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Dresden: Standseilbahn beendet Fahrpause

Fast ein Jahr dauerte die Runderneuerung der Bergbahn, ab Montag fährt sie wieder. Die Standseilbahn bekam auch ein neues Zugseil und Kameras.

Nicht nur das fast vier Zentimeter dicke Stahl-Zugseil ist neu bei der Standseilbahn.
Nicht nur das fast vier Zentimeter dicke Stahl-Zugseil ist neu bei der Standseilbahn. © Christian Juppe

Dresden. Dieser Halt steht in keinem Fahrplan. Und er ist auch seit Menschengedenken nicht nötig gewesen. Jedenfalls kann sich an diesem Freitag keiner der Bergbahnmitarbeiter an einen solchen Stopp erinnern. Auf halber Strecke, kurz bevor sie sich begegnen, halten die zwei Wagen der Standseilbahn an: Aussteigen bitte! Dort wird sonst nur im Notfall ausgestiegen, bei technischen Problemen zum Beispiel. Dieses Mal wollen die Verantwortlichen der Bergbahn und der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) etwas Neues zeigen.

Rutschsicherer Boden auf dem Viadukt

Die Neuerung gehört zu den Änderungen, die künftig dafür sorgen sollen, dass die Standseilbahn noch sicherer wird. Mehr Kameras gehören auch dazu. Rund drei Millionen Euro haben die DVB in den vergangenen Monaten in die Bergbahn investiert. Neu sind nun Gitterroste auf dem Viadukt an der Stelle, an der sich die zwei Wagen begegnen. Nicht nur reines Metall, sie wurden so bearbeitet, dass sie absolut rutschfest sind, auch bei Regen. Früher bestand der Boden aus Brettern, die bei Feuchtigkeit schnell glitschig wurden. Sie liegen auf 136 Holzbalken, die ebenfalls ausgetauscht wurden.

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Auf dem Viadukt hat die Standseilbahn einen neuen, rutschsicheren Fußboden bekommen - für den Fall, dass dort bei einem Problem ausgestiegen werden muss. Wann das das letzte Mal nötig war, konnte niemand sagen.
Auf dem Viadukt hat die Standseilbahn einen neuen, rutschsicheren Fußboden bekommen - für den Fall, dass dort bei einem Problem ausgestiegen werden muss. Wann das das letzte Mal nötig war, konnte niemand sagen. © Christian Juppe

DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach und Bergbahn-Chef Markus Dorschner ist diese Neuerung so wichtig, dass sie die Schwebebahn ausnahmsweise auf halber Strecke anhalten lassen bei dieser Besichtigungsfahrt. Sie zeigen den neuen Boden und dazu gleich noch das neue, etwa 600 Meter lange Zugseil. Es ist 38 Millimeter dick - gerade so, dass man es mit einer Hand umfassen kann, und besteht aus sechs sogenannten Litzen mit je 25 Drähten. 5,6 Kilogramm wiegt jeder Meter. Fünf Mann haben es von Hand von der Bergstation zur Talstation auf die Strecke gefädelt.

Kameras in und an den Wagen

Auf den ersten Blick nicht zu sehen sind dagegen mehrere technische Neuerungen wie eine autarke Stromversorgung für die Talstation und die Kameras in und an den Wagen - zwei drinnen und zwei draußen an den Fronten. So können die Mitarbeiter, die die Bergbahn steuern, sehen, was in den Wagen los ist und wie es davor aussieht. Die autarke Stromversorgung in der Station am Körnerplatz sorgt dafür, dass weniger Energie gebraucht wird. Denn in der Leitung, die vom Hirsch nach unten kam, ging auch Strom verloren.

Neu ist zudem die komplette Bergbahnsteuerung. Sie stammt aus einer Suhler Firma und entspricht nun auch der Steuerung der Schwebebahn. "Alles aus einer Hand", freut sich Ex-Bergbahn-Chef Steffen Mende, für den die rund einjährige Instandsetzung der Standseilbahn das letzte Projekt vor seiner Pensionierung war. Wenn mal was gebraucht wird, seien die Suhler schnell da, viel schneller jedenfalls, als die Fachleute aus typischen Bergbahnländern wie Österreich und der Schweiz.

