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Missbrauch: „Bienenkönig“ muss ins Gefängnis

Ein 65-Jähriger wird in Dresden wegen schweren Kindesmissbrauchs erneut verurteilt. Er bestreitet selbst eindeutige Tatvorwürfe.

Thomas H. wurde am Landgericht Dresden zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt - wegen Missbrauchs zweier Kinder, die er immer wieder begrapscht hatte. Der einschlägig vorbestrafte Landwirt hat die Vorwürfe bis zuletzt bestritten.
Thomas H. wurde am Landgericht Dresden zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt - wegen Missbrauchs zweier Kinder, die er immer wieder begrapscht hatte. Der einschlägig vorbestrafte Landwirt hat die Vorwürfe bis zuletzt bestritten. © Alexander Schneider

Dresden. Am Ende des gut zweimonatigen Prozesses hat die Jugendschutzkammer des Landgerichts Dresden keine Zweifel. Der 65-jährige Thomas H. hat nach Überzeugung des Gerichts wieder und wieder zwei damals sieben und neun Jahre alte Schwestern missbraucht.

Immer, wenn H. zu Besuch bei der Familie in Gorbitz gewesen sei, habe er mit den Mädchen auf der Couch gesessen und sie an seinem Handy und seinem Laptop spielen lassen. Dabei habe er die Nähe ausgenutzt und den Kindern unter der Kleidung an die Brust und ans Geschlechtsteil gefasst. Das Gericht verurteilte den Dresdner nun wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 19 Fällen.

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Das Urteil wegen „schwerer“ Fälle ergab sich, weil er zur Tatzeit unter Bewährung stand, so der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel. Thomas H. hatte sich schon vor Jahren selbst als „Bienenkönig“ bezeichnet. Der Dresdner hatte einen Schaubienenstand in Cotta, wo er gerne Kindergarten- und Grundschulkindern seine Bienen präsentierte.

Kontaktverbot zu Kindern

Allerdings hatte er sich schon damals an Kindern vergangenen, als sie sich in dem Bauwagen umziehen mussten. H. war 2016 wegen Missbrauchs in 21 Fällen zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Im Mai 2018 wurde er vorzeitig entlassen, als Auflage war ihm Kontakt zu Kindern verboten.

Anfang 2020 lernte der arbeitslose Landwirt die Gorbitzer Familie kennen und war dort bald ein gern gesehener Gast. Er wurde als netter Opa-Ersatz beschrieben. Regelmäßig besuchte er die Kinder, im Juli wollte er sie übers Wochenende sogar mit zum Angeln nehmen – doch zuvor offenbarten sich die Mädchen. Schnell kam die Polizei H. auf die Spur, der seine Identität gegenüber der Familie verheimlicht hatte.

Die Kinder hatten in ihren Polizeivernehmungen berichtet, dass der Angeklagte ihnen immer mit der Hand unter die Kleidung fahren würde. Ein Mädchen sagte, es habe sich sogar eine zweite Hose übergezogen, sagte Ziegel. Es habe auch „den Bauch dick gemacht“, damit H. nicht unter die Kleidung gelange.

Kinder mussten erneut vernommen werden

Auch am Besitz von Kinderpornografie hatten die Richter keine Zweifel. Rund 2.800 Fotos und Videos mit sexueller Gewalt gegenüber Kindern wurden auf H.s Geräten sichergestellt. Die Kammer verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Strafschärfend wertete das Gericht, dass H. den Kindern eine erneute Vernehmung in der Hauptverhandlung nicht erspart hat. Der Angeklagte habe das Vertrauen der Kinder und auch der Familie erheblich missbraucht, sagte Richter Ziegel.

Doch H. bestritt bis zuletzt alle Vorwürfe, selbst die Dateien auf seinen Computern. Er habe sie nicht heruntergeladen, das sei ohne sein Wissen geschehen. Zudem sprach er von harmlosen Darstellungen von FKK- und Nudisten-Seiten. Der Mann sitzt bereits seit Ende Juli vergangenen Jahres wieder in Untersuchungshaft. Für ein Geständnis hätte H. sicherlich einen erheblichen Strafrabatt bekommen können.

Die Staatsanwältin hatte für den Angeklagten fünfeinhalb Jahre Haft gefordert. Sie ging von 31 Missbrauchstaten gegenüber den beiden Mädchen aus. Das Gericht kam "nur" zu 19 Fällen, weil es die Anzahl der Besuche, die nicht genau bekannt war, zugunsten des Angeklagten niedriger ansetzte. Rechtsanwältin Anca Kübler, sie vertrat die Familie der Geschädigten, sagte, das einzige, was positiv anzumerken sei, ist die eher geringe Intensität der Übergriffe, da H. es bei Berührungen belassen habe. Dennoch seien die Mädchen durch die Taten psychisch erheblich beeinträchtigt worden.

Weder Hinweis noch Motiv für Falschbelastung

Verteidiger Andreas Suska forderte einen Freispruch für die sexuellen Gewalttaten, eine Freiheitsstrafe von acht Monaten für den Besitz der Dateien und eine sofortige Entlassung seines Mandanten aus der U-Haft. Er hielt die Übergriffe für nicht erwiesen und für wenig glaubhaft, zumal die Familie der Mädchen so gut wie immer anwesend gewesen sei.

Dazu sagte der Vorsitzende Richter Ziegel, dass ein schnelles Unter-die-Kleidung-Fahren mit der Hand durchaus nachvollziehbar sei, die Kinder das auch so dargestellt hätten und sich auch die früheren Taten des Angeklagten in einer ähnlichen Weise abgespielt hätten. Für eine möglicherweise gezielte Belastung H.s durch die Mädchen, wie sie von der Verteidigung ins Spiel gebracht wurden, sah das Gericht "weder Hinweise noch Motiv".

Freigesprochen wurde H. "nur" für zwei weitere Vorwürfe, die sich noch zu Zeiten ereignet haben sollen, als H. noch seinen Schaubienenstand hatte. So habe der Hobbyimker gefilmt, wie er ein bis heute unbekanntes Mädchen anfasste, das sich in dem Bienenwagen umgezogen hatte. Die Berührung sei offensichtlich nicht sexuell motiviert gewesen, sagte Ziegel und schloss sich in diesem Punkt Suskas Argumentation an. Vielmehr habe H. gezielt das Geschlechtsteil des Kindes filmen wollen - dieser Vorwurf sei jedoch wohl schon verjährt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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