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Lange Ermittlungen nach tödlichem Brand

Über einen Monat untersucht die Polizei schon die Ursache des Feuers in der Marschnerstraße in Dresden, bei dem ein Kind starb. Warum es kein Ergebnis gibt.

Auch fünf Wochen nach dem Brand erinnern frische Blumen, Kerzen und ein Kuscheltier an den Zweijährigen, der damals ums Leben kam. Das Haus wird unterdessen wieder auf Vordermann gebracht.
Auch fünf Wochen nach dem Brand erinnern frische Blumen, Kerzen und ein Kuscheltier an den Zweijährigen, der damals ums Leben kam. Das Haus wird unterdessen wieder auf Vordermann gebracht. © Christian Juppe

Dresden. Reichlich fünf Wochen sind vergangen seit dem schlimmen Feuer. Seitdem ist viel passiert. Doch noch längst nicht alles ist erledigt. Die Spurensuche ist abgeschlossen, die Wohnung freigegeben, ein Gerüst steht am Haus, die Renovierungsarbeiten laufen. Doch die Polizei hat sich noch nicht festgelegt. Die Ursache für den dramatischen Brand in dem Zehngeschosser nahe dem Straßburger Platz ist noch nicht gefunden. Fest steht bisher nur, dass dort niemand Feuer gelegt hat.

Jana Berger findet gar nicht so schlecht, dass ihre Kollegen vom Kommissariat 41 der Dresdner Kriminalpolizei mit ihrer Arbeit noch nicht fertig sind. Wenn sie ein Ergebnis haben, wird es die 45-Jährige sofort erfahren, denn sie leitet die Kripo-Abteilung, in der es unter anderem um sogenannte Gemeingefährliche Straftaten geht. Dazu gehören alle Taten, bei denen das Leben, die Gesundheit oder das Eigentum von Menschen in Gefahr geraten. Auch Brände wie der am 12. Februar im Haus Marschnerstraße 15-27.

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Viele Mieter waren damals in Gefahr, sieben Stockwerke wurden in Mitleidenschaft gezogen, als an diesem Freitagnachmittag eine Wohnung im fünften Stock des Hauses mit der bunten Fassade in Flammen stand.

Kriminalhauptkommissarin Jana Berger hat schon viele verkohlte Wohnungen gesehen. Doch der Brand in der Marschnerstraße hat sie besonders bewegt.
Kriminalhauptkommissarin Jana Berger hat schon viele verkohlte Wohnungen gesehen. Doch der Brand in der Marschnerstraße hat sie besonders bewegt. © Christian Juppe

Die Feuerwehr musste damals rund 20 Personen in Sicherheit bringen, darunter auch eine 36-Jährige aus der Brandwohnung. Sie wurde über den Balkon gerettet. Für ihren zweijährigen Sohn kam die Hilfe zu spät, er überlebte nicht. Auch fünf Wochen nach dem furchtbaren Unglück erinnern Blumen und Kerzen vor dem Haus an den Jungen. "Der Tod ist die Grenze des Lebens, aber nicht der Liebe" steht auf einer davon.

Kerzen, Blumen, Kuscheltiere: Viele Menschen denken offenbar an den verstorbenen Zweijährigen und dessen Familie.
Kerzen, Blumen, Kuscheltiere: Viele Menschen denken offenbar an den verstorbenen Zweijährigen und dessen Familie. © Christian Juppe

Am Anfang Mordermittlungen

Jana Berger ist eine erfahrene Kriminalistin. Angefangen hat sie mal in der Mordkommission, seit fünf Jahren leitet sie jetzt das Kommissariat, zu dem unter anderem auch Ermittlungen nach Bränden gehören. Sie hat schon viele verkohlte Autos, Schuppen und abgebrannte Wohnungen gesehen. Besonders gut erinnert sie sich an die Feuer im vergangenen Jahr, als ein Brandstifter im Dresdner Westen gezündelt hat. Am 12. August legte er Feuer in einem Carport in Dölzschen. Er zündete einen Pkw an, das Auto fackelte ab, dazu der gesamte Unterstand und die Flammen griffen auf die benachbarten Häuser über. "Eines davon musste abgerissen werden, da steht jetzt ein neues Haus", sagt die 45-Jährige.

