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"Blaues Wunder ist für mich Chefsache"

Dresdens Baubürgermeister erklärt, warum es keine Fördermittel für die Brücke gibt, aber gebaut werden muss. Ein Überblick der Straßen- und Brückenvorhaben 2021.

Das Blaue Wunder muss dringend saniert werden.
Das Blaue Wunder muss dringend saniert werden. © Sven Ellger

Dresden. 28.000 Fahrzeuge sind jeden Tag auf der Loschwitzer Brücke unterwegs, darunter auch überregionale Buslinien. Damit das technische Denkmal, immerhin schon seit 1893 in Betrieb, diese Belastung auch weiterhin aushält, muss an mehreren Bauteilen dringend etwas repariert werden. Besonders wichtig sind Arbeiten an den Schwingungsbremsen an den Pylonen, an den Endbereichen des Haupttragwerks, am Scheitelgelenk in der Brückenmitte und an den Fahrbahnübergangskonstruktionen. Für die Arbeiten an den sogenannten Bigpoints des Blauen Wunders, wie Straßenbauamtschefin Simone Prüfer die Aufgaben nennt, sind allein rund zehn Millionen Euro nötig. Das Problem an der Sache: es gibt dafür momentan keine Fördermittel vom Freistaat, seine Töpfe für kommunalen Straßenbau sind leer.

Welche Arbeiten können nicht warten?

"Aber wir können nicht warten, um diese Dinge zu reparieren. Deshalb werden wir 2022 mit unseren Eigenmitteln mit den Arbeiten an den Schwingungsbremsen beginnen", sagt Simone Prüfer. Ohnehin würden pro Jahr 1,1 Millionen Euro im Haushalt für den Erhalt des Blauen Wunders im Haushalt eingeplant, die für 2021/2022 zur Sanierung genutzt werden. Für die weiteren dringlichen Arbeiten sollen erneut Förderanträge in den kommenden Jahren gestellt werden.

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Einen riesigen Brocken aber kann Dresden nicht aus eigener Kraft stemmen, wie Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) erklärt: Die Arbeiten am Stahlbau und dem Korrosionsschutz. 40 Millionen Euro sind dafür nötig. "Ich bin dazu weiter im Gespräch über Fördermittel mit dem sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) und nutze meine Kontakte zu Dresdner Bundestagsabgeordneten. Aber leider gibt es keine Förderprogramme für das technische Denkmal auf Bundes- oder europäischer Ebene. Auch der Denkmalschutz bietet da nichts", sagt Kühn.

Da die Loschwitzer Brücke auch kein Teil einer Bundesstraße ist, kann dafür kein Geld aus Mauteinnahmen für Straßen dieser Art wie an der Albertbrücke eingesetzt werden. "Das Blaue Wunder fällt durch jedes Förderraster." Der Baubürgermeister rechnet damit, dass es kurzfristig kein Fördergeld geben wird. Deshalb ist der Plan, mit den Korrosionschutzarbeiten frühestens 2024 starten zu können. "Aber das Blaue Wunder ist für mich Chefsache", so Stephan Kühn. Denn wenn die nötigen Arbeiten nicht erfolgen, droht die Vollsperrung. "Das können wir uns angesichts der Verkehrszahlen nicht leisten."

Behindert Corona den Straßen- und Brückenbau?

Momentan können in Dresden nur laufende Straßenbau- und Brückenprojekte fortgesetzt werden, da der aktuelle Haushalt noch zur Genehmigung bei der Landesdirektion liegt, so Kühn. Für 2021 sind 30 Millionen Euro für neue Arbeiten an Straßen und Brücken vorgesehen, weitere 18 Millionen Euro für den Erhalt dieser.

"Durch die Auswirkungen der Coronapandemie haben wir und auch das Land eine schwierige Haushaltsituation", so der Baubürgermeister. Hinzu komme, dass die Baupreise jährlich um rund sechs Prozent steigen und auch die Lieferung von Baumaterial länger dauert als zuvor. Durch personelle Engpässe in der Landesdirektion dauerten die Genehmigungsverfahren sehr lange. Nicht nur am Blauen Wunder werde teilweise gebaut, ohne Fördermittel schon in der Tasche zu haben.

