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Ladensterben in Dresden: Die Spielaxie ist insolvent

18 Jahre lang war das Spielwarengeschäft in Dresden nicht nur beliebtes Shoppingziel, sondern auch Treffpunkt für Kids. Jetzt muss der Inhaber aufgeben.

Muss schließen: Händler Daniel Dorner von der Spielaxie in der Altmarkt Galerie.
Muss schließen: Händler Daniel Dorner von der Spielaxie in der Altmarkt Galerie. © René Meinig

Dresden. Er hat es befürchtet, aber der Optimismus war immer groß, es zu schaffen. Jetzt musste Daniel Dorner seinen Kunden an der Tür zum Spielwarenkaufhaus Spielaxie mitteilen, dass Schluss ist.

Nach 18 Jahren in der Altmarkt Galerie hat er Insolvenz angemeldet. Am 1. März wurde am Amtsgericht Dresden das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Spielaxie GmbH in Eigenverwaltung eröffnet. Doch entschieden haben es Dorner und seine Ehefrau bereits mit dem zweiten Lockdown Mitte Dezember.

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Kids tauschten vor dem Laden Yu-Gi-Oh-Karten

Für sie kommt die angekündigte Hilfe des Bundes viel zu spät. Dorner steht vor den Scherben eines florierenden Geschäftes, das er 2002 als 28-Jähriger gestartet hat.

"Es war eine große Entscheidung für mich, mich selbständig zu machen. Aber ich wollte schon immer eigene Entscheidungen treffen und organisatorisch alles lenken und leiten", sagt er.

Seine Schwiegereltern in Aue führen ein Spielwarengeschäft mit 300-jähriger Familientradition, so war die Entscheidung für die Branche klar.

"Die Anfangszeit war extrem spannend", blickt Dorner zurück. "Wir hatten super Zahlen, die jedes Jahr besser wurden. Und die Spielaxie entwickelte sich zum Treffpunkt für Kids, die auf dem Platz vor unserem Laden Yu-Gi-Oh-Karten getauscht haben."

Es sei die absolut richtige Entscheidung gewesen, in die Altmarkt Galerie und damit in die Innenstadt zu gehen.

Plötzlich verändert sich das Kaufverhalten der Kunden

Doch ab 2015 bemerkte Dorner Veränderungen. "Das Jahr verlief noch recht positiv, aber dann brach plötzlich das Weihnachtsgeschäft ein. Wir hofften, das dies ein Ausrutscher war, doch das Kaufverhalten der Kunden hat sich danach verändert", sagt der heute 46-Jährige.

Die Konkurrenz durch den Onlinehandel und Strukturveränderungen in der Innenstadt hinterließen Spuren. Er konnte das Geschäft nicht wie bisher weiter ausbauen, obwohl er stets versucht hat, Trends zu erkennen und rechtzeitig zu beenden.

Wie bei den Fidget Spinnern, auf Deutsch Fingerkreiseln. "Die Kunden kamen 2017 massenhaft zu uns. Da habe ich wieder Hoffnung geschöpft. Die wussten, wo sie uns finden."

Inzwischen weiß er, dass sich diese Erwartung nicht erfüllt hat. Mit Corona sind Kunden noch in viel größerem Umfang zum Einkauf ins Netz abgewandert. Ob die je wiederkommen, weiß keiner angesichts komfortabler Lieferungen nach Hause. Es war absehbar, dass die Miete in der Altmarktgalerie nicht mehr aufzubringen war.

So geht es mit den Filialen in Gorbitz und Pirna weiter

Für Dorner bedeutet die Insolvenz auch, sich von seinen zwölf Mitarbeiter trennen zu müssen. "Wir haben uns durch den Lockdown lange Zeit nicht gesehen und dann komme ich mit so einer Nachricht. Das belastet mich sehr stark, denn wir habe lange zusammengearbeitet und ich war auch angetreten, ihnen ein Stück Stabilität zu geben", sagt Donner.

Im Moment steht er in den Räumen der Spielaxie und räumt aus, bis 19. März muss er das Geschäft an die Mitarbeiter der Altmarkt Galerie übergeben.

Das Außenlager in Striesen ist schon leer. Die Insolvenz führt Dorner in Eigenverwaltung. In Absprache mit seinen Anwälten und dem Insolvenzverwalter wurde entschieden, dass er seine beiden anderen Filialen im Gorbitzer Sachsenforum und in Pirna weiterführt.

"Darauf freue ich mich sehr, denn dann habe ich endlich wieder Kundenkontakt, stehe hinter der Kasse und berate." Bald soll dort auch das Einkaufen mit Termin möglich sein.

Größte Einzelhandelskrise seit dem zweiten Weltkrieg

Das bittere Ende der Spielaxie bestätigt die Befürchtungen des Handelsverbandes Sachsen. Bereits vor einige Wochen hatte der Verband prophezeit, dass sechs von zehn Dresdner Innenstadthändlern aufgeben müssen.

Den Unternehmern ist nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 das wichtige Weihnachtsgeschäft weggebrochen und ob es Ostern 2021 möglich sein wird, steht in den Sternen.

Die Umsatzausfälle summieren sich für sie immer weiter, Mieten müssen zum Großteil weiter gezahlt werden. Ihr Onlinegeschäft, falls vorhanden, kann die Defizite nicht ausgleichen.

