merken
PLUS Dresden

"Deshalb werde ich unbequem bleiben"

Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) plant im Ostragehege neue Brunnen. Wofür diese sind, erklärt die Politikerin im SZ-Interview.

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen erklärt im SZ-Interview, was sie im Ostragehege vorhat.
Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen erklärt im SZ-Interview, was sie im Ostragehege vorhat. © Marion Doering

Dresden. Die Dürre durch den Klimawandel hat in Dresden einen Millionen-Schaden angerichtet. Was die Stadt dagegen tut, erklärt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne).

Im SZ-Interview beantwortet sie auch, warum es seit Monaten Ärger mit der Entsorgung der gelben Tonnen gibt, was sie dagegen tut und weshalb sie unbequem bleiben wird.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Frau Jähnigen, im Ostragehege sollen Brunnen entstehen, weshalb?

Um die Wasserversorgung in Dresden zu sichern. Das Trinkwasser in Dresden kommt zu zwei Dritteln aus Talsperren und zu einem Drittel aus Uferfiltrat. Das Wasser aus den Talsperren wird in diesen Dürrezeiten zunehmend knapp. Der Wasserverbrauch hat sich seit 2010 in Dresden fast verdoppelt. Mittlerweile liegen wir bei 34.100 Kubikmeter pro Tag, wovon die Industrie gut ein Drittel benötigt, früher lag dieser Anteil bei rund zehn Prozent. Die Industrie wie die großen Chipfabriken benötigen aber nicht unbedingt Trinkwasser, sondern können beispielsweise ihre Anlagen auch mit Brauchwasser kühlen. Das hat auch eine hohe Qualität, muss aber nicht von der Drewag mit hohem Aufwand und Kosten aufbereitet werden. Wir haben bereits drei Stellen in Dresden, in denen Brauchwasser gefördert wird, im Ostragehege könnte eine weitere entstehen. Das untersuchen wir gerade, in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung und der Drewag.

Wann wird das entschieden?

Die Wasserfassung muss schnell gehen. Ich denke, wir werden im kommenden Jahr wissen, wie viel Brauchwasser im Ostragehege gefördert werden kann. Dann baut die Drewag die Anlagen dafür. Ich bin optimistisch, dass es an dieser Stelle funktioniert. Das wäre wichtig, um den Trinkwasserverbrauch in der anhaltenden Dürrezeit zu reduzieren.

Aber dieser Sommer war nicht so heiß wie in den Vorjahren?

Wir sind aus der andauernden Dürre nicht heraus, auch wenn – das ist richtig – dieser Sommer nicht ganz so heiß war. Wir sehen die Folgen sehr genau und sie nehmen zu. Ein Beispiel sind die Verluste bei den Straßenbäumen. Durch dürrebedingte Schäden haben wir in diesem Jahr bereits bis zu 700 Bäume verloren, das sind viel mehr als in den Vorjahren. Dabei sind die Wälder und die Dresdner Parks noch nicht berücksichtigt.

Welche Schäden richtet die Dürre an?

Die Bäume werden anfälliger für Pilz- und Insektenbefall, bekannt sind der Borkenkäfer als Schädling und die Rußrindenkrankheit. Wir haben erhebliche Schäden durch absterbende Äste und Kronen und einen enormen zusätzlichen Aufwand damit.

Aus dem Stadtrat gibt es Kritik, es würden zu wenige Bäume gepflanzt?

Der Aufwand, geeignete Standorte zu finden, hat zugenommen. Die Planung von Straßenbäumen in dicht bebauten Räumen wie der Innenstadt ist viel aufwändiger. Aber der Stadtrat hat mit dem Straßenbaumkonzept auch beschlossen, zu der reinen Anzahl der Pflanzungen, den Schwerpunkt unserer Arbeit auf den überwärmten Raum zu legen. Das soll mehr Kühlung und Schatten möglich zu machen. Deshalb liegt der Schwerpunkt darauf, Standorte im stark bebauten Stadtteilen zu finden. Deshalb achte ich nicht nur auf die reine Anzahl. Auch Diskussionen wie um den Promenadenring zeigen: Baumstandorte konkurrieren meistens mit anderen Nutzungen, wie Parkplätzen und unterirdischen Leitungen. Außerdem brauchen wir sehr viel Geld, um die Verluste an Straßenbäumen ausgleichen zu können.

