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Dresdner: Kriminell nach Studienabbruch

Weil er sich nicht zu helfen wusste, rutsche ein 30-Jähriger in die Kriminalität ab. Nach einer Woche in Haft und dem Prozess sieht die Welt wieder besser aus.

Kein Ausweis - kein Geld? Ein Student hat behauptet im Amtsgericht Dresden, er habe wegen fehlender Papiere keine Sozialleistungen beantragen können. Das haben ihn auf die schiefe Bahn gebracht. Der Richter hatte einen guten Tipp für ihn.
Kein Ausweis - kein Geld? Ein Student hat behauptet im Amtsgericht Dresden, er habe wegen fehlender Papiere keine Sozialleistungen beantragen können. Das haben ihn auf die schiefe Bahn gebracht. Der Richter hatte einen guten Tipp für ihn. © René Meinig

Dresden. Möglicherweise hat ein 30-Jähriger jetzt in seiner ersten Verhandlung am Amtsgericht Dresden mehr gelernt, als in seinem verkorksten Wirtschafts-Studium, das er nach sieben Semestern abbrechen musste.

Der Uni-Rauswurf liegt schon rund vier Jahre zurück, aber er war auch jenseits der beruflichen Bildung ein einschneidendes Erlebnis. Ab da nämlich begann die kriminelle Karriere des Ex-Studenten der TU Dresden, der aus einem kleinen Ort in Brandenburg stammt.

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Aus akuter Geldnot hatte er begonnen, Mietverträge für Studentenbuden und WG-Zimmer abzuschließen, jedoch nie bezahlt. So landeten ab 2017 bereits mehrere Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft – während der ehemalige Student mal auf der Straße lebte, wohl auch in Obdachlosenunterkünften und hin und wieder auch mit der betrügerischen Masche für ein paar Wochen in einer Wohnung.

Im Februar 2019 wurde der Mann erstmals am Amtsgericht verurteilt. Weil er nicht zu seinem Prozess erschienen war, erhielt er sein Urteil – ein Jahr auf Bewährung – per Strafbefehl: vor allem wegen Betruges in rund einem halben Dutzend Fällen.

Im Sommer 2020 sollte sich der Mann für weitere Taten vor dem Amtsgericht Dresden verantworten. Wieder kam er nicht. Nun war das Maß voll und das Gericht erließ einen Sitzungshaftbefehl. Anfang Februar wurde er verhaftet, saß eine Woche im Dresdner Gefängnis.

Kein Ausweis – kein Geld

Nun also sein erster Prozess. Laut Anklage hatte er 2019 wieder an zwei Adressen umsonst gewohnt. Der Schaden: etwas mehr als 1.300 Euro.

Einmal habe er darüber hinaus bei Lidl im Hauptbahnhof einen Apfel, zwei Brötchen und Energydrinks mitgehen lassen. Die Diebesbeute zeigt, wie klamm er gewesen sein muss. Der Mann räumte alle Vorwürfe ein und behauptete, der Strafbefehl sei ihm völlig unbekannt.

Seit dem Uni-Rauswurf habe er keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern. Auch seinen Studentenjob in einem Supermarkt sei er los gewesen, er habe, wenn überhaupt, schwarz gearbeitet.

„Warum haben Sie keine Sozialleistungen beantragt?“, fragte Richter Meißner verdutzt. Er sei beim Sozialamt gewesen, doch weil er keinen Ausweis besaß, habe er keine Hilfen beantragen können, so der Angeklagte. Für eine Fahrt nach Hause habe ihm das Geld gefehlt.

„Sie hätten ein Darlehen für einen Ausweis beantragen können“, entgegnete der Richter. Spätestens jetzt dürfte auch der Angeklagte verdutzt gewesen sein.

Der Richter verurteilte den Angeklagten zu zwei Freiheitsstrafen von insgesamt einem Jahr, acht Monaten und zwei Wochen, die er zur Bewährung aussetzte. Darin enthalten sind nun auch die Taten aus dem Strafbefehl.

Außerdem muss der 30-Jährige seine Schäden, insgesamt rund 4.500 Euro, zurückzahlen. Ein Bewährungshelfer soll ihm helfen, wieder im „normalen Leben“ Tritt zu fassen.

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