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Neuer Anlauf für das Palais Oppenheim

In Dresden wird über ein Jüdisches Museum diskutiert. Neben dem Alten Leipziger Bahnhof gibt es noch einen Ort, der geeignet wäre, sagt der Semperclub.

Diese Visualisierung vom Palais Oppenheim stammt vom Büro Arte4D/Andreas Hummel.
Diese Visualisierung vom Palais Oppenheim stammt vom Büro Arte4D/Andreas Hummel. © Visualierung: Arte4D/Andreas Hummel

Dresden. Es ist ein Traum, den Lucas Müller schon viele Jahre träumt und er versucht, ihn greifbar zu machen. Geht es nach dem Vorsitzenden des Dresdner Semperclubs, würde das Palais Oppenheim so schnell wie möglich wieder erbaut werden. Der prächtige Neorenaissancebau an der Bürgerweise, einst Treffpunkt der feinen Dresdner Gesellschaft, wurde im Februar 1945 von Bomben getroffen.

Nur seine Außenmauern blieben stehen. 1951 wurden sie abgerissen. Doch seit dieses Jahr in Dresden intensiv über ein Jüdisches Museum nachgedacht wird, sieht Müller eine Chance für das Palais gekommen.

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Der 71-Jährige, der im Arbeitsleben Architekt war, sieht viele Vorteile des Standortes für das Museum. Der Bereich an der Bürgerwiese bilde sehr stark die besondere Entwicklung des Dresdner Judentums als Teil des Dresdner Bürgertums im 19. Jahrhundert ab.

Anders als der Alte Leipziger Bahnhof, der als ein weiterer Standort für ein jüdisches Museum im Gespräch ist, der aber durch seine Lage nahe dem Bahnhof Neustadt - hinter den Bahngleisen - abgeschnitten ist vom Zentrum. Das Palais Oppenheim bilde zudem auch mit seiner Geschichte die Grundlage für ein gutes Museumskonzept, sagt Müller.

Das Haus, das 1845 bis 1948 im Auftrag des jüdischen Bankiers Martin Wilhelm Oppenheim entstand, war damals ein Novum. Durften doch Dresdner jüdischer Religion erst seit 1837 überhaupt Grundstücke erwerben und Bauherren werden. Mit dem Stadtpalais an der Bürgerwiese gelang Gottfried Semper zudem eine seiner bedeutendsten Bauten in Dresden, die Vorbild für diese Stilrichtung in ganz Deutschland wurden.

Die Oppenheims, deren Tochter Elisabeth den Dresdner Maler August Grahl geheiratet hatte und mit ihm im Haus lebte, pflegten regen Austausch mit Künstlern und Wissenschaftlern dieser Zeit. Darunter Ludwig Tieck, Ernst Moritz Arndt, Alexander von Humboldt oder Fanny Lewald, um nur einige zu nennen.

„Unser Wunsch wäre es, zur Fortführung der kulturellen Ausstrahlung, zur Erinnerung an diese schöpferische und erfolgreiche Zeit mit dem wiederaufgebauten Palais Oppenheim ein Sächsisch-Jüdisches Kulturzentrum zu schaffen“, sagt Lucas Müller im Namen des Gottfried-Semper-Clubs.

So sah das Palais Oppenheim an der Bürgerwiese vor der Zerstörung 1945 aus. Im Hintergrund ist der Rathausturm erkennbar.
So sah das Palais Oppenheim an der Bürgerwiese vor der Zerstörung 1945 aus. Im Hintergrund ist der Rathausturm erkennbar. © Archiv Dr. Helas

Müller selbst ist seit DDR-Zeiten Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Dresden. Immer wieder hat er Kontakt zur Jüdischen Gemeinde aufgenommen, natürlich auch, um das Palais zur Sprache zu bringen.

"In der einstigen dreieckigen Form gibt es wahrscheinlich keine Chance, das Palais wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dort weitere Einrichtungen wie ein jüdisches Seniorenheim oder eine Schule zu bauen. Das wäre auch ein Gewinn für das neue Viertel Lingnerstadt, was dort entstehen soll", sagt Lucas Müller. In Gesprächen mit der Fachstelle für jüdische Wohlfahrtspflege habe er erfahren, dass ein Bedarf durchaus vorhanden sei.

Das 110.000 Qudratmeter große Areal der Lingnerstadt mitten im Dresdner Zentrum hat 2019 die Gerchgroup mit Sitz in Düsseldorf erworben. Vorbesitzer war die Kasseler Firma Immovation, die dafür bereits einen städtebaulichen Entwurf von Architekt Peter Kulka erstellen ließ. Geplant wurden mehrere aufgebrochene Quartiere mit Gärten in den Innenhöfen, Balkonen und Dachterrassen. Monumentale Blöcke mit durchgängiger Fassade wollte Kulka vermeiden.

So setzen sich die Quartiere aus mehreren Häusern zusammen, die zwischen fünf und sieben Geschosse hoch werden sollen. Damit jedes Gebäude anders aussieht, sind nebeneinander stehende Häuser von verschiedenen Architekten entworfen worden. Auf Visualisierungen ist ein Fassadenwechsel zwischen Putzstruktur, Naturstein und Ziegel zu sehen.

Momentan gebe es beim Projekt keine Neuigkeiten, sagt Matthias Düsterdick, der Vorstandsvorsitzende der Gerchgroup. "Alles dauert bedingt durch die Pandemie etwas länger. Wir stehen aber in enger Abstimmung mit der Stadtspitze und Verwaltung und Politik. Hier warten wir noch auf die für das Jahresende avisierte Beschlussfassung zur Robotron-Kantine. Daraufhin wollen wir dann auch intern unsere weiteren Ideen dazu entwickeln."

Die Jüdische Gemeinde in Dresden begrüßt die Idee eines Jüdischen Museums. "Wir freuen uns, dass die Idee Fahrt aufnimmt", sagt ein Sprecher. "Uns sind beide Standorte bekannt, die im Gespräch sind. Beide haben Vorteile, das muss sorgsam abgewogen werden." Er weist jedoch darauf hin, dass dies nicht die Jüdische Gemeinde entscheide, denn sie finanziere das Projekt nicht. "Aber ein Museum in Dresden würde eine wichtige Lücke in Mitteldeutschland schließen", sagt der Sprecher. Natürlich würden sich die Gemeindemitglieder in die Ausgestaltung einbringen.

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Lucas Müller sieht auch die Möglichkeit, mit der Idee des Museums auf den Freistaat und die EU zuzugehen, die sich an der Finanzierung beteiligen könnten. "Vielleicht können wir auch den Investor der Lingnerstadt für die Idee des Wiederaufbaus vom Palais Oppenheim begeistern", sagt er. Dazu hat sich die Gerchgroup auf SZ-Anfrage aber noch nicht geäußert.

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