Könnten Sie das Geld in Ihrem Bereich nicht besser verteilen?

Ich könnte höchstens entscheiden, ob ich einen Spielplatz baue oder Bäume pflanze. Dazu steigt wegen der Folgekosten des Klimawandels auch der Pflegebedarf. Die Verkehrssicherung an den verdorrten Bäumen kostet viel Geld, deshalb habe ich keine zusätzlichen Mittel, um Bäume zu pflanzen. Wir reden über einen Millionenschaden. Die Pflanzung eines Baumes kostet im Durchschnitt 4.000 Euro.

Wie ist denn der Stand beim Klimaschutz?

Der Kohlendioxidausstoß in Dresden wurde nicht erheblich verringert, anders als vom Stadtrat als Ziel beschlossen. Dresden soll vor 2050 möglichst klimaneutral sein. Wir werden Klimamaßnahmen, die die Stadtverwaltung realisieren kann, im Haushalt vorschlagen. Dabei geht es um eine klimagerechte Sanierung von Gebäuden, also die Vermeidung von Kohlendioxid, Gründächer und Fassaden. Aber auch bei der Wärme- und Energieeinsparung kann noch viel mehr passieren. Durch einmalige Investitionen, wie die Umstellung der Beleuchtung, kann viel gespart werden. Da ist noch nicht genug passiert. Auch bei der Mobilität kann durch die Förderung des Umweltverbundes mehr getan werden – die Steigerung der Anteile von Fuß-, Rad- und öffentlichem Nahverkehr.

Außerdem schreiben wir das Klimaschutzkonzept fort. Im kommenden Jahr wird es dazu eine umfangreiche Beteiligung der Bürger und der Wirtschaft geben.

Hat sich durch den Klimanotstands-Beschluss etwas geändert?

Der Stadtrat hat den Klimaschutz zu einer hohen Priorität erklärt und ich erlebe schon eine Veränderung. In vielen Bereichen der Verwaltung gibt es mittlerweile eine hohe Sensibilität dafür. Es ist aber noch nicht überall ausreichend angekommen.

Hätten Sie lieber einen Park am Ferdinandplatz?

Klimaschutz bedeutet, die Stadt nicht an den Rändern zu zersiedeln, sondern kompakt zu bauen. Zudem brauchen wir das Gebäude für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Selbstverständlich muss dann aber klimaangepasst gebaut werden. Deshalb entscheide ich in der Jury mit. Wir brauchen eine Begrünung, Gründächer und einiges mehr. Die Stadtverwaltung wird an dem Gebäude gemessen. Wenn es gelingt, kann es ein Beitrag zum Klimaschutz sein und zur Verringerung des Energieverbrauchs und damit der Kosten beitragen.

Was können die Dresdner zur Klimaschutz beitragen?

Sie können ihre eigenen Grünbereiche naturnah pflegen. Viele Dresdner gießen und pflegen auch städtische Bäume. Vielen Dank dafür. Aber auch die persönliche Lebensweise ist relevant, also bewusst zu entscheiden, wie man reist und was man isst.

Hat sich das auch durch Corona positiv verändert?

Ich habe schon den Eindruck. Ausgehend von der jüngeren Generation, die sich sehr genau überlegt, was getan werden kann, um das Leben lebenswert zu erhalten. Wir müssen den Klimawandelprozess verlangsamen. Wir können das schaffen und deshalb werde ich unbequem bleiben.

Wo schafft die Stadt noch Grünbereiche?

