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Länderspiel in Dresden? Dynamo und Stadion dafür

Bundestrainer Joachim Löw würde gern mit der Nationalmannschaft in Dresden spielen. Der Vorstoß kommt gut an - auch weil es mal an der Zeit wäre.

Mit rund 32.000 Zuschauern galt das Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion bisher als zu klein für Länderspiele - das könnte sich nun ändern.
Mit rund 32.000 Zuschauern galt das Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion bisher als zu klein für Länderspiele - das könnte sich nun ändern. © dpa-Zentralbild

Dresden. Bei einem Besuch in der Gläsernen Manufaktur hat sich Joachim Löw am Mittwoch für ein Fußball-Länderspiel in Dresden ausgesprochen. „Ja, ich würde es mir wünschen“, sagte der Bundestrainer in einem Interview - und begründete: „Die Menschen in der Region sind unheimlich fußballbegeistert, das sieht man an Dynamo.“ Deshalb werde er beim DFB nachfragen, was für die Zukunft geplant ist.

Dynamo begrüßt die Initiative des Bundestrainers. „Dresden ist eine sehr schöne Stadt mit einer unheimlich hohen Lebensqualität, davon durfte ich mich in den vergangen Wochen selbst überzeugen", wirbt Sportgeschäftsführer Ralf Becker um die prominenten Gäste . "Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn der Bundestrainer zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft bei nächster Gelegenheit tatsächlich bei uns in Dresden für ein Länderspiel vorbeischauen würde. Das wäre eine gute Sache", sagt der 49-Jährige und meint, es sei höchste Zeit dafür: "Das letzte Länderspiel in Dresden liegt ja nun bereits fast 28 Jahre zurück.“

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Zuletzt war die Nationalmannschaft im Oktober 1992 in Dresden zu Gast, spielte vor 28.000 Zuschauern im alten Rudolf-Harbig-Stadion 1:1 gegen Mexiko. Damals bestritt Heiko Scholz, jetzt Co-Trainer bei Dynamo und damals bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, sein erstes und einziges Länderspiel für die gesamtdeutsche Auswahl.

Bei der Frauen-WM 2011 waren auch Fans aus den USA zu Spielen in Dresden. Organisationschef Sören Glöckner erhielt damals eine SMS des Chefs der amerikanischen Delegation vor deren Viertelfinale: "Dresden, we are back at home - Dresden, wir sind wieder zu
Bei der Frauen-WM 2011 waren auch Fans aus den USA zu Spielen in Dresden. Organisationschef Sören Glöckner erhielt damals eine SMS des Chefs der amerikanischen Delegation vor deren Viertelfinale: "Dresden, we are back at home - Dresden, wir sind wieder zu © Archivfoto: Ronald Bonß

Seitdem spielten in Dresden zwar die DFB-Frauen 2010 gegen Kanada, zudem war das Stadion ein Spielort bei der Frauen-WM 2011 und bereits im November 2010 Gastgeber für eine Partie der deutschen U19-Auswahl, die seinerzeit von Dynamo-Vereinsikone Ralf Minge trainiert wurde. 4.638 Fans waren für die Junioren eine beachtliche Kulisse. Als Gastgeber für ein offizielles A-Länderspiel kam das Stadion jedoch bisher nicht infrage, weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dafür eine Kapazität von 40.000 Zuschauern gefordert hatte. Eine Ausnahme war lediglich Aachen, Heimatort von DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun, das Benefizspiele ausrichten durfte.

Nun gab es bereits vor der Corona-Pandemie ein Umdenken beim Verband, weil die Zuschauerzahlen bei Länderspielen sanken, die Stadien teils bei weitem nicht mehr ausverkauft waren und ganze Tribünenteile mit Planen abgedeckt wurden. Die Gründe dafür sind vielschichtig: die schlechten Auftritten der Nationalelf nach dem Titelgewinn bei der WM 2014 in Brasilien und das frühe Aus beim Turnier vier Jahre danach in Russland, die vor allem für Kinder und Jugendliche unfreundlichen Anstoßzeiten, die hohen Preise.

Alexander Merkel (l.) erzielte im November 2010 das erste Tor bei einem Männer-Länderspiel im neuen Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Es war das 1:0 für die deutsche U19-Auswahl gegen Tschechien. Die von Ralf Minge trainierte Mannschaft spielte damals vor 4
Alexander Merkel (l.) erzielte im November 2010 das erste Tor bei einem Männer-Länderspiel im neuen Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Es war das 1:0 für die deutsche U19-Auswahl gegen Tschechien. Die von Ralf Minge trainierte Mannschaft spielte damals vor 4 © Archivfoto: Ronald Bonß

Möglicherweise kommt Dresden deshalb als Spielort vor allem für Begegnungen mit Test-Charakter infrage. Der Vostoß von Löw kommt hier jedenfalls gut an. „Wir begrüßen die Idee und sind natürlich bereit, ein Länderspiel auszurichten“, sagt Ronald Tscherning, der Stadion-Manager. Auch er verweist auf die Austragung der Frauen-WM 2011, als zu den vier Spielen in Dresden insgesamt mehr als 80.000 Zuschauer kamen, zudem besuchten etwa 15.000 die Fanmeile im Georg-Arnhold-Bad. "Dresden war der beste Austragungsort in Deutschland", gab seinerzeit Sören Glöckner, Chef des Fifa-Organisationskomitees, die Einschätzung des Weltverbands wieder.

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Zudem habe das Stadion mit der Organisation anderer Großveranstaltungen wie Konzerten - unter anderem die beiden von Rammstein 2019 - bewiesen, dass es ein guter Gastgeber sein kann. "Es wäre für uns und die Stadt eine Sensation, wenn die Nationalmannschaft hier spielen würde", sagt Tscherning. Allerdings wünscht er sich den Auftritt nach der Corona-Krise. "Gerade wegen der Argumente, die für Dresden sprechen, wäre es schade, wenn ein solches Spiel in einem menschenleeren Stadion ausgetragen werden würde."

Der DFB hat in seinen Planungen einen gewissen Vorlauf, die ausstehenden Heimspiele für dieses Jahr finden in Köln (gegen die Schweiz am 13.10.) sowie Leipzig (gegen Tschechien am 11.11. und die Ukraine am 14.11.) statt.

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