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Bildungs- statt 365-Euro-Ticket in Dresden?

Dresdner Busse und Bahnen sind heute schon voll. Wie die Grünen das Problem lösen wollen und wo das Geld dafür herkommen soll.

Geht es nach den Grünen, sollen Busse und Bahnen bald häufiger fahren.
Geht es nach den Grünen, sollen Busse und Bahnen bald häufiger fahren. © Tino Plunert

Dresden. Das 365-Euro-Ticket, das mehrere Parteien des Stadtrates fordern, sei nur eine Scheinlösung, sagt Susanne Krause. Die Stadträtin der Grünen ist mobilitätspolitische Sprecherin ihrer Fraktion und gleichzeitig Dresdner Kreisvorsitzende ihrer Partei. "Statt solcher populistischer Forderungen setzen wir darauf, die Dresdner Verkehrsbetriebe für neue Kunden attraktiv zu machen." Das gelinge aber nur durch bessere Angebote, denn die Busse und Bahnen seien jetzt schon vielerorts an der Kapazitätsgrenze.

Für die Grünen hat deshalb der Ausbau der Infrastruktur mit neuen Strecken Priorität. Zudem müssten Knotenpunkte wie der Pirnaische Platz ausgebaut werden, um höhere Takte bei einzelnen Linien anbieten zu können. Den Grünen schwebt dabei ein 5- oder 7,5-Minuten-Takt vor, sagt Krause. Bisher schlecht erschlossene Gebiete am Stadtrand, wo Fahrgäste bis zu 30 Minuten auf den Anschlussbus warten müssen, sollen besser angebunden werden. Diese Pläne könnten in Absprache mit den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) möglicherweise schon innerhalb der kommenden zwei bis vier Jahre ungesetzt werden, sagt Krause. 

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Tagesticket für Familien soll günstiger werden

Um Kunden vom Auto in den Nahverkehr zu holen, wollen die Grünen auch eine Ticketoffensive. So sollen künftig alle Firmen, unabhängig von ihrer Mitarbeiterzahl, das Jobticket anbieten können. Bisher können dies nur Unternehmen ab 30 Mitarbeitern. Dabei übernehmen der Arbeitgeber und die DVB jeweils zehn Prozent der Kosten. "Die Beteiligung der Arbeitgeber könnte noch deutlich höher sein als zehn Prozent, nachdem seit 2019 die Zuschüsse steuerfrei sind", sagt Krause.

Weiterhin sollen Schüler lediglich 15 Euro pro Monat für das sogenannte Bildungsticket zahlen, mit dem viel Bürokratie bei der Abrechnung der Monatstickets eingespart werden könne. Um Busse und Bahnen im morgendlichen Berufsverkehr zu entlasten, soll das 9-Uhr-Ticket finanziell und vom Leistungsumfang attraktiver werden. Das Tagesticket für Familien, was im August auf zehn Euro gestiegen ist, muss angesichts der günstigen Parkgebühren in Dresden von derzeit 1,50 Euro pro Stunde wieder günstiger werden, so eine weitere Forderung der Grünen.   

Touristen, die nach Dresden kommen und Beherbergungssteuer zahlen, sollen künftig gratis in der Tarifzone Dresden unterwegs sein können. Ein solches Gästeticket funktioniere bereits gut in Städten wie Innsbruck oder Genf.

Geld für Nahverkehr soll aus Parkgebühren kommen

Mehr Kreativität erhoffen sich die Grünen auch im Hinblick auf Veranstaltungen, bei denen die Eintrittskarte zugleich Fahrkarte ist. Vor allem, was städtische Veranstaltungen wie die Konzerte der Philharmonie anbelangt. 

Mit den Verkehrsbetrieben sei man zu diesen Vorschlägen bereits in gutem Kontakt, sagt Krause. In Teilen entsprechen sie sogar dem Strategiepapier der DVB, das diese vor Kurzem vorgelegt hat. "Wir verstehen und als Partner und versuchen die DVB zu unterstützen." 

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Das Geld für den besseren Ausbau des Nahverkehrs soll unter anderem aus den Parkgebühren kommen, die demnächst stark steigen sollen. Schon in wenigen Wochen wollen die Grünen einen Antrag im Stadtrat zur Einführung des Bildungstickets stellen. Alle anderen Punkte der Ticketoffensive sollen bis August 2021 umgesetzt werden. Dafür soll der Stadtrat die Verwaltung beauftragen, gemeinsam mit den DVB und dem  Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) unter Einbeziehung der Fraktionen eine Detailkonzeption und eine Einnahmeprognose zu erarbeiten. 

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