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Dresden

Auf Diebestour quer durch die Republik

Ein 35-Jähriger hatte sich auf Filialen einer Kfz-Servicefirma spezialisiert. Nun hat er vor dem Dresdner Gericht gestanden, verrät seinen Komplizen jedoch nicht.

Ein dreister Trickdieb hat sechs Filialen eines Unternehmens im Großraum Dresden an nur einem Tag bestohlen. Am Amtsgericht Dresden hat er nun reinen Tisch gemacht.
Ein dreister Trickdieb hat sechs Filialen eines Unternehmens im Großraum Dresden an nur einem Tag bestohlen. Am Amtsgericht Dresden hat er nun reinen Tisch gemacht. ©  Archiv/René Meinig

Dresden. Designerbrille, Markenklamotten, freundliches Auftreten – Antje S. hatte nicht den geringsten Zweifel, dass mit dem netten Kunden etwas nicht stimmen könnte. Die 45-jährige Verkäuferin bediente den Herrn an einem Sonnabendvormittag in einer Freitaler ATU-Filiale. Ihr war aufgefallen, dass der Mann, der sich für einen Kindersitz interessierte, einen Begleiter bei sich hatte, mehr nicht. Dann war der Kunde verschwunden.

Erst im Laufe jenes Sonnabends erhielt die Frau eine alarmierende Mail einer anderen ATU-Filiale, in der vor Trickdieben gewarnt wurde, die mehrere ATU-Geschäfte im Raum Dresden besucht hatten. Antje S. stellte fest, dass die Täter Elektrogeräte der Marke Einhell und Navigationssysteme im Gesamtwert von mehr als 500 Euro erbeutet hatten.

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In anderen ATU-Läden machten die Diebe noch mehr Beute – in Dresden, Pirna, Meißen und Riesa. Die Staatsanwaltschaft beziffert den Wert der an jenem 7. Juli 2018 gestohlenen Ware auf knapp 6.000 Euro. Die Elektrogeräte fanden sich bald wieder – in der Online-Kleinanzeigenbörse von Ebay, die ein gewisser Adrian B. aus Detmold in Nordrhein-Westfalen angeboten hatte. Das ist der freundliche Kunde. Die Ermittlung des Täters war reine Formsache, er hatte keine großen Anstalten unternommen, seine Identität zu verschleiern.

Schaden beglichen

Am Mittwoch stand der 35-Jährige wegen Diebstahls in sechs Fällen vor dem Amtsgericht Dresden. Ein gelernte Lagerlogistiker, der seit Jahren als Schichtleiter bei einem Zulieferbetrieb der Automobilbranche arbeitet. Seine Verteidiger erklärten zum Prozessauftakt, ihr Mandant werde die volle Verantwortung übernehmen. Viel zu leugnen gab es auch nicht. Die Spur des Angeklagten zog sich quer durch das Bundesgebiet, von ATU- zu ATU-Filiale. Es wurden zahlreiche Verfahren gegen B. eingeleitet. Einmal wurde er bereits dafür in Speyer zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Ziel der Verteidigung und Anlass für die Offenheit war, mit dem Dresdner Urteil noch im bewährungsfähigen Bereich von unter zwei Jahren zu bleiben. Ihr Mandant habe extra in einen Minijob Brötchen für eine Bäckerei ausgeliefert, um den Schaden bei ATU begleichen zu können. Vergangene Woche habe er 5.890 Euro überwiesen.

Als Motiv für die Diebstähle nannte B. seine Spielsucht. Er habe sich 2015 ein Haus gekauft, im gleichen Jahr habe ihn seine Freundin verlassen. In Spielotheken habe er „Freunde“ gefunden und die Automaten gefüttert. Er wisse heute, dass er vielen Menschen Sorgen bereitet habe.

Lob von der Richterin

Das sei ihm allerdings erst im August 2018 klar geworden, seinem ersten Gefängnisaufenthalt. Einen Monat hatte er in Speyer in Untersuchungshaft gesessen. Inzwischen habe er eine Therapie absolviert, ist in einer Selbsthilfegruppe und nennt seinen Zustand „stabil“. Nur den Namen des Komplizen behielt der 35-Jährige für sich.

Aufgrund des Geständnisses vernahm das Schöffengericht nur einen Ermittler und ATU-Mitarbeiterin Antje S. Sie erkannte den Angeklagten wieder, auch wenn er damals viel schlanker gewesen sei. Ladegeräte und Akkus habe er etwa gestohlen.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung, wie vom Staatsanwalt und den Verteidigern gefordert. Darin enthalten ist das Urteil aus Speyer – und ein kleiner Puffer, falls B. doch noch einmal wegen einer ATU-Sache irgendwo in Deutschland angeklagt werden sollte.

Als Bewährungsauflage muss B. 600 Euro an die Opferhilfe Sachsen zahlen. Das war eine Idee des Schöffengerichts. "Der Angeklagte soll nicht mit leeren Händen das Gericht verlassen", sagte die Vorsitzende Richterin. Will heißen: Der Mann soll auch spüren, dass er verurteilt wurde. Die Richterin lobte B. für sein ungewöhnliches Nachtatverhalten, die Schadensregulierung und die durchgestandene Therapie – so etwas habe sie noch nicht erlebt. Angesichts dessen fielen die weiteren knapp zehn meist kleinere Vorverurteilungen des Mannes nicht besonders ins Gewicht. Das Urteil ist rechtskräftig.

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