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Corona: Hilfe für die Dresdner Dampfer

Seit fast fünf Monaten dürfen die Schiffe nicht mehr fahren. Was die Flottenchefs jetzt planen.

Anfang Mai 2017 war die Dampferwelt noch in Ordnung, die Parade fand statt. Für dieses Jahr haben die Verantwortlichen einen neuen Plan.
Anfang Mai 2017 war die Dampferwelt noch in Ordnung, die Parade fand statt. Für dieses Jahr haben die Verantwortlichen einen neuen Plan. © Archiv/Christian Juppe

Dresden. Dieser Anruf war wirklich nötig. Stefan Bloch, einer der zwei Geschäftsführer der Dresdner Dampferflotte, hat zum Telefonhörer gegriffen und die Nummer der Sächsischen Aufbaubank (SAB) gewählt. Es war die richtige Telefonnummer. Das bestätigte sich am Freitag. Denn "völlig überraschend" kam an diesem Tag eine gute Nachricht von der Bank. Sie bedeutet Hoffnung für die Flotte im Corona- und Lockdown-Alltag.

Pläne für die Flottenparade

Die Dampfschifffahrt hat das dringend nötige Hilfsgeld bekommen, das das Unternehmen für die Monate November und Dezember 2020 beantragt hat. Es sei eine sechsstellige Summe, sagte Bloch auf SZ-Anfrage, ohne sie genau nennen zu wollen. Jetzt sieht er die Flotte finanziell gerüstet, auch wenn der Lockdown und damit auch die Zwangspause für die Schiffe noch ein paar Wochen dauern dürfte.

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Dass auch das Ostergeschäft ausfällt, hat Bloch längst einkalkuliert. "Vor Mai wird hier nichts passieren", ist er überzeugt und hofft, dass wenigstens die Flottenparade am 1. Mai stattfinden kann. Sollte auch das nicht möglich sein, gibt es einen Alternativplan. Dann soll die gemeinsame Tour der Schiffe einfach verschoben werden, vielleicht um einen Monat. Jedenfalls soll sie in diesem Jahr nicht ausfallen.

"Wir werden diese Krise auch überstehen, wir haben in der Firma schon andere Krisen überlebt", verbreitet Bloch Optimismus. "Die Firma" ist die River Advice in der Schweiz, die die Flotte im Sommer 2020 nach der Insolvenz übernommen hatte.

Noch laufen in der Laubegaster Werft bei einem Teil der Dresdner Schiffe die letzten Reparaturarbeiten, die in der Wintersaison geplant waren. Ostern werden sie erledigt sein, erwartet Bloch. Küchen wurden erneuert, zum Beispiel auf dem Dampfer "Krippen", beim Salonschiff "August der Starke" mussten Teile des Unterbodens ersetzt werden. "Das Schiff hatte eine Grundberührung", beschreibt Technikchef Gerd-Rüdiger Degutsch den Hauptgrund für diese Arbeiten, an denen Schweißer einer polnischen Werft maßgeblich beteiligt waren.

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Mehr als 100.000 Euro haben allein die Arbeiten an dem Salonschiff gekostet, 125.000 Euro die Ausstattung der Schiffe mit neuer IT-Technik, dazu kamen unter anderem Ausgaben für Toilettenreparaturen in den Schaufelrad-Kästen mehrerer Dampfer. "Die wurden 1993 saniert, die Sanitäranlagen stehen auf Stahlplatten mit Fliesen darauf", erklärt Degutsch. Rost sei da nicht zu vermeiden.

Großer Reparaturstau

"Es gab einen großen Reparaturstau, das hat uns überrascht", sagt Bloch. Aus finanziellen Gründen seien Arbeiten in der Vergangenheit aufgeschoben worden, gibt Degutsch zu verstehen, "aber am Ende hilft das ja auch nichts". Denn die Schiffe müssten regelmäßig geprüft werden, ähnlich wie ein Auto beim TÜV. Ist dann nicht alles tipptopp, drohen Zwangspausen für zusätzliche Reparaturen, schlimmstenfalls bekommt ein Schiff keine Zulassung.

Auch die Anlegestellen mit den kleinen weißen Häuschen darauf müssen regelmäßig in die Werft. So hat der Dampfer "Pillnitz" am Sonnabendmorgen einen Anleger vom Terrassenufer zur Werft in Laubegast geschleppt. Rund 50.000 Euro kostet die Erneuerung allein dieser Anlegestelle. Das ist mehr als normal, aber auch sie braucht unter anderem neue Metallteile im Boden.

Dampferfreunde lassen Teil nachbauen

Rechtzeitig zum Saisonbeginn, also bis Ostern, will auch der Verein "Weiße Flotte Dresden – Freunde der Sächsischen Dampfschiffahrt" seinen Beitrag zur Instandsetzung der Schiffe erledigt haben. Der Verein will dem Dampfer "Wehlen" eine neue Dampfpfeife spendieren. Die alte Pfeife, die die Verantwortlichen bei einem Museumsschiff in Magdeburg gefunden haben, funktionierte nicht. Sie wurde Vorbild für einen Nachbau.

"Die neuen Teile sind gegossen", sagt Jochen Haubold, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Am Freitag hat er diese Nachricht bekommen. Nun muss die Pfeife zusammengesetzt und dann soll sie getestet werden. Einen Termin dafür gibt es noch nicht, die Flottenfreunde hoffen aber, dass der Dampfer bis Ostern seine neue Pfeife hat.

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Sie bezahlen den Kauf des Vorbilds und den Nachbau aus der Vereinskasse, und rechnen damit, dass sie dieser Beitrag zwischen 4.000 und 6.000 Euro kostet. Unterdessen planen sie weitere Aktivitäten, wie etwas ihre Beteiligung am Fest zum 185. Flottengeburtstag im Herbst. Der soll am ersten Oktoberwochenende mit dem Tag der Deutschen Einheit gefeiert werden.

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