Wir eröffnen demnächst die neue Grünanlage an der Gehestraße. Am Geberbach entwickeln wir mit dem blauen Band bis 2027 einen Grünzug. Beim Südpark als größtem Projekt bauen wir im Herbst weiter. Dieser wird in 10 bis 20 Jahren fertig sein, abhängig vom Geld, das wir zur Verfügung gestellt bekommen. Im kommenden Jahr beginnen wir am Otto-Dix-Ring mit einer Grünanlage, in Altstrehlen wird der Kaitzbach renaturiert. Außerdem entwickeln wir die Weißeritzterrasse an der Würzburger Straße, an der Rosenstraße entsteht eine Mehrgenerationenanlage mit viel Grün neben dem Jugendgästehaus, dazu der Park an der Rosenstraße und viele kleine Projekte.

Rechnen Sie mit finanziellen Einschnitten wegen Corona?

Ich kann den Haushaltsplan erst bewerten, wenn er vorliegt. Aber wir haben in diesem Jahr noch mal gemerkt, wie wichtig Grünanlagen sind. Die Dresdner haben richtig Lust auf Grün. Auch deshalb meine ich, dass die Ausgaben Klimaschutz und –anpassung eine hohe Priorität haben müssen. Sie halten die Stadt attraktiv und sparen Folgekosten.

Weshalb steigen die Abwassergebühren?

Wir kalkulieren die Abwassergebühren immer kostendeckend für fünf Jahre. Entsprechend sind sie seit 2015 nicht mehr gestiegen. Aber die Kosten für die Aufbereitung sind es. Deren Bedeutung nimmt bei sinkenden Grundwasserständen einfach zu. Es geht darum, was wir am Ende in die Elbe leiten und das bestimmt dann auch unsere Wasserqualität. Die Kosten werden so kalkuliert, dass diese den Aufwand decken. Deshalb müssen wir sie leicht anheben. Das sind für jeden Dresdner im Durchschnitt 4.80 Euro mehr im Jahr.

Müssen die Dresdner mit weiteren Gebührensteigerungen rechnen?

Wir kalkulieren gerade die Abfallgebühren neu. In dem Bereich sind ebenfalls eine Reihe von Kosten gestiegen, auf der anderen Seite haben wir einen guten Vertrag mit der Stadtreinigung. Wir sind aber noch in den letzten Berechnungen. Dazu kann ich erst in einigen Tagen Genaueres sagen.

Apropos Abfall: Weshalb gibt es den Ärger mit der Gelben Tonne?

Das wird vom Dualen System Deutschland organisiert, also von einem bundesweiten Unternehmen Aber ich kenne die Beschwerden, viele kommen auch bei uns oder der Stadtreinigung an. Die Stadt ist aber für Ordnung und Sauberkeit zuständig, auch wenn das über ein privates Unternehmen organisiert wird. Beschwerden werden dorthin weitergeleitet. Ich sehe aber die Probleme, und dränge auf eine Lösung. Ich habe zugesagt bekommen, dass es sich um Übergangsprobleme nach dem Wechsel der beauftragten Firma handelt.

Wann sollen diese abgestellt sein?

Weiterführende Artikel

Baubürgermeister: "Das war nicht das Klügste"

Baubürgermeister: "Das war nicht das Klügste"

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) verlässt Dresden. Zum Abschied spricht er über Erfolge, Versäumnisse - und Gefühle.

Alkoholverbot am Dresdner „Assi-Eck“?

Alkoholverbot am Dresdner „Assi-Eck“?

Die Kreuzung in der Neustadt wird zunehmend zum Problem. Deshalb erwägt Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel, dort Trinken und Feiern zu verbieten.

"Kultur ist nicht die Feuerwehr"

"Kultur ist nicht die Feuerwehr"

Corona hat Kultur und Tourismus in Dresden hart getroffen. Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch spricht über die Folgen - auch für die Robotron-Kantine.

"Wir wollen kein Dresdner Ischgl"

"Wir wollen kein Dresdner Ischgl"

Oberbürgermeister Dirk Hilbert spricht im SZ-Interview über die Corona-Gefahr für Dresden, die Zukunft der Weißen Flotte und höhere Parkgebühren.

Das muss schnell beendet sein. Wir bleiben da dran.    

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden