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Die Geheimnisse des Dresdner Fürstenzuges

Auf dem prunkvollsten Porzellanbild der Welt gibt es viele Details, die Geschichten erzählen. Ein Dresdner Geschichtsexperte kennt sie.

Geschichtsexperte Christoph Pötzsch kennt viele Details des berühmten Dresdner Fürstenzuges, die kaum bekannt sind.
Geschichtsexperte Christoph Pötzsch kennt viele Details des berühmten Dresdner Fürstenzuges, die kaum bekannt sind. © Sven Ellger

Dresden. Ein Bummel zum Fürstenzug ist ein Muss für jeden Touristen. Schließlich können sie auf dem 102 Meter langen Riesenfresko die Ahnengalerie der Wettiner mit 35 Markgrafen, Herzögen, Kurfürsten und Königen bewundern. Der Dresdner Geschichtsexperte Christoph Pötzsch kennt nicht nur die Historie des größten Porzellanbildes der Welt, sondern auch die vielen kleinen Details, die für die meisten Passanten ein Geheimnis bleiben.

Das Kunstwerk: Nach wenigen Jahren stark beschädigt

„Im Jahre 1861 hatte die königliche Baukommission getagt und überlegt, wie die Augustusstraße gestaltet werden kann“, verweist Pötzsch auf den Ursprung. Die Außenwand des Langen Ganges zwischen Residenzschloss und Johanneum war unansehnlich. Also wurde die Gestaltung ausgeschrieben. Den Zuschlag bekam der aus dem Erzgebirge stammende Wilhelm Walther für seinen Entwurf des Fürstenzuges. „Er hatte an der Dresdner Kunstakademie studiert und war bis dahin als Historienmaler nicht sehr erfolgreich“, erzählt Pötzsch.

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1876 hatte Walther in einer Sgraffito-Kratztechnik den Fürstenzug nach vier Jahren fertiggestellt. Doch nach einigen Jahren hatten Wind und Wetter der Wand dermaßen zugesetzt, dass viele Bilder verblasst waren und es zahlreiche Schäden an der Wand gab. Die Rettung kam in Form von Meißner Porzellankacheln. Denn die Meißner Porzellanmanufaktur hatte sich gemeldet und den Fürstenzug zwischen 1904 und 1907 auf Keramikplatten übertragen und damit gerettet.

Damals sei überlegt worden, Friedrich August III., der 1918 als letzter sächsischer König abtrat, mit auf dem Fürstenzug zu verewigen. Doch er legte keinen Wert darauf. „So fiel die Entscheidung, den Fürstenzug wieder getreu dem historischen Vorbild zu gestalten“, sagt der Geschichtsexperte. Die 24.000 Meißner Porzellankacheln waren so hervorragend angebracht, dass sie selbst dem Feuersturm bei den Bombenangriffen 1945 standhielten, erklärt er. So kann Pötzsch bei seinen Führungen heute gut erklären, welche Geschichten und Geheimnisse hinter den Details auf dem Fürstenzug stecken.

Der Fürstenzug besteht aus 24.000 Porzellankacheln. Sie sind so hervorragend angebracht, dass sie selbst den Feuersturm nach den Bombenangriffen 1945 überstanden.
Der Fürstenzug besteht aus 24.000 Porzellankacheln. Sie sind so hervorragend angebracht, dass sie selbst den Feuersturm nach den Bombenangriffen 1945 überstanden. © Sven Ellger

Der Schöpfer: Maurer musste für Maler Modell stehen

Als Letzter ist der Schöpfer Wilhelm Walther oben rechts auf dem Fürstenzug zu sehen. Darunter sind der Maurer Karl Pietzsch mit der Kelle und der Zimmermann Kern mit dem Winkelmaß zu sehen, die für ihn Modell gestanden haben.
Als Letzter ist der Schöpfer Wilhelm Walther oben rechts auf dem Fürstenzug zu sehen. Darunter sind der Maurer Karl Pietzsch mit der Kelle und der Zimmermann Kern mit dem Winkelmaß zu sehen, die für ihn Modell gestanden haben. © Sven Ellger

Ganz am Ende des Fürstenzuges steht der Schöpfer Wilhelm Walther. „Er guckt so, als wollte er fragen: Seid Ihr mit meiner Arbeit zufrieden“, findet Pötzsch. Vor ihm durften hinter den Wettinern Vertreter der Bürgerschaft aufs Bild, unter anderem Künstler, Architekten, Bildhauer, darunter der Maler Ludwig Richter. Doch direkt neben Walther steht ein Maurer mit der Maurerkelle. Dabei handelt es sich um Karl Pietzsch, der dafür Modell gestanden hat. „Seine Maurerkollegen haben ihn dafür bewundert, dass er dadurch in die Ewigkeit eingeht“, erzählt Pötzsch. Pietzsch habe von Kollegen viel Geld geboten bekommen, damit sie Modell stehen können. Doch er habe die Angebote abgelehnt.

Vor dem Maurer ist der Zimmermann Kern mit seinem markanten Winkelmaß zu sehen. Auch er durfte Modell stehen und ging damit wie Pietzsch in die Geschichte ein.

