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Busfahrer in Dresden ohne Coronaschutz?

Bei den Dresdner Verkehrsbetrieben sind die Fahrer räumlich abgeschirmt. Andere Verkehrsunternehmen handhaben das anders und riskieren dabei sogar Verstöße.

Ein Bus der Linie 309 am Schillerplatz, dieser Fahrer hat jedoch eine Plexiglasabtrennung.
Ein Bus der Linie 309 am Schillerplatz, dieser Fahrer hat jedoch eine Plexiglasabtrennung. © Sven Ellger

Dresden. Einsteigen beim Fahrer - das ist in den Bussen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) schon seit dem ersten Corona-Lockdown im März 2020 nicht mehr möglich. Um Mitarbeiter und Fahrgäste zu schützen, ist der Bereich um die Fahrer abgesperrt und Fahrkarten können im Bus nicht mehr erworben werden.

Doch in Dresden sind auch Fahrzeuge anderer Verkehrsunternehmen unterwegs. So wie die Linie 309, die von der Regionalbus Oberlausitz GmbH betrieben wird. Sie kommt aus Pulsnitz und bedient auf Dresdner Stadtgebiet Haltestellen in Bühlau und Rochwitz, bevor sie über die Grundstraße zum Schillerplatz fährt, wo sie endet.

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In einigen Fahrzeugen der 309 sitzen die Fahrer im Bus als gäbe es keine Pandemie. Sie sind weder durch eine Plexiglasscheibe abgeschirmt, noch durch andere Sicherheitsvorkehrungen und tragen meist keine Maske. "Das betrifft unser Subunternehmen 'Unser Roter Bus' aus Kamenz", erklärt Heiko Schneider, der zuständige Bus-Betriebsleiter der Regionalbus Oberlausitz GmbH für den Raum Kamenz, Radeberg und Bischofswerda.

"Wie die ihre Fahrer schützen, dazu kann ich nichts sagen. In unseren Bussen sind Plexiglasabtrennungen angebracht. Die Fahrertür öffnen wir jedoch, da es im ländlichen Raum notwendig ist, dass der Kunde beim Fahrer Tickets kaufen kann", sagt Schneider. Den Fahrern sei es freigestellt, ob sie eine Mund-Nase-Bedeckung tragen wollen oder nicht.

Subunternehmen wartet auf Plexiglasscheiben

René Richert ist der Geschäftsführer von "Unser Roter Bus". Er räumt Probleme bei der Beschaffung der Plexiglasscheiben für die Busse ein. "Das müssen ganz Spezielle sein, die bekommen wir nicht sofort", sagt er.

Doch spätestens Ende Februar sollen sie in allen seinen Bussen installiert sein, verspricht er. Bis dahin müssten seine Fahrer jedoch eigentlich eine Maske tragen, sonst verstoßen sie gegen die Corona-Vorschriften.

"Für Busfahrer gilt nach der derzeit geltenden Corona-Schutz-Verordnung zunächst einmal keine generelle Pflicht zum Tragen einer Maske, wenn entsprechende Maßnahmen zur Abgrenzung zwischen Fahrer und Passagieren wie Plexiglas oder Abkordelung ergriffen worden sind. Sofern allerdings der Fahrkartenverkauf zwingend beim Busfahrer erfolgen muss und hierbei keine als Schutz geeignete entsprechende Abtrennung mehr vorhanden ist oder der Mindestabstand unterschritten wird, sind auch Fahrer zum Tragen eine Mund-Nase-Bedeckung verpflichtet", schreibt das Sächsische Sozialministerium auf SZ-Anfrage. Nur ein Attest befreie von der Pflicht zum Tragen einer Maske.

Beim Unternehmen Müller Busreisen GmbH, dessen Fahrzeuge vor allem im Schönfelder Hochland unterwegs sind, haben Plexiglasscheiben oder Folienvorhänge längst Einzug gehalten, sagt Pressesprecher Oliver Blau. "Unsere Fahrer sind so abgeschirmt, dass keine Aerosole zu ihnen vordringen können."

Anfangs habe man auch überlegt, die Fahrertür nicht mehr zu öffnen, doch es gebe im ländlichen Raum zu wenige Fahrkartenautomaten und nicht jeder nutze das Handyticket, deshalb müsse man den Fahrscheinverkauf weiter beim Fahrer anbieten, sagt Blau. "Wir stellen unseren Fahrern auch Masken zu Verfügung, es steht denen frei, diese zu tragen."

Studie über Ansteckungsgefahr

Ganz anders wird das beim Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge GmbH (RVSOE) gehandhabt. Über zehn Linien des Unternehmens sind auch in Dresden unterwegs wie die 261, die von Sebnitz über Neustadt und Stolpen zum Hauptbahnhof fährt, oder die Gv 60, deren Route von Dresden über Dippoldiswalde nach Altenberg und zurück führt.

Auf diesen Linien sind die Fahrer nicht durch Abtrennungen geschützt, die meisten tragen auch keine Mund-Nase-Maske. Die Vertriebs- und Marketingleiterin Sabine Schuricht begründet dies insbesondere mit einer Untersuchung des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Der Verband habe branchenweit die Ansteckungsgefahren für die Mitarbeiter abgefragt. Beim Servicepersonal mit Kundenkontakt, also zum Beispiel in den Kundencentren, liege die Quote der Infizierten bei 1,05 Prozent. Beim Fahrpersonal, der mit Abstand größten Berufsgruppe, liege die Quote insgesamt über alle Fahrberufe demnach bei 0,39 Prozent.

Bei den Busfahrer, die im Gegensatz zu Straßen- und U-Bahn-Fahrern nicht komplett abgetrennt vom Fahrgastinnenraum sitzen, sei die Quote mit 0,28 Prozent sogar noch geringer.

In dieser Untersuchung steht jedoch nichts davon, dass man auf Schutzmaßnahmen verzichten soll. " Wir werden selbstverständlich weiterhin alle nötigen Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsrisikos konsequent umsetzen, von der Kontrolle der Maskenpflicht über Reinigungs- und Hygienemaßnahmen bis zu Information, Aufklärung und Sensibilisierung der Fahrgäste. Damit der ÖPNV auch während der Pandemie ein sicheres und zuverlässiges Verkehrsmittel für alle bleibt“, schreibt VDV-Präsident Ingo Wortmann.

Allerdings fehlt hier der Hinweis auf eine Abtrennung der Fahrer und dies reicht dem RVSOE offenbar aus.

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Sabine Schuricht begründet das Öffnen der vorderen Tür vor allem damit, dass es weiter möglich sein muss, Fahrscheine beim Fahrer zu kaufen. "Weiterhin dient das Öffnen aller Fahrgasttüren der Durchlüftung des Fahrzeuges."

Zudem erfolge die Umsetzung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus grundsätzlich in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden. "Dabei möchten wir darauf verweisen, dass die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes gemäß Sächsicher Corona-Verordnung für die Fahrgäste vorgesehen ist – nicht jedoch für die Fahrer. Gerade für die Busfahrer mit Brille kann das Tragen zudem gefährlich sein." Der Grund: Eine Brille beschlägt leicht beim Tragen einer Schutzmaske.

Das steht jedoch im Wiederspruch zur Aussage des Sozialministeriums, das entsprechende Maßnahmen zur Abgrenzung zwischen Fahrer und Passagieren wie Plexiglas oder Abkordelung fordert.

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