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Der Mann mit dem Blick für die Feinheiten

Schlosser Peter Töppner arbeitet seit 50 Jahren in seinem Job. Was sein Nachfolger von ihm lernen kann.

Schlosser Peter Töppner mit seinem jungen Kollegen Paul Klein an einer Pumpe am Sandfang im Klärwerk Kaditz, die sie gerade instandgesetzt haben.
Schlosser Peter Töppner mit seinem jungen Kollegen Paul Klein an einer Pumpe am Sandfang im Klärwerk Kaditz, die sie gerade instandgesetzt haben. © Peter Hilbert

Dresden. Die Maschinen und Anlagen auf der Kaditzer Kläranlage sind das Metier von Peter Töppner. Seit 50 Jahren arbeitet der Dresdner als Schlosser – und hat immer noch Freude daran. „Ich mache sogar noch ein Jahr länger“, sagt er. Erst im April 2022 geht er mit 65 in Rente.

1971 hatte er seine Lehre bei der Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Dresden (WAB) begonnen. Anfangs hatte der Handwerker in der Anlage zur Behandlung von Industrieabwässern in Klotzsche gearbeitet. „Doch die wurde zur Wende stillgelegt“, erzählt er. Und so kümmert sich der Schlosser seit 1990 um die Instandhaltung der Maschinen und Anlagen im Klärwerk Kaditz. Das beginnt bei kleineren Arbeiten der planmäßigen Wartung und reicht bis hin zu größeren Instandsetzungsarbeiten. „Derzeit zerlegen wir die Pumpen am Sandfang“, sagt er.

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Eine der sechs Pumpen war ausgefallen. Sie war zerlegt und instandgesetzt worden. Damit das nicht so schnell wieder geschieht, hat Töppner mit seinem jungen Kollegen Paul Klein gleich die anderen fünf Pumpen für die Zukunft fit gemacht. Die Schlosser wechselten täglich bei einer von ihnen das Laufrad, die Dichtungen und das Gehäuse. „So können wir den weiteren guten Betrieb sichern“, erklärt der Fachmann.

Er hat nicht nur ein gutes Auge für die Feinheiten, sondern hört auch, wenn etwas nicht stimmt. Als Beispiel führt er das Förderband an den Feinrechen am Zulauf der Kläranlage an. Die filtern Toilettenpapier, Speisereste, Damenbinden, Kondome oder Feuchttücher aus dem Abwasser, die noch durch den Grobrechen gepasst haben. „Wenn es am Förderband pfeift, gucke ich, ob irgendetwas nicht stimmt“, sagt Töppner. Im jüngsten Fall war es der Abstreifer, wo der Dreck zurückgehalten wird. „Der wurde nicht rechtzeitig saubergemacht“, nennt er die Ursache.

„Der Peter kommt in die Anlage und weiß sofort, was das Problem ist“, erzählt sein junger Kollege Paul Klein. Der 29-Jährige hatte ab 2013 bei der Stadtentwässerung Industriemechaniker gelernt. 2017 schloss er seine Lehre ab und arbeitet seitdem mit Peter Töppner. „Er hat mir viele Tricks gezeigt, wie man sich die Arbeit einfacher machen kann“, sagt Klein. So hat sich Töppner für den Feinrechen einen speziellen Verlängerungsschlüssel gebaut, mit dem er besser an die Schrauben herankommt. „Wenn mir dreimal der Schlüssel runtergefallen ist, muss ich mir schließlich etwas einfallen lassen“, sagt Töppner schmunzelnd.

Seine Arbeit wird nicht nur von Paul Klein geschätzt. Als Vorarbeiter vertritt er schon seit 15 Jahren seinen Meister. Gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Klein habe er auch schon zwei Neuerer-Vorschläge gemacht. Bei einem davon ging es um eine einfache Lösung für die Rechengutpresse am Feinrechen. Das ausgepresste Wasser soll von dort in die Schleuse abfließen. Doch die ist zehn Zentimeter neben dem Abfluss. „Da habe ich eine normale Baukiste für fünf Euro darunter angebaut“, erklärt er die einfache Lösung. Die Plastekiste leitet das Wasser weiter in die Schleuse.

Das ist die Lösung, die Töppner verwirklicht hat. Durch die einfache Baukiste kann das ausgepresste Wasser unter der Rechengutpresse ordentlich abfließen.
Das ist die Lösung, die Töppner verwirklicht hat. Durch die einfache Baukiste kann das ausgepresste Wasser unter der Rechengutpresse ordentlich abfließen. © Peter Hilbert

Bei einem zweiten Neuerer-Vorschlag ging es um die Pumpen, die den Sand vom Sandfang zum Sandabscheider befördern. „Wenn eine Pumpe verstopft ist, fängt sie an zu rattern und die teure Gleitringdichtung geht kaputt“, erklärt Töppner das Problem. Also hat er vorgeschlagen, elektronische Manometer zu installieren. Dadurch bekommt der Anlagenführer in der Leitwarte sofort ein Signal, wenn eine Pumpe verstopft ist und kann schnell handeln. Zudem wurde der Vorschlag umgesetzt, die fest installierten Rohre an der Zuleitung zu den Pumpen durch flexible Schläuche zu ersetzen. „Die können bei einer Verstopfung schnell entfernt werden“, nennt er den Vorteil.

Hier wurde ein weiterer Vorschlag des Schlossers verwirklicht. Dieses elektronische Manometer signalisiert, wenn die Pumpe verstopft ist, die den Sand vom Sandfang zum Sandabscheider befördert. So kann in der Leitwarte schnell gehandelt werden.
Hier wurde ein weiterer Vorschlag des Schlossers verwirklicht. Dieses elektronische Manometer signalisiert, wenn die Pumpe verstopft ist, die den Sand vom Sandfang zum Sandabscheider befördert. So kann in der Leitwarte schnell gehandelt werden. © Peter Hilbert

Auch wenn Peter Töppner gern als Schlosser arbeitet und nach wie vor gute Ideen hat, freut sich der verheiratete Vater und Großvater schon auf seine Rente. „Wir haben einen großen Garten in Hellerau. Dann kann ich mich auch mal in der Woche um die vielen Pflanzen kümmern“, sagt er. Außerdem freut sich der Dresdner auch darauf, mehr Zeit für Reisen zu haben. „Dann werde ich mal wieder mit meiner Frau nach Zypern fahren.“

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