Mehr Auskünfte in der Talstation

Während der Betrieb der Bergbahn vom Körnerplatz hinauf zum Luisenhof bisher von der oberen Station aus gesteuert wurde, passiert das künftig vor allem in der Talstation. Sie wurde erneuert, bekam ein neues, mit dem Denkmalschutz abgestimmtes Häuschen und sämtliche Steuerungstechnik. Für DVB-Vorstand Hemmersbach ein logischer Schritt, denn die meisten Kunden kommen unten an, um mit der Bergbahn zu fahren. Vor allem die Touristen, die dann einen Fahrschein brauchen, die eine oder andere Frage haben und anschließend die Berg- und Talfahrt genießen wollen. Womöglich mit einem Abstecher auf den "Balkon Dresdens", wie die Gaststätte neben der Bergstation genannt wird.

Bisher war dafür zusätzliches Personal nötig. DVB-Mitarbeiter, die nur dafür in der Talstation bereitstanden. Dazu kommt: Wenn die Bahn von unten gesteuert wird, kann das Personal in der Bergstation anderen Aufgaben nachgehen, zum Beispiel die Antriebsmaschine im Keller des Gebäudes pflegen. Auch dort gibt es eine Neuerung: Eine große, herausnehmbare Platte im Fußboden. So müssen schwere Bauteile wie der etwa eine Tonne wiegende Elektromotor künftig nicht mehr über eine Treppe aus dem Keller gewuchtet werden, wenn mal eine Reparatur nötig ist. Die Mitarbeiter können ihn mit einem mobilen Kran durch die neue Luke ins Erdgeschoss hieven.

Für Ex-Bergbahnchef Steffen Mende (l.) war die Sanierung der Standseilbahn das letzte Projekt. Beim Abschluss der Arbeiten hat er noch einmal DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach getroffen.
Für Ex-Bergbahnchef Steffen Mende (l.) war die Sanierung der Standseilbahn das letzte Projekt. Beim Abschluss der Arbeiten hat er noch einmal DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach getroffen. © Christian Juppe
Markus Dorschner ist 25 Jahre jung und neuer Chef der Bergbahnen bei den Dresdner Verkehrsbetrieben.
Markus Dorschner ist 25 Jahre jung und neuer Chef der Bergbahnen bei den Dresdner Verkehrsbetrieben. © Christian Juppe
Mit Fahrer ist eine Ausnahme - normalerweise funktioniert die Standseilbahn ohne einen Fahrer.
Mit Fahrer ist eine Ausnahme - normalerweise funktioniert die Standseilbahn ohne einen Fahrer. © Christian Juppe
DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach ist stolz auf den neuen Kollegen. Er sei der jüngste Bergbahnchef Deutschlands, sagte der DVB-Vorstand.
DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach ist stolz auf den neuen Kollegen. Er sei der jüngste Bergbahnchef Deutschlands, sagte der DVB-Vorstand. © Christian Juppe
In dem dicken hellen Kabelkanal liegt nun keine Stromversorgung mehr für die Talstation.
In dem dicken hellen Kabelkanal liegt nun keine Stromversorgung mehr für die Talstation. © Christian Juppe
Die Antriebstechnik in der Bergstation sieht historisch aus, ist technisch aber im Topzustand, versichern die Verantwortlichen.
Die Antriebstechnik in der Bergstation sieht historisch aus, ist technisch aber im Topzustand, versichern die Verantwortlichen. © Christian Juppe

Jüngster Seilbahnchef Deutschlands

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Dass zugleich der Chefposten für die Bergbahnen neu besetzt wurde, hat nichts mit den Sanierungsarbeiten an der Schwebebahn zu tun. Steffen Mende, ein Urgestein bei den Dresdner Verkehrsbetrieben und eigentlich "Schienenbahner", wie die Straßenbahn-Mitarbeiter genannt werden, hat die Schlüssel schon an seinen Nachfolger Markus Dorschner übergeben. Das ist ein 25-jähriger gebürtiger Franke. "Der jüngste Seilbahnbetriebsleiter Deutschlands", wie DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach am Freitag nicht ohne Stolz erklärte. Er ist nicht nur für die Standseilbahn zuständig, sondern hat auch den Hauptschlüssel für die Schwebebahn. Beide Bergbahnen sind ab Montag planmäßig in Betrieb. Neue, lange Fahrpausen seien derzeit bei keiner in Sicht, sagt Hemmersbach. Dafür spricht unter anderem die Lebensdauer des neuen Standseilbahn-Seils. Es soll bis zu 40 Jahre lang halten.

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