Mit der SachsenEnergie und der Stadtentwässerung habe man sich verständigt, immer Bauvorhaben zu bündeln. Dieses Jahr soll es zudem eine neue Straßenzustandserfassung geben, um Rückschlüsse auf künftige Prioritäten beim Ausbau zu bekommen. "Und zu sehen, wie viel Geld nötig ist, um die Substanz der Straßen zu erhalten oder zu verbessern", sagt der Baubürgermeister. Prioritäten beim Straßen- und Brückenausbau sei die Herstellung der Barrierefreiheit, die höhere Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer sowie einen Substanzverlust der Straßen aufzuhalten und deren Zustand zu verbessern, sagt Kühn.

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Welche Straßen werden 2021 ausgebaut?

Dieses Jahr starten die Arbeiten an mehreren Dresdner Straßen. Eine, die schon jahrelang auf den Ausbau wartet, ist die Staffelsteinstraße von Niederpoyritz bis Pappritz. Wegen zehn neu zu bauenden Stützmauern ist es ein sehr aufwendiges Projekt, das nicht nur rund 6,6 Millionen Euro kostet, sondern auch bis September 2024 dauert, obwohl es nur 700 Meter sind. Die Straße bekommt einen durchgehenden Fußweg mit 1,5 Meter Breite und eine 5,5 Meter breite Asphaltfahrbahn. Währen des Baus ist die Staffelsteinstraße gesperrt.

Am Airportpark wird die Kreuzung von Knappsdorfer Straße/Wilschdorfer Landstraße von Juli bis September 2021 für rund 1,2 Millionen Euro umgebaut. Es kommt eine neue Lichtsignalanlage, die Radführung wird verbessert und drei barrierefreien Haltestellen mit Fahrgastunterständen entstehen.

Ein großes Vorhaben ist der Ausbau der Berthold-Haupt-Straße von Am Alten Elbarm bis August-Röckel-Straße, der rund 10, 72 Millionen Euro kostet. Gebaut werden soll von November 2021 bis September unter Vollsperrung. Dabei kommen nicht nur die Fahrbahn, Gehwege, die Straßenbahngleise und die Straßenentwässerung neu, sondern auch die Brücke über den Lockwitzbach. Vorgesehen sind auch barrierefreie Haltestellen an der Meußlitzer Straße und am Heckenweg.

Baubeginn soll dieses Jahr auch an der Großenhainer Straße sein. Der erste Bauabschnitt reicht von der Riesaer Straße bis zur Fritz-Reuter Straße. Rund 800.000 Euro will die Stadt investieren, um den Knotenpunkt Fritz-Reuter-Staße umzubauen, Radfahrschutzstreifen herzustellen und die Fahrbahnbeläge auf der Liststraße und der Harkortstraße zu erneuern. Allerdings kann es hier Verzögerungen geben, weil ein Bewerber die Vergabekammer angerufen hat. Das Verfahren sei noch in der Schwebe, sagt Straßenbauamtsleiterin Simone Prüfer.

Auch im Zentrum der Stadt soll gebaut werden, genauer auf der Annenstraße und am südlichen Postplatz. Von Mai 2021 bis März 2022 erhält die Straße einen neuen Belag und wird durchgehend auf sechs Meter Breite gebracht. So ist Platz für breitere Fußwege, die mit Granitplatten und Mosaikpflaster belegt werden. Es entsteht neuer Mobilitätspunkt am nördlichen Fahrbahnrand mit Fahrradanlehnbügeln, vier Parkplätzen für das Carsharing und vier Plätzen zum Laden von Elektrofahrzeugen.

