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"Blaues Wunder nicht für Wahlkampf nutzen"

Die Sanierung des Dresdner Wahrzeichens könnte durch einen Förderverein unterstützt werden, sagt die CDU. Warum andere Parteien das kritisch sehen.

Die Loschwitzer Brücke ist eines der Dresdner Wahrzeichen. Wird nicht schnell gehandelt, droht eine Schließung der wichtigen Verkehrsachse.
Die Loschwitzer Brücke ist eines der Dresdner Wahrzeichen. Wird nicht schnell gehandelt, droht eine Schließung der wichtigen Verkehrsachse. © Marion Doering

Dresden. Das Blaue Wunder muss dringend saniert werden. Zehn Millionen Euro sind allein nötig, um die wichtigsten Probleme am technischen Denkmal zu beheben. Weitere 40 Millionen müssen in Reparaturen am Stahlbau und für den Korrosionsschutz investiert werden. Doch die Fördertöpfe des Landes sind leer und die Stadt allein kann die Sanierung nur in kleinen Schritten Jahr für Jahr angehen.

Das geht der Dresdner CDU zu langsam. Sie will einen Förderverein gründen, um die Sanierung voranzutreiben. Durch den Verein könnten Spenden für die Sanierung gesammelt werden. Zusammen mit städtischem Geld und eventuell Fördermitteln könne die Sanierung finanziell gesichert und möglicherweise schneller durchgeführt werden, als vorgesehen.

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Diesen Vorschlag sieht die SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat allerdings kritisch. Das Blaue Wunder sei eine wichtige Lebensader der Stadt und die Anwohner wollten endlich wissen, ab wann und in welchem Umfang die Brücke saniert wird und auf welche langfristigen Belastungen sie sich einstellen müssen, sagt SPD-Stadträtin Kristin Sturm. "Die Angst vorm Verkehrschaos darf jedoch nicht für CDU-Wahlkampfzwecke ausgenutzt werden."

Die Sanierung werde Eigenmittel der Stadt in Millionenhöhe erfordern. In den kommenden Haushalten müssen die verkehrsbaulichen Prioritäten entsprechend gesetzt werden. "Für uns ist dabei klar: Die Mittel zur Wiedereröffnung des Fernsehturms wären bei der Sanierung des Blauen Wunders besser angelegt", so Sturm. Die Dresdner erwarteten zurecht, dass ein so unverzichtbares Projekt mit den von ihnen gezahlten Steuern umgesetzt werden kann.

"Das Blaue Wunder ist mehr als eine Brücke"

Ihr Fraktionskollege Stefan Engel ergänzt, dass die Sanierung der Loschwitzer Brücke eine staatliche Pflichtaufgabe ist. Dresden, aber auch der Freistaat Sachsen müssten ihren Beitrag leisten. "Die eine Million Euro für 2021/22 aus Mitteln der Denkmalpflege können bei diesem Mammutprojekt nur ein Anfang sein", sagt der Sprecher für Bau und Verkehr der SPD-Fraktion.

Bürgerschaftliches Engagement sei wichtig, aber dieser Vorschlag sei doch eher eine CDU-Wahlkampfente. "Solche Scheinlösungen helfen da kaum weiter. Das Blaue Wunder ist eben mehr als eine Brücke – es ist ein wichtiges historisches Wahrzeichen von Dresden."

Wie nötig die Arbeiten am Blauen Wunder sind, hatte die Leiterin des Straßen- und Tiefbauamtes, Simone Prüfer, in einer Pressekonferenz erklärt. Damit das technische Denkmal, immerhin schon seit 1893 in Betrieb, die Belastung von rund 28.000 Fahrzeugen pro Tag, darunter viele schwere Busse, auch weiterhin aushält, muss an mehreren Bauteilen dringend etwas repariert werden. Besonders wichtig sind Arbeiten an den Schwingungsbremsen an den Pylonen, an den Endbereichen des Haupttragwerks, am Scheitelgelenk in der Brückenmitte und an den Fahrbahnübergangskonstruktionen.

2022 sollen die Schwingungsbremsen mit städtischem Geld repariert werden. Frühestens 2024 könnten die Korrosionsschutzarbeiten starten, sagte Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne).

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Im schlimmsten Fall muss die Brücke für den Verkehr gesperrt werden. So weit will es der Dresdner CDU-Landtagsabgeordnete Martin Modschiedler nicht kommen lassen und verweist auf den Förderverein. "Weiter nur zusehen und sich dabei ärgern, wie die geplanten Sanierungskosten explodieren, ohne dass das Geld in Aussicht ist, ist keine Option mehr. Machen statt meckern muss auch hier unser Motto sein."

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