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Beamtenbeleidigung: „Das rutscht halt mal 'raus“

Nach einem wilden Partywochenende vergisst eine 22-Jährige bei einer Polizeikontrolle offenbar ihre Kinderstube.

Gezielt beleidigt: Beamte einer Streife der Bundespolizei im Dresdner Hauptbahnhof.
Gezielt beleidigt: Beamte einer Streife der Bundespolizei im Dresdner Hauptbahnhof. © Symbolfoto: Tobias Wolf

Dresden. Wenn es Gründe gibt, vor der Polizei unterzutauchen, dann ist Falschparken keine sichere Strategie, um lange unentdeckt zu bleiben. Das ist die einfache Wahrheit, wie es um Kriminalitätsbekämpfung bestellt ist. Falschparker nehmen ein hohes Entdeckungsrisiko in Kauf. Noch einfacher machen es Täter den Uniformierten, wenn sie diese gezielt beleidigen. Von beidem handelt diese Geschichte.

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Vor dem Hauptbahnhof fallen Falschparker noch mehr als an anderen Orten der Stadt auf. Die gute Absicht eines jungen Mannes, seiner ehemaligen Freundin den Roller und die Wohnungsschlüssel zum Bahnhof zu bringen, wurde daher an jenem 4. Oktober vergangenen Jahres von dem polizeilichen Kontrollregime jäh gestört. Warum? Weil der Mann den Motorroller seiner Freundin (22) nicht ordnungsgemäß abgestellt hatte. Er hatte das Zweirad kaum abgeschlossen, da näherten sich schon zwei Uniformierte dem Seiteneingang des Hauptbahnhofes..

Dort stand längst auch die 22-jährige Frau, der offensichtlich schlecht gewesen sein muss. Auf die Frage der Polizeibeamten, ob sie Hilfe benötige, verneinte die Frau. Ihr sei schlecht, weil sie gerade mit dem Flixbus aus Berlin gekommen sei, wo sie das Wochenende ordentlich gefeiert habe. Dann fragte der Beamte, ob denn das falsch parkende Moped zu dem jungen Mann gehöre, der noch immer daneben stand.

Doch die 22-Jährige telefonierte da schon lautstark mit einer Freundin. In diesem Gespräch habe sie immer wieder gut hörbar von „den Bullen“ gesprochen und, schlimmer, von „Scheißbullen“. Der Beamte hat sich das eine Weile angehört, doch irgendwann hatte auch er genug. Er sprach die Frau erneut an, forderte ihren Ausweis und belehrte sie, dass sie soeben möglicherweise eine Beleidigung begangen habe.

Mopedfahrer flüchtet

Woraufhin die 22-Jährige, so erinnert sich einer der Polizisten, wieder etwas von „peinlich“ und „Bullenschweinen“, die gerade vor ihr stünden, ins Handy redete. In dieser Situation, als die gegenseitige Anspannung offensichtlich mehr und mehr zu eskalieren drohte, nahm der Exfreund die Beine in die Hand und rannte davon. Er hatte offenbar geahnt, dass es für ihn heiß werden könnte.

Während einer der Polizisten nun dem Rollerfahrer hinterher rannte, begann eine Rangelei zwischen seinem Kollegen und der Frau, die sich weigern wollte, den Beamten ihre Personalien zu geben und der man daher Handschellen anlegte. Sie hatte zuvor offenbar den Zündschlüssel von dem Roller abgezogen und sich geweigert, ihn den Beamten zu geben.

Der zweite Polizist brach daher seine Verfolgung ab und half dem Kollegen. Dann brachten sie die Frau zur Dienststelle der Bundespolizei. Man kann sich vorstellen, dass auch das seitens aller Beteiligter nicht schweigend vonstatten gegangen sein wird.

Das ist, grob, die Version eines 49-jährigen Beamten der Bundespolizei, der am Freitag im Amtsgericht Dresden als Zeuge im Beleidigungsprozess der 22-Jährigen vernommen wurde. Was aus ihrem Exfreund nach dem 4. Oktober geworden ist, wird in dieser Hauptverhandlung nicht thematisiert. Nach Angaben des Zeugen habe gegen den Mann ein Haftbefehl vorgelegen, die Angeklagte sagte, er sei auf dem Moped wohl ohne Fahrerlaubnis unterwegs gewesen. Wie auch immer, das Interesse der Justiz galt nun der Frau.

Reaktion auf "dumme Kuh"?

Sie hatte zwar zuvor gestanden, dass sie die Begriffe „Bullen“ und „Scheißbullen“ genutzt habe – angeblich sei sie jedoch zuerst von einem der Uniformierten angefasst und als „dumme Kuh“ beleidigt worden. „Ich war in Berlin mit zwei Freundinnen.“ Ihr ehemaliger Freund habe sich das Wochenende um ihren Hund und die Wohnung gekümmert, und sei zum Bahnhof gekommen, um sie abzuholen.

Als ihr Freund weggerannt sei, hätten sie die Beamten bedroht, ihr Handy abzunehmen, wenn sie ihnen nicht die Nummer des Mannes gebe. Die Handschellen habe sie selbst wieder abgestreift. Sie sei gepackt und geschubst worden. „Alles gut, ich renn‘ nicht weg“, habe sie den Streifenbeamten gesagt. „Ich finde ,dumme Kuh‘ schlimmer als ,Bulle‘ und ich habe nur darauf reagiert“, sagte sie. „Das rutscht halt mal 'raus.“ Sie habe den Beamten vorgeschlagen, sie nicht anzuzeigen, wenn sie auch nicht verfolgt werde.

Das Ergebnis ist bekannt. Die 22-Jährige sitzt nun, wieder einmal, vor Gericht. Sieben Einträge stehen bereits im Vorstrafenregister der jungen Frau, immer wegen kleinerer Geschichten, die dann aufgrund des Verhaltens der Jugendlichen größer wurden: Vor allem hatte sie wegen wiederholten Schwarzfahrens Ärger, saß aber schon dreimal für jeweils zwei Wochen im Jugendarrest, weil sie ihre Auflagen nicht erfüllt hatte. So ähnlich wird es wohl auch im Oktober am Hauptbahnhof gewesen sein, die Sache eskalierte durch das Verhalten der jungen Frau, die auch sagte, dass sie wegen psychischer Probleme in Behandlung sei.

Mehr Respekt

Richterin Sandra Milde verurteilte die Angeklagte wegen Beleidigung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 300 Euro. Darin enthalten ist auch ein Strafbefehl vom April, in dem die 22-Jährige wegen zweimaligen Schwarzfahrens zu einer Geldstrafe von 150 Euro verurteilt worden war. Schon der Begriff „Bulle“ sei eine Herabsetzung der Beamten, sagte die Richterin, wie auch das permanente Duzen. Man müsse mehr Respekt im Umgang miteinander wahren.

Die Richterin sagte, sie halte es für denkbar, dass ein Beamter „dumme Kuh“ zu der Angeklagten gesagt habe, allerdings habe die 22-Jährige zunächst in ihrem Telefonat die Beamten provoziert. Sie habe die Uniformierten nicht persönlich angesprochen, aber bewusst so gesprochen, dass die Polizisten mithören.

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