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Tausende bekunden in Dresden Solidarität mit der Ukraine

Auf dem Neumarkt in Dresden versammelten sich am Sonntagnachmittag Tausende Menschen. Vor der Frauenkirche demonstrierten sie gegen den Einmarsch Russlands in die Ukraine.

Von Henry Berndt & Christoph Springer
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Tausende demonstrierten am Sonntagnachmittag in Dresden gegen den Krieg in der Ukraine.
Tausende demonstrierten am Sonntagnachmittag in Dresden gegen den Krieg in der Ukraine. © Jürgen Lösel

Dresden. Mehrere Tausend Menschen sind am Sonntag auf dem Dresdner Neumarkt zusammengekommen, um ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine zu bekunden. Zu Beginn der Demo strömten immer mehr Teilnehmer zur Frauenkirche. Gegen Ende schätzte die Polizei die Gesamtzahl auf mehr als 3.000.

Auf einem großen Transparent war zu lesen: "Stand with U Ukraine" - Wir stehen an deiner Seite. Viele blau-gelbe Fahnen wurden geschwenkt mit Aufschriften wie "Putin mach dich heeme". Auf einer anderen stand "Wake Up Russia" - Wach auf, Russland.

Es war bereits die dritte Demonstration in Dresden seit Beginn des Angriffs - und mit Abstand die größte. Nach einer spontanen Kundgebung am Donnerstagabend, dem Tag, an dem die russische Armee in die Ukraine einfiel, und einer Kundgebung am Freitag mit etwa 1.000 Teilnehmern, hatten alle demokratischen Parteien aufgerufen. Auch die ukrainische griechisch-katholische Gemeinde aus Dresden unterstützte die Demonstration. Julija Kravtsova und Lilija Koshmak führten in ukrainischer und deutscher Sprache durch die Veranstaltung.

Viktoria Komnik ist am Samstag nach 60 Stunden Autofahrt vom Besuch ihrer Mutter in Kiew zurückgekommen.
Viktoria Komnik ist am Samstag nach 60 Stunden Autofahrt vom Besuch ihrer Mutter in Kiew zurückgekommen. © SZ/Christoph Springer

Viktoria Komnik stammt aus Kiew. Die 36-Jährige sagt, sie sei am Samstag nach 60 Stunden Autofahrt mit ihrem Mann und zwei Kindern vom Besuch ihrer Mutter in Kiew zurückgekehrt. "Wir sind am Donnerstag vom Beschuss wach geworden und sofort los. Aus Kiew raus haben wir zehn Stunden gebraucht. Meine Mutter arbeitet bei der Kirche in Kiew, gleich neben dem Präsidentenpalast. Sie übernachtet jetzt auch dort. Vielleicht ist das jetzt der sicherste Platz."

Unter den Demonstranten auf dem Neumarkt ist auch Anna-Maria Erhardt. "Ich bin entsetzt darüber, was Russland macht", sagt die 73-jährige Dresdnerin. "Ich bin hier, weil ich wenig andere Möglichkeiten für mich sehe, etwas zu verbessern."

Viele Teilnehmer brachten blau-gelbe Fahnen und Plakate mit.
Viele Teilnehmer brachten blau-gelbe Fahnen und Plakate mit. © Jürgen Lösel

Auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und der stellvertretende Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) zeigten Gesicht.

Über die Alarmbereitschaft der russischen Atomstreitkräfte sagte Dulig: "Das ist Wahnsinn und irre. Ich habe auch Angst und größten Respekt und Achtung vor den Menschen in der Ukraine. Sie kämpfen ja nicht nur für sich."

Hilbert äußerte sich begeistert über die Teilnahme an der Demo. "Am Freitag kamen schon mehrere 100, jetzt sind es deutlich mehr. Das zeigt, dass das ein Herzensanliegen der Dresdner ist, nicht nur der 13. Februar." Bei einem Autokraten wie Putin müsse man immer mit dem Schlimmsten rechnen. Die Versammlung in Dresden sei nicht zuletzt ein Signal an die Partnerstadt St. Petersburg.

André Schollbach, Oberbürgermeister-Kandidat der Linken, sagte am Rande der Demo: "Diplomatie ist immer wichtig. Man muss alles unternehmen, um den Krieg so schnell wie möglich zu beenden." Ob man mit Putin jetzt noch reden könne? "Man muss es immer versuchen."

Bei der Nationalhymne der Ukraine singen viele mit. Auch Russen geben sich mit Plakaten als Gegner des Krieges zu erkennen. Mit dem Läuten der Glocken und dem Lied "Dona nobis pacem", gesungen vom Kammerchor der Frauenkirche, geht die Veranstaltung dem Ende entgegen.

Nicht nur auf dem Neumarkt zeigten Menschen Flagge gegen den Ukraine-Angriff aus Russland. Auch im Internet unterstützen zahlreiche Einzelpersonen und Organisationen den Aufruf aus Dresden. Mehr als 3.000 hatten ihn bis zum Sonntagabend unterzeichnet, darunter unter anderem Kultusminister Christian Piwarz (CDU), Dresdens Ex-Oberbürgermeister Herbert Wagner, zahlreiche Landtagsabgeordnete, Stadträte und Kirchenvertreter.

Die nächste Aktion für Frieden in der Ukraine ist an diesem Montag geplant. Die Idee dazu hatte die aus Litauen stammende Künstlerin Jurgita Česonytė, die Leiterin des Jungen Ensembles Dresden. Gemeinsam mit anderen Chorleitern organisiert sie ein Friedenssingen auf dem Neumarkt. Es soll um 18 Uhr stattfinden. Gesungen wird einstimmig und mehrstimmig, etwa ein Friedenslied nach Kompositionen von Heinrich Schütz und Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Text und Melodie Martin Luther am Anfang des 16. Jahrhunderts geschrieben hat.

Weitere Informationen und der Aufruf: https://standwithu.eu/