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Busse und Bahnen sollen Dresdens Autos verdrängen

Nach dem Schrumpf-Gutachten für die Dresdner Verkehrsbetriebe holen die Grünen zum Gegenschlag aus. Dieser geht auch auf Kosten der Autofahrer.

Statt zu kürzen, soll in Busse und Bahnen investiert werden, damit sie schneller durch Dresden fahren, fordern die Grünen.
Statt zu kürzen, soll in Busse und Bahnen investiert werden, damit sie schneller durch Dresden fahren, fordern die Grünen. © SZ/Archiv/Charlotte Sattler

Dresden. Die in einem Gutachten vorgeschlagenen Spar-Pläne für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) wollen die Stadtpolitiker keinesfalls mitgehen. Nach den Linken reagieren nun auch Dresden Grüne mit einem eigenen Vorschlag. Ihr Ansatz würde auch Autofahrern zugutekommen, sagen sie - allerdings nur einem Teil und insgesamt würden diese ausgebremst.

Die DVB brauchen mehr Geld, um ihr Angebot zu erhalten und den geplanten Ausbau wie neue Stadtbahnlinien umzusetzen. Der Zuschussbedarf steigt von rund 40 Millionen Euro auf etwa 65 Millionen Euro.

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Diesen Zuschuss zahlen bisher die Technischen Werke Dresden (TWD), zu denen neben den DVB auch die SachsenEnergie und die Dresdner Bäder gehören. Aus den Strom-Gewinnen werden Bäder und Nahverkehr mitfinanziert. Ein von den TWD beauftragtes Gutachten zu den DVB sorgte für Wirbel. Darin werden teurere Tickets, Personalabbau, keine neuen Strecken, weniger Fahrten und einiges mehr vorgeschlagen.

Die Linke hat darauf gefordert, dass der Stadtrat beschließt, solche Kürzungen auszuschließen. Vielmehr sollen die DVB Geld von der Stadt erhalten. Außerdem solle aufgearbeitet werden, wie es zu diesem Gutachten kam.

Nun legen die Grünen nach und wollen die DVB stärken. "Die Vorschläge aus dem Gutachten widersprechen geltenden Stadtratsbeschlüssen", stellt Grünen-Stadträtin Ulrike Caspary klar. Sie verweist darauf, dass es mehrere Beschlüsse zum Streckenausbau gibt, auch solle der Anteil von Bussen und Bahnen am Verkehr in Dresden auf 30 Prozent erhöht werden und dann ist da noch der Beschluss, dass Klimaschutz in Dresden höchste Priorität habe und alle Projekte darauf geprüft werden. "Dafür brauchen wir die Verkehrswende und eine Hauptsäule dafür ist der öffentliche Nahverkehr", so Caspary.

Deshalb beantragen die Grünen, dass die Stadt den Räten einen Vorschlag vorlegt, wie die für die DVB benötigten 65 Millionen Euro mithilfe der Stadt finanziert werden können. Denn die DVB sollen noch mehr leisten als bisher, statt an ihnen zu sparen. "Wir sollten genau überlegen, wo man die Säge ansetzt", sagt Grünen-Stadträtin Susanne Krause. "Sonst vergrault man Kunden. Viele davon würden dann mit dem Auto fahren und so würde die Stadt Stau in Dresden regelrecht provozieren."

Deshalb sollen die DVB attraktiver werden, fordern die Grünen. Dafür sind die geplanten neuen Strecken notwendig, aber auch erweiterte Angebote in allen Stadtteilen, zusätzliche Tickets, mehr Marketing und vor allem - das ist die zentrale Forderung der Grünen - eine Beschleunigung für Busse und Bahnen. Aktuell liege die Durchschnittsgeschwindigkeit für die Straßenbahn bei 21 bis 22 Stundenkilometern und für Autos bei 27.

Damit Busse und Bahnen schneller durch Dresden kommen, gibt es laut Caspary einige Ansätze: Bevorzugung bei den Ampelschaltungen, Taktverdichtungen - also häufigeres Fahren - und generell eine eigene Spur, sowohl für Bahnen als auch für Busse.

Das sei ein Gewinn für alle, sagt Krause. Denn wenn mehr auf Busse und Bahnen umstiegen, gebe es auch keine Staus. "Wenn wir die DVB aber kaputtsparen, schaffen wir uns tatsächliche Verkehrsprobleme in der Stadt." Die Grünen verweisen auch auf einen Spar-Plan für die DVB, der bereits in den 1990er-Jahren diskutiert wurde. Da gab es bereits einen Versuch, Linien zu streichen und das Angebot zu kürzen. "Es gab ein Bürgerbegehren für den Erhalt, die Streichungen wurden gestoppt", so Caspary. "Das zeigt, dass die Dresdner mit dem Angebot zufrieden sind und es gerne nutzen."

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Dass es bei der Beschleunigung für Busse und Bahnen für andere Verkehrsteilnehmer zwangsläufig langsamer wird, räumt Krause dann auf Nachfrage doch noch ein. "Die Durchschnittsgeschwindigkeit muss angeglichen werden, damit das Auto nicht konkurrenzlos schnell ist. Erst wenn die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr mit dem Auto schneller sind als mit Bus und Bahn, steigen sie um."

Da mindestens ein Verkehrsteilnehmer dabei einbüßen müsse, sei das hier klar der Autofahrer. "Das können wir als Stadtrat steuern und das ist auch unsere Aufgabe", erläutert Caspary.

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