Doch diese Brände kosteten im Gegensatz zu dem Feuer in dem Zehngeschosser an der Marschnerstraße keine Menschenleben. "Das ist tragisch", sagt Jana Berger und sie kann verstehen, wie es den Eltern des Zweijährigen geht. Schließlich hat sie selbst drei Kinder und ist auch von ihrer Arbeit geprägt. "Mein Verhalten hat sich geändert", beschreibt sie das, Stecker zieht sie beim Verlassen der Wohnung auch schon mal ab, wenn das eigentlich technisch gar nicht nötig ist und auf brennende Kerzen achtet sie ganz besonders.

Mehrere Stockwerke in dem Zehngeschossener in der Marschnerstraße waren durch das Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden
Mehrere Stockwerke in dem Zehngeschossener in der Marschnerstraße waren durch das Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden © Tino Plunert

Zu den Aufgaben ihrer neun Mitarbeiter gehört unter anderem, bei Bränden die Betroffenen, Nachbarn und mögliche Zeugen zu befragen. Parallel dazu untersuchen Brandursachenermittler aus dem Kommissariat 41 den abgekühlten Brandort. Sie müssen Spuren sichern, die die Brandursache belegen können. "Offene Flamme, Elektrik oder ein technischer Defekt" seien die häufigsten Brandursachen, sagt Jana Berger. Zur Abteilung "offene Flamme" gehöre auch eine glimmende Zigarette.

Ergeben die Ermittlungen, dass eine Flamme der Auslöser war, gibt es noch zwei Möglichkeiten: fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung. Das heißt, das Feuer ist durch ein Versehen ausgelöst worden, oder ein Brandstifter hat gezündelt.

Niemand hat bewusst gezündelt

So viel steht mittlerweile zur Marschnerstraße fest: Es war fahrlässige Brandstiftung. Das heißt, ein Unglück war die Ursache für den Brand mit seinen fürchterlichen Folgen. Was genau, weiß auch Jana Berger noch nicht. Das werde noch untersucht, sagt sie und ist gar nicht unzufrieden darüber, wenn es dieses Mal lange dauert, bis die Ursache gefunden ist. Das seien die Ermittler den Eltern schuldig, die sich schwere Vorwürfe machen, alles verloren haben, gibt sie zu verstehen.

Zwar seien alle Spuren gesichert und die Brandwohnung für die Renovierungsarbeiten freigegeben worden, doch nun müssten die Spuren ausgewertet werden. Dafür gibt es Spezialisten im Landeskriminalamt am Wilden Mann, die dort auch Laboruntersuchungen vornehmen können.

Brandursachsenermittler untersuchten die Brandwohnung - auch mit einem Polizeihund.
Brandursachsenermittler untersuchten die Brandwohnung - auch mit einem Polizeihund. © Tino Plunert

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Ob das Ergebnis ihrer Untersuchung wirklich etwas für die Öffentlichkeit ist? Jana Berger hat da Zweifel, den Eltern des toten Jungen geht es schon schlecht genug, ist sie überzeugt. Deshalb hat sie Zweifel daran, dass das Ermittlungsergebnis veröffentlicht werden muss. Denn dann würden womöglich noch Nachbarn, andere Mieter des Hauses, fremde Menschen "mit dem Finger auf sie zeigen". Noch eine Strafe mehr für die Eltern des Zweijährigen, die ganz von vorn anfangen müssen nach dem Feuer in ihrer Wohnung. Eine, die Jana Berger ihnen gern ersparen würde.

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