"Der Entartete": Albrecht II. agierte nicht ruhmreich

Markgraf Albrecht II. hatte sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Kunstmaler Walther hatte das symbolisch mit der Distel zu Füßen seines Pferdes dargestellt.
Markgraf Albrecht II. hatte sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Kunstmaler Walther hatte das symbolisch mit der Distel zu Füßen seines Pferdes dargestellt. © Sven Ellger

Im vorderen Bereich des Fürstenzuges reitet Albrecht II., der von 1240 bis 1314 lebte. „Sein Vater Heinrich der Erlauchte hatte als Meißner Markgraf Sachsen sehr gut regiert. Er war eine Lichtgestalt“, sagt Pötzsch. Ganz anders sei es bei seinem Sohn Albrecht gewesen, der später den Beinamen „Der Entartete“ bekam. Man sagt, er habe drei Neigungen gehabt: Alkohol, Würfelspiel und Frauen. Regierungsverantwortung gehörte nicht dazu. Er habe Landesteile verkauft und Geld verschleudert, heißt es. So hätten ihn seine Söhne Friedrich und Diezmann de facto beiseite geschoben und schon frühzeitig die Verantwortung übernommen.

Zu Füßen des Pferds von Albrecht dem Entarteten ist als negatives Symbol für seine Untaten eine Distel zu sehen, verweist der Experte auf ein kleines, aber wichtiges Detail.

Der Abtrünnige: Augusts Pferd zertritt Lutherrose

August der Starke war zum Katholizismus übergetreten, damit er polnischer König werden konnte.
August der Starke war zum Katholizismus übergetreten, damit er polnischer König werden konnte. © Sven Ellger

August der Starke war nach dem frühen Tod seines Bruders Georg 1694 Kurfürst geworden. 1697 war er als Regent des protestantischen Sachsens zum Katholizismus übergetreten, damit er polnischer König werden konnte. „Ein Huf seines Pferdes zertritt die Lutherrose“, erklärt Pötzsch.

Die Rose zierte das Familienwappen des Reformators. „August der Starke zertritt damit den Glauben seiner Väter.“ Walther habe auf dem Fürstenzug viel mit solchen Symbolen gearbeitet, um damit auch Geschichte zu erzählen. „Da ist vieles verschlüsselt, was man heute nicht mehr weiß.“

Augusts Pferd zertritt symbolisch die Lutherrose, da der Kurfürst dem Glauben seiner Vorväter den Rücken gekehrt hatte.
Augusts Pferd zertritt symbolisch die Lutherrose, da der Kurfürst dem Glauben seiner Vorväter den Rücken gekehrt hatte. © Sven Ellger

Der Hoffnungsträger: Rollstuhlfahrer reitet auf dem Pferd

Schon mit 41 Jahren war Kurfürst Friedrich Christian gestorben. Auf dem Fürstenzug ist er auf dem Pferd verewigt, obwohl er im Rollstuhl gesessen hatte.
Schon mit 41 Jahren war Kurfürst Friedrich Christian gestorben. Auf dem Fürstenzug ist er auf dem Pferd verewigt, obwohl er im Rollstuhl gesessen hatte. © Sven Ellger

Kurfürst Friedrich Christian war blitzgescheit und ein großer Hoffnungsträger, als er 1763 Kurfürst wurde. Allerdings war er körperlich behindert und saß im Rollstuhl. „Im Fürstenzug reitet er zwar. Er hat aber nie auf dem Pferd gesessen, da er kaum laufen konnte, geschweige denn reiten“, sagt Pötzsch. Der Kurfürst war nur sieben Wochen im Amt und starb mit nur 41 Jahren. So musste sein Sohn, der später als Friedrich August I. erster sächsischer König wurde, mit nur 13 Jahren das Zepter übernehmen.

Der Abschluss: Albert und Georg beschließen Wettiner-Zug

König Albert (l.) und sein Bruder und Nachfolger Georg sind die letzten Vertreter der Wettiner auf dem Fürstenzug. Bei der Erneuerung bis 1907 wurde darauf verzichtet, Friedrich August III. dort zu verewigen. Er herrschte bis 1918.
König Albert (l.) und sein Bruder und Nachfolger Georg sind die letzten Vertreter der Wettiner auf dem Fürstenzug. Bei der Erneuerung bis 1907 wurde darauf verzichtet, Friedrich August III. dort zu verewigen. Er herrschte bis 1918. © Sven Ellger

Den Zug der Wettiner beschließen die Söhne von König Johann Albert und Georg. Albert regierte von 1873 bis 1902, sein Bruder Georg anschließend bis zu seinem Tod 1904. Dann übernahm sein Sohn Friedrich August III. das Zepter als letzter sächsischer König. Er musste 1918 abdanken.

Das sind aber nur einige der vielen Details auf dem Fürstenzug, zu denen Experte Pötzsch Geschichten kennt. Einmal jährlich erzählt er sie bei einer Führung. Aufgrund der Coronakrise steht der nächste Termin allerdings noch nicht fest. Interessenten können sich anmelden unter der E-Mail-Adresse: [email protected].

Allen, die sich für die Geschichte des Landes Sachsen und der Stadt Dresden interessieren, bietet er mit seiner Frau Bildvorträge, Lesungen, Stadtführungen, Spezialführungen und kurzweilige Literatur.

Informationen: www.historisches-dresden.de

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