag haben Unbekannte einen Anschlag auf das Buchhaus Loschwitz verübt. Die Buchhandlung gehört unter anderem Susanne Dagen, die Stadträtin für die Freien Wähler ist.

Wie die Polizei mitteilte, haben die Täter einen Stein auf die Schaufensterscheibe geworfen, worauf diese zerbrach. Danach flog eine Flasche mit Säure in den Laden.

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Sweta Dagen, die Tochter der umstrittenen Buchhändlerin Susanne Dagen, hatte gegen 0.45 Uhr in der Nacht zum Montag gerade das Licht ausgemacht, wollte schlafen - ihr Schlafzimmer ist direkt über dem Buchhaus. "Zwei Minuten später hörte ich einen lauten Knall", berichtet die 19-Jährige. "Dann war da nochmal ein Knall, darauf ein blaues Licht und dann hörte ich mehrere Personen rennen." Sie sprang auf, lief zum Fenster, sah aber niemanden mehr.

Sweta Dagen rief die Polizei und ging hinunter. Dort nahm sie bereits den beißenden Geruch wahr. "Der oder die Täter müssen den großen Stein, den wir immer vor dem Laden liegen haben, um den Postkartenständer zu beschweren, durch die Fensterscheibe geworfen haben", sagt sie. Im Laden fanden sich Reste von einer Plastikflasche, die offenbar mit Böllern und Säure gefüllt gewesen sein muss.

Auch die Polizei geht von einem Buttersäureanschlag aus. Unbekannten hätten eine Flasche, in der sich Pyrotechnik und Buttersäure befand, in das Geschäft geworfen. Ein politischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden, teilt die Polizei Dresden mit. Der Schaden belaufe sich derzeit auf 1.000 Euro. Der Staatsschutz ermittelt.

"Ich hatte Angst, mir fliegt das ganze Haus um die Ohren."

Die Tochter von Susanne Dagen ist Rettungssanitäterin, sie beschreibt den Anblick so: "Der Stein lag in der Mitte des Ladens, überall waren Böllerreste verteilt und Säure, es stank bestialisch." Bis auf die Fensterscheibe sei zum Glück nicht viel zerstört, allerdings haben einige Bücher Säureflecken.

"Es war natürlich ein großer Schock für mich", sagt Sweta Dagen. "Ich hatte Angst, mir fliegt das ganze Haus um die Ohren."

Nachdem die Spuren durch die Polizei gesichert hat, ging es für Familie Dagen ans Aufräumen. "Ich war in der Nacht gar nicht da", so Susanne Dagen, die den Schaden erst am Montagmorgen begutachten konnte.

Familie Dagen vermutet linksextremen Anschlag

Mutter und Tochter Dagen gehen von einem linksextremen Anschlag aus. "Ich gehe davon aus, das geht in Richtung Antifa", sagt die Tochter. Es sei eine neue Stufe der Gewalt gegen ihre Mutter, ja die ganze Familie. "Das kann nur eine politische Tat sein, warum sollte sonst jemand nach Loschwitz kommen, um einen kleinen Buchladen zu demolieren?"

Bislang habe es Schmierereien am Buchhaus und dem dem dazugehörigen Kulturhaus gegeben. Da standen Begriffe wie "Nazis" oder "enteignen", dazu berichtet Sweta Dagen von einem falschen Twitter Account unter dem Namen ihrer Mutter, über den Unwahrheiten verbreitet werden. "Es gab auch bereits Morddrohungen gegen meine Mutter."

Bestbeschützte Buchhandlung Deutschlands?

Die Buchhändlerin Susanne Dagen sorgt in der Öffentlichkeit für kontroverse Diskussionen. Ihr wird vorgeworfen, rechten Autoren eine Plattform zu bieten. Unter anderem weil sie mit Ellen Kositza, Publizistin der Neuen Rechten und Ehefrau von Götz Kubitschek, regelmäßige Veranstaltungen organisiere. Vor drei Jahren startete sie die umstrittene „Charta 2017“ . Immer wieder tritt sie in neurechten Zusammenhängen in Erscheinung– gab „Compact“ und dem rechtsextremen Magazin „Sezession“ Interviews, trat bei „Ein Prozent“ auf, sagt, sie habe mit Pegida kein Problem, kooperiert mit dem dem neurechten Antaios Verlag.

Susanne Dagen stellt aber klar: "Ich fürchte nicht um mein Leben." Sie lasse sich nicht unterkriegen, auch wenn so ein Anschlag unmittelbar am Zuhause ihrer Familie "infam" sei. "Wir werden in den nächsten Wochen wohl die bestbeschützte Buchhandlung Deutschlands sein", sagt Dagen mit Blick auf die Ermittlungen und eine mögliche Überwachung durch die Polizei.

"Gewaltakt in keinster Weise zu akzeptieren"

Am Montagnachmittag meldeten sich dann einige Dresdner Politiker dazu zu Wort. "Ich verurteile diesen Anschlag auf das Schärfste", so Dresdens CDU-Fraktionschef Peter Krüger. "Ungeachtet aller politischen Differenzen ist ein solcher Gewaltakt in keinster Weise zu akzeptieren! Die körperliche Unversehrtheit und der Schutz des privaten und beruflichen Umfelds müssen auch für ehrenamtliche Mandatsträger unbedingt gewährleistet sein." Krüger hoffe, dass der oder die Täter "möglichst schnell ihrer gerechten Strafe" zugeführt werden.

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Auch FDP-Fraktionschef Holger Zastrow meint "Mit dem Buttersäureanschlag auf das Wohn- und Geschäftshaus von Frau Dagen hat die politische Auseinandersetzung eine schlimme und äußerst bedenkliche Qualität erreicht". "Es ist völlig inakzeptabel, Meinungsverschiedenheiten auf diese Art auszutragen." Es müsse Konsens unter allen politischen und gesellschaftlichen Akteuren sein, auf Gewalt und Bedrohungen zu verzichten und das zu verurteilen. Er sehe ein Problem im Umgang innerhalb des Stadtrates. Dieser müsse sich stärker mit dem Thema Hass und Formen von Auseinandersetzungen befassen. "Denn es ist auffällig wie rüde und ins Persönliche gehend manche Debatten geführt werden", so Zastrow. "Regelmäßig erhalten vor wichtigen Stadtratsentscheidungen Stadträte aller Fraktionen Verleumdungen, mit denen sie diskreditiert werden sollen. Diese Art der Auseinandersetzung ist nicht gut für das gesellschaftliche Miteinander in der Stadt."

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