Auf der Karcherallee werden voraussichtlich von August bis November dieses Jahres die Fahrspuren erneuert. Dazu wird die Straße voll gesperrt. In den Baukosten von rund 400.000 Euro sind auch der Bau zweier barrierefreier Haltestellen mit Fahrgastunterständen und der Umbau der Lichtsignalanlage für die Straßenbahn an der Kreuzung Stübelallee enthalten.

Weitere größere Bauprojekte sind die Bühlauer Straße in Schullwitz und die Goppelner Straße am südlichen Stadtrand. Instandsetzungsarbeiten gibt es auf der Fiedlerstraße, der Wilschdorfer Landstraße und der Saalhausener Straße.

An welchen Brücken wird dieses Jahr gearbeitet?

Neben dem bereits erwähnten Blauen Wunder wird noch bis Mitte des Jahres an der Augustusbrücke gebaut. 23 Millionen Euro sind in den grundhaften Ausbau geflossen.

Bis Mitte des Jahres dauern auch die Arbeiten am ersten Abschnitt der Carolabrücke. Durch die Verbeiterung der Kappen mit Karbon ist nun Platz für einen 4,5 Meter breiten Fuß- und Radweg.

Sind die Arbeiten dort abgeschlossen, kann im Juli an der Albertbrücke weitergebaut werden, wo bis Juni 2022 noch drei Gewölbeunterseiten zu erneuern sind. Dafür müssen Gehwege gesperrt werden und Radfahrer müssen auf der Straße fahren.

Weitere Brückenbauprojekte sind die Lockwitzbrücke Dohnaer Straße, die bis Mai fertiggestellt wird, und der Neubau der Brücke im Zuge Steinbacher Straße zwischen Hebbelplatz und Haltestelle Chamissostraße über den Weidigtbach.

Welche Projekte haben die Verkehrsplaner?

Das Stadtbahnprojekt Linie 5, einer neuen Straßenbahntrasse zwischen der Johannstadt und Plauen, beschäftigt die Planer, sagt Stefan Szuggat, der Leiter des Stadtplanungsamtes. Sie untersuchen dabei, wie die Straßenbahn von der Güntzstraße in die Elsasser Straße geführt werden soll und wie der Bereich am Knotenpunkt von Striesener und Pillnitzer Straße mit der Güntzstraße gestaltet werden soll. Geplant ist dazu wahrscheinlich noch 2021 eine Bürgerbeteiligung.

Am Ullersdorfer Platz soll es noch dieses Jahr eine Verbesserung der Situation für Nutzer der Buslinie 61 geben. Die Busfahrer müssen bisher mitunter sehr lange warten, um von der Gleisschleife stadtauswärts auf die Bautzner Landstraße einbiegen zu können. Die stadtauswärtige Bushaltestelle soll deshalb an den Fahrbahnrand der Bautzner Landstraße verlegt werden. Die Planungen zum Umbau des Ullersdorfer Platzes und zum Ausbau der Bautzner Landstraße bis zur Rossendorfer Straße, wo eine neue Gleisschleifen und ein Park&Ride-Platz entstehen sollen, gehen weiter. Szuggat erwartet dazu noch 2021 einen Stadtratsbeschluss zur weiteren Planung. Der Park&Ride-Platz ist auch Teil des Verkehrskonzeptes für den Fernsehturm.

Weitere Planungen betreffen den dritten Abschnitt der Kesselsdorfer Straße zwischen Rudolf-Renner-Straße bis Julius-Vahlteich-Straße, den Langen Weg sowie die Nöthnitzer Straße zwischen Bergstraße und Münchner Straße.

Dieses Jahr sollen auch die vom Stadtrat geforderten Untersuchungen zu Verkehrslösungen für das Königsufer und den Neustädter Markt starten. Dabei geht es darum, wie Große Meißner Straße und Köpckestraße künftig geführt werden sollen, um den Fußgängerstrom von der Alt- in die Neustadt nicht so massiv wie bisher zu unterbrechen. Auch ein Tunnel steht zur Diskussion.

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