Der Dresdner Verbandsgeschäftsführer David Tobias sieht Nachteile für die Innenstadthändler durch steigende Parkgebühren.

In den Einkaufszentren wie Elbepark und Kaufpark stehen kostenlose Parkmöglichkeiten bereit. Zudem flössen die Hilfen vom Bund vom Bund viel zu langsam und sind an hohe bürokratische Hürden geknüpft.

Auch das Citymanagement Dresden hat eindrückliche Warnungen zum geplanten neuen Kaufpark und der geplanten Fächenerweiterung mit innenstadtrelevantem Sortiment ausgesprochen.

"Das Zentrum ist verwundbar" schrieb Citymanagerin Friederike Wachtel in einem Statement an den Oberbürgermeister und die Stadträte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges habe der Einzelhandel noch nie solch eine Krise erlebt.

Wie gefährlich wäre der Kaufpark Nickern?

Weniger dramatische Folgen durch den Kaufpark sieht indes die Industrie- und Handelskammer Dresden. Thomas Ott, Geschäftsführer Handel, plädiert dafür, den Kaufpark zeitgemäß aufzuwerten, sonst sei er auf längere Sicht nicht überlebensfähig.

Aber Ott sieht keine Gefahr davon für die Innenstadt. "Natürlich würde von einem gänzlich umgestalteten Kaufpark der Reiz des Neuen ausgehen, und vermutlich auch viele Dresdner und Besucher der Stadt, die bislang nicht zur Stammkundschaft des Hauses zählten, animieren, einen Blick hinein werfen. Daraus eine dauerhafte Verschärfung der Konkurrenzsituation zur Innenstadt abzuleiten, erscheint jedoch nicht plausibel", schreibt er in einer Pressemitteilung.

Und Ott geht noch weiter. Die gegenwärtige Debatte lasse die Innenstadt in einem eigenartig verängstigten Licht erscheinen, die er nicht nachvollziehen kann. Denn bekanntlich habe Dresden eines der "attraktivsten Zentren deutschlandweit, die mit einer einzigartigen Mischung aus Architektur, Kunst, Kultur, Hotellerie, Gastronomie, Dienstleistung und Handel aufwarten kann und ein überdurchschnittlich hohes Maß an Aufenthaltsqualität für Bürger und Gäste aus aller Welt bietet."

Ein neuer Kaufpark am Stadtrand in Nickern sollte für eine selbstbewusste und gut gemanagte Innenstadt nicht mehr und nicht weniger Konkurrenz sein, als bisher auch, und trotzdem einen wertvollen Beitrag zur Sicherung der Standortattraktivität Dresdens im Allgemeinen und des Südens im Speziellen leisten.

Fokus auf Innenstadtentwicklung

Bereits am Mittwoch soll es ein erstes Signal geben, wie es mit dem Kaufpark Dresden weitergehen soll. Das Einkaufszentrum, 1996 fertiggestellt, ist marode, das Parkdeck teilweise gesperrt.

Die Händler dort wollen das Haus verlassen, wenn nichts verändert wird. Elbepark-Inhaber Kurt Krieger will es abreißen und für rund 260 Millionen Euro neu bauen lassen.

Schon 2025 soll alles fertig sein. Für seine Pläne erhofft sich der Milliardär nun grünes Licht aus dem Bauausschuss. Kommt das nicht schnell, ist er weg, sagte Krieger vor wenigen Tagen.

Doch die Dresdner Kommunalpolitiker sind uneins. Während die CDU, die Freien Wähler und die FDP die Pläne von Krieger ausdrücklich begrüßen, sehen die Grünen und die Linken den Neubau durchaus kritisch.

Alle wollen am Mittwoch im Bauausschuss die Vergrößerung der Verkaufsfläche ansprechen - mit innenstadtrelevantem Sortiment.

"Altstadtflair gibt es in Nickern nicht"

"Altstadtflair gibt es in Nickern nicht, deshalb sehe ich auch keine Konkurrenz, die vom Kaufpark ausgeht", sagt Torsten Nitzsche von den Freien Wählern. Den Kaufpark nicht brachfallen lassen will auch Tilo Wirtz von den Linken.

"Aber wir müssen aufpassen, dann haben wir zweimal Krieger an den Autobahnen und der hat dann ordentlich Verkaufsfläche. Und was passiert, wenn er sich übernimmt und wir eine Ruine in Nickern haben", fragt Wirtz.

Für FDP-Fraktionschef Holger Zastrow hat die Entscheidung zum Kaufpark nichts mit dem Innenstadthandel zu tun. "Die Rettung der innenstädtischen Einzelhandels kann nicht auf den von manchen erhofften Niedergang des Kaufparkes fußen", sagt er.

Und weiter: "Der Entwicklung der Innenstadt gehört unsere allergrößte Aufmerksamkeit. Die Versäumnisse der letzten Jahre werden durch Corona jetzt richtig sichtbar und stellen uns vor gewaltige Herausforderungen."

Dabei müsse vieles neu gedacht werden, wie bezahlbare Parkplätze, Einkaufssonntage und die Öffnung von Straßen und Plätzen für Events, Kultur und Gastronomie.

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