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Melkus expandiert in der Krise

Bisher haben Sepp Melkus und seine Mitarbeiter den RS 1000 weitergebaut und Fahrzeuge professionell aufbereitet. Nun gibt es ein weiteres Standbein.

Sepp Melkus (l.) hat in Holger Eisold einen erfahrenen Kfz-Technikmeister für seinen neuen Fahrzeugservice gefunden.
Sepp Melkus (l.) hat in Holger Eisold einen erfahrenen Kfz-Technikmeister für seinen neuen Fahrzeugservice gefunden. © Marion Doering

Dresden. Während andere Firmenchefs Sorgen angesichts der Einschränkungen für ihre Arbeit durch das Coronavirus haben, kann sich Sepp Melkus vor Anfragen kaum retten. Auf seinem Firmengelände in Dresden-Weißig ist kein freier Parkplatz mehr zu finden. Sämtliche Autos dort warten auf eine professionelle Fahrzeugaufbereitung, die von den neun Mitarbeitern übernommen wird. Die meisten Aufträge dafür kommen von Autohändlern, aber inzwischen sind es auch zwischen 30 bis 40 Prozent Privatkunden, die ihr Gefährt in die Hände von Profis geben wollen. "Autos werden immer schmutzig und gehen kaputt. Wir spüren nichts von der Krise", sagt der 37-Jährige.

Räumlich ist Melkus in der Werkstatt Am Weißiger Bach 149 längst an seine Grenzen gestoßen, obwohl er die Arbeitsplätze doppelt besetzt hat. "Außerdem habe ich immer wieder Anfragen von Kunden bekommen, ob wir nicht auch den Service für ihre Autos übernehmen könnten", sagt Sepp Melkus, der die dritte Melkus-Generation nach seinem bekannten Großvater Heinz und seinem Vater Peter ist. "Mir gefiel die Idee, künftig alles aus einer Hand anbieten zu können."

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Neue Mitarbeiter gesucht

Seit rund zehn Monaten war er deshalb auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie in der Nähe des jetzigen Standortes. Und wurde fündig. Kaum 100 Meter von der Fahrzeugaufbereitung entfernt konnte er zum 1. April eine Kfz-Werkstatt übernehmen.

"Die Nähe ist perfekt, die Mitarbeiter können zu Fuß hin- und herlaufen." Außerdem hat er in Kfz-Technikermeister Holger Eisold einen Fachmann für die Werkstattarbeiten gefunden, der dort schon seit 2014 arbeitet. Allerdings hat Melkus auch gemerkt, dass die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren ziemlich angezogen haben. Doch den Schritt wollte er auf jeden Fall gehen.

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"Wir bieten jetzt neben Unfallreparaturen, Karrosseriearbeiten und Klimaservice auch Lackarbeiten und Tüv-Service an. Das ist eine perfekte Ergänzung zur Fahrzeugaufbereitung", schätzt Sepp Melkus ein. Um den neuen Fahrzeugservice auch personell ausbauen, sucht er weitere Mitarbeiter, konkret einen Kfz-Mechatroniker, einen Fahrzeugaufbereiter und eine Serviceassistenz. "Über Bewerbungen würde ich mich freuen."

Sportwagen weiter sehr gefragt

Klar, dass niemand beim Namen Melkus am legendären Sportwagen RS 1000 vorbeikommt, den Heinz Melkus 1969 erstmals vorgestellt hat und der 1971 in der DDR in Serienproduktion ging. 101 Stück davon wurden bis zur Wende gebaut, 80 davon gibt es heute noch. Ihre Besitzer kümmern sich weitestgehend selbst um die Wartung der außergewöhnlichen Fahrzeuge. Doch hin und wieder passieren auch ihnen Unfälle und sie kommen dann zur Reparatur in die Sportwagenmanufaktur.

Die heißt so, weil das Interesse am RS 1000 ab den 2000er-Jahren wieder zugenommen hat. 2006 entschloss sich Peter Melkus deshalb mit seinem Sohn, den flunderflachen Sportwagen mit den Flügeltüren aus Originalteilen wieder neu zu bauen. Genügend Teile gibt es erstaunlicherweise noch, da in der DDR viel in Kellern gehortet wurde. Man wusste nie, wogegen man es eintauschen konnte.

Der jüngste RS 1000 wird bald ausgeliefert. Sepp Melkus baut mit seinen Mitarbeitern drei bis vier Stück pro Jahr in Handarbeit.
Der jüngste RS 1000 wird bald ausgeliefert. Sepp Melkus baut mit seinen Mitarbeitern drei bis vier Stück pro Jahr in Handarbeit. © Marion Doering

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Seitdem entstehen jedes Jahr drei bis vier Autos in Handarbeit in der Weißiger Werkstatt. Das jüngste in einem außergewöhnlichen Gelbgrün wartet unter einer schwarzen Hülle auf seine Abholung. Ein Kunde aus Bayern will damit seine Autosammlung um diese Rarität bereichern. "Er hat ihn schon abgenommen und ist Probe gefahren", sagt Sepp Melkus. Die kommenden anderthalb Jahre ist er bereits ausgebucht, was den Bau des RS 1000 angeht. "Ich bin selbst erstaunt, wie gut die Nachfrage noch ist."

Die Besitzer der neu gefertigten Modelle kommen auch alle zur Wartung nach Dresden. Dabei hat es immer wieder auch Nachfragen gegeben, ob Sepp Melkus auch Oldtimer oder Youngtimer reparieren könnte. "Das können wir jetzt alles anbieten und so auch einen neuen Kundenkreis erschließen."

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