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Aus für das 365-Euro-Ticket in Dresden?

Nach der Expertenrunde schien diese Variante erledigt. Einige geben diese Idee aber noch lange nicht auf. Im Stadtrat sind die Meinungen geteilt.

Die Debatte um das 365-Euro-Ticket in Dresden ist noch nicht beendet.
Die Debatte um das 365-Euro-Ticket in Dresden ist noch nicht beendet. © René Meinig

Dresden. Es kostet zu viel, bringt nicht die gewünschten Effekt und es gibt bessere Lösungen, den Dresdner Nahverkehr attraktiver zu machen.

So war zumindest die einhellige Meinung der Experten, die für die Stadt die Einführung eines 365-Euro-Tickets untersucht und darüber diskutiert haben. Doch die Debatte darum geht weiter.

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37,4 Millionen Euro Einbußen für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) prognostizieren die von der Stadt beauftragten und eingeladenen Experten, wenn in Dresden ein Jahresticket für einen Euro am Tag eingeführt würde. Große Zuwächse an Fahrgästen gäbe es aber nicht, sagen sie. Die berechneten 2,4 Prozent Fahrgäste mehr, hätte Dresden wohl alleine durch das Bevölkerungswachstum auch. 

Für die Verbesserung des Klimas, sei kein Effekt zu erwarten, da kaum Autofahrer auf Bus und Bahn umsteigen würden. Vielleicht einige Radfahrer - was die Klimabilanz schlechter machte, so Stefan Weigele von Civity, die von der Stadt als Berater engagiert wurden.

Investitionen in den Ausbau der DVB-Linien und den Netzes, seien wirksamer. DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach sagt, er könne rund 15 Millionen mehr Fahrgäste pro Jahr gewinnen, wenn er 19 Millionen Euro mehr für den Betrieb erhielte und zusätzlich ins Netz investiert würde.

Alle Experten rieten dazu, kein 365-Euro-Ticket einzuführen, sondern in die DVB zu investieren. Je besser die Anbindungen, umso mehr steigen auf Bus und Bahn um, so das Fazit.

Idee "endgültig vom Tisch"

Einige Stadträte teilen diese Auffassung klar. "Die Expertenanhörung hat bestätigt, dass der Dresdner Nahverkehr schon heute ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat", so SPD-Stadtrat Stefan Engel. "Der Schlüssel zur Verkehrswende liegt in einem konsequenten Ausbau des Angebots bei maßvollen Preisen. In den nächsten Jahren braucht Dresdens Nahverkehr eine Angebotsoffensive." Er fordert neue Straßenbahntrassen und Busquerverbindungen.  "Bisher läuft das Stadtbahnprogramm viel zu schleppend", sagt Engel. Mit der geplanten Erhöhung der Parkgebühren könnte das zusätzliche Geld in den DVB-Ausbau investiert werden. Gleichzeitig solle das Sozialticket beibehalten werden.


„Die vorgestellte Studie hat gezeigt, dass ein 365-Euro-Ticket unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht finanzierbar ist", so Grünen-Stadträtin Susanne Krause. "Das 365-Euro-Ticket wäre ein Sozialticket für alle, das durch die Allgemeinheit finanziert werden muss. Sehr geringen Effekten steht eine horrende Erhöhung des Zuschussbedarfs durch die Stadt an die DVB gegenüber." Und zwar jährlich. Um Bahn und Bus, und damit die Verkehrswende, weiter voran zu bringen, wollen die Grünen ebenfalls das Angebot verbessern.

„Das 365-Euro-Ticket ist unglaublich teuer, und bringt den Umstieg vom Auto auf Straßenbahn und Busse nicht voran", sagt Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi. "Die Hoffnung von Fördermitteln vom Bund trügt, denn es handelt sich dabei nicht um eine dauerhafte Finanzierung.“ Die Idee eines 365-Euro-Ticket sei "endgültig vom Tisch". 

Die gleiche Formulierung benutzt FDP-Fraktionschef Holger Zastrow: "Nach den überdeutlichen Aussagen der Experten ist das Ticket nunmehr hoffentlich endgültig vom Tisch. Es ist weder sinnvoll noch finanzierbar, es in Dresden einzuführen." Die Debatte sei  wenig hilfreiche gewesen. "Wir sollten jetzt wieder zur Tagesordnung zurückkehren und uns auf die wirklichen Herausforderungen beim ÖPNV konzentrieren", so Zastrow. So müssen das Angebot auch unter Corona-Einschnitten finanziell abgesichert werden. "Die Sanierung und der Ausbau von Strecken für den Einsatz der neuen Triebwagen, das Stadtbahn Programm 2020 und die Vernetzung mit dem motorisierten Individualverkehr für Berufspendler durch den Bau von leistungsfähigen Park and Ride Plätzen vor allem im Dresdner Norden und im Osten der Stadt Erscheinen mir wichtiger als das 365-Euro-Ticket." 

"DVB und Verwaltung haben kein Interesse daran"

Differenzierter ordnet es CDU-Stadtrat Veit Böhm ein. "Das Thema wird von Experten ganz unterschiedlich bewertet." Das zeige sich auch daran, dass es ein Bundesprogramm mit Fördermitteln dafür gibt. "Es ist ja länger bekannt, dass DVB und Verwaltung kein Interesse an einem 365-Euro-Ticket haben", meint Böhm.

Aktuell sei eine Umsetzung nicht denkbar. "Das beispiel Bonn zeigt, dass es auch problematisch ist, wenn man so ein Ticket nur begrenzt gefördert bekommt." Dort wurde es wieder eingestampft, nachdem die Bundesförderung ausgelaufen ist. Wenn man so ein Ticket will, bedarf es einer langfristigen Förderung durch den Bund", sagt Böhm.

Zudem kritisiert der CDU-Stadtrat die Verwaltung. "Das Agieren der Verwaltung geht am Ratsbeschluss vorbei, denn ein Auftrag war die Voraussetzungen für eine mögliche Einführung zu prüfen beziehungsweise zu schaffen." Doch die Stadt habe lediglich untersuchen lassen, was eine Einführung bedeuten würde. "Es war ja klar, dass die Experten der Verwaltung zu diesem Ergebnis kommen", sagt Böhm. "Zum Schluss ist ein derartiges Ticket eine politische Entscheidung."

"Wir halten am 365-Euro-Ticket fest"

Die Veranstaltung und die Ergebnisse seien erwartbar gewesen, meint Linke-Stadträtin Anne Holowenko. "Es wurde viel Aufwand betrieben um uns zu erklären, warum das 365-Euro-Ticket in Dresden nicht funktioniert." Verwaltung und DVB seien in dieser Angelegenheit völlig unflexibel. 

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"Wir brauchen in Dresden endlich ein attraktives Tarifangebot, das Klarheit schafft und die Leute dazu bewegt, das Auto stehen zu lassen", fordert Holowenko. "Mobilität darf kein Luxus sein, wir wollen den Nahverkehr für alle, auch für die Menschen, die durchs Raster fallen." Damit meint sie beispielsweise die untere Mittelschicht und Senioren. Sie fordert eine "soziale Verkehrswende" für Dresden und Prioritäten von der Stadt dafür. "Wir halten am 365-Euro-Ticket fest." Damit dürfte die Debatte demnächst weitergehen.

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