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Trotz Corona: Dresdner Dampfer auf Kurs

Seit Anfang November liegen die Schiffe wegen des Lockdowns fest. Doch die neuen Chefs haben eine Lösung.

Robert Straubhaar ist seit einem Vierteljahr neuer Dampferchef. Seinen Optimismus behält er auch im Lockdown.
Robert Straubhaar ist seit einem Vierteljahr neuer Dampferchef. Seinen Optimismus behält er auch im Lockdown. © Archiv/Marion Doering

Dresden. Jetzt sollte Winter-Hochsaison sein. Täglich Schiffe zum Christmas Garden in Pillnitz, dazu Stadtfahrten für Striezelmarktbesucher. Mehr Schiffsverkehr auf der Elbe als in den vergangenen Jahren planten die neuen Macher der Weißen Flotte.

Dabei kam ihnen entgegen, dass der Corona-Plan für den Striezelmarkt vorsah, einen Teil des Weihnachtsmarktes am Terrassenufer stattfinden zu lassen.

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Die Rest-Saison nach der Übernahme der insolventen Flotte durch die United Rivers AG im Sommer lief gut, sagt Geschäftsführer Stefan Bloch. "Wir hatten jeden Monat im Vergleich zum Vorjahr zehn Prozent mehr Fahrgäste."

Für den September bedeutete das mehr als 75.000 Passagiere. Nur der September 2017 kam zuletzt mit knapp 71.000 Fahrgästen nahe an dieses Ergebnis heran. Auch das eher durchwachsene Oktober-Wetter hat den positiven Trend nicht gestoppt.

Doch dann kam der November und damit der Teillockdown. Inzwischen liegen die Schiffe seit knapp zwei Wochen fest. Die historischen Dampfer wurden mit weißen Planen winterfest gemacht - wie der Dampfer Dresden, der unterhalb der Albertbrücke liegt. Die Salonschiffe sind am Terrassenufer vertäut.

Das Glitzerschiff, zu dem das MS Gräfin Cosel mit Tannengrün und Leuchtsternen werden sollte, glitzert nicht. Es wurde gar nicht erst geschmückt, alle Adventsfahrten sind ausgefallen.

Neben Straubhaar ist der gebürtige Kamenzer Stefan Bloch gleichberechtigter Chef bei der Flotte.
Neben Straubhaar ist der gebürtige Kamenzer Stefan Bloch gleichberechtigter Chef bei der Flotte. © Archiv/Marion Doering

Auch im Lockdown keine finanziellen Sorgen

Der Lockdown-Pause ist eine Zeit vorausgegangen, die von neuem Schwung und der Hoffnung auf mehr Sicherheit für die Mitarbeiter geprägt war. Mit einer Schweiz-Flagge am Bug ihres Schiffs machten Mitarbeiter der Flotte kurz nach der Übernahme deutlich, dass sie den neuen Eigentümer aus Basel für den richtigen halten.

Dem Vernehmen nach musste United Rivers-Chef Robert Straubhaar eine mittlere einstellige Millionensumme für den Kauf des Dresdner Unternehmens aufbringen. Den gebürtigen Kamenzer Stefan Bloch, der schon mehrere Jahre in den Unternehmen von Straubhaar mitarbeitet, machte der Schweizer zum zweiten Geschäftsführer der Weißen Flotte.

Bloch versichert seitdem stets, auch die lange Lockdown-Pause werde das Unternehmen nicht wieder in Schwierigkeiten bringen. "Finanziell haben wir das im Griff", wiederholte er diese Aussage kurz vor Weihnachten.

Finanzielle Schwierigkeiten gab es 2019 viele

Finanzielle Schwierigkeiten gab es dagegen 2019, als mehrere Gesellschafterversammlungen nötig waren, um den nötigen finanziellen Spielraum für das Unternehmen zu erhalten.

Verzichtserklärungen der damaligen Eigentümer, der Kommanditisten, und eine millionenschwere Kreditzusage retteten die Dampfschifffahrt damals vor dem Konkurs. Den ersten Teil des Kredits zahlte die Sächsische Aufbaubank planmäßig aus, parallel dazu erarbeitete die Geschäftsführung gemeinsam mit dem Sanierer Burkhard Jung aus Berlin einen Plan für die Zukunft.

Der sei fast fertig gewesen, als der Frühjahrslockdown das Unternehmen zusätzlich in Schieflage brachte. Laut der damaligen Geschäftsführerin Karin Hildebrand weigerte sich die Sächsische Aufbaubank schließlich, die zweite Kreditrate auszuzahlen, was das Unternehmen schließlich zahlungsunfähig machte. Am 3. Juni meldete sie daraufhin Insolvenz an.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Es wurde eine Insolvenz in Eigenverwaltung, also mit den bisherigen Chefs an Bord und Burkhard Jung als Sanierer an ihrer Seite. Verbunden mit der Suche nach neuen Geldgebern. Am Ende waren noch zwei potenzielle Investoren im Rennen: Robert Straubhaar aus der Schweiz und die Immobilien-Verwaltung Richert & Co., der bereits die Werft in Laubegast gehört.

Straubhaar bekam den Zuschlag. Er konnte seine Erfahrung als Schifffahrtsunternehmer in die Waagschale werfen. Schließlich gehören zur United Rivers AG unter anderem die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt sowie die Chartergesellschaft Roi Holding mit 13 Flusskreuzfahrtschiffen auf Rhein, Mosel, Main und Donau.

Außerdem umfasst der Konzern eine eigene Cateringfirma, je ein Unternehmen zur Akquise und zur Ausbildung von nautischem Personal, eine auf Schifffahrt spezialisierte Technikgesellschaft und eine Beratungsfirma. Zudem organisiert der Konzern Events für Firmen auf ausgewählten Schiffen in Belgien, Deutschland oder den Niederlanden.

Altlasten über Bord geworfen

Die Lockdown-Pause ist der neuen Flottenleitung finanziell zwar alles andere, als willkommen, Bloch kann ihr aber auch eine gute Seite abgewinnen.

"Wir hatten viel Zeit, alles gut aufzugleisen", sagt der neue Co-Chef, "den neuen Fahrplan, neue Produkte." Sie sei auch passend gekommen, "um Altlasten über Bord zu werfen". Damit sei vor allem administrative Arbeit gemeint, etwa die Buchhaltung neu zu strukturieren.

Dass ab dem 10. Januar, bis zu dem die derzeit aktuelle Corona-Allgemeinverfügung gilt, wieder alles normal läuft, glaubt Bloch nicht. Aber die Flotte ist vorbereitet.

"Sollte es so sein, dann fahren auch im Januar noch Schiffe." Geplant sind Schlösserfahrten bis nach Pillnitz und Stadtfahrten bis zum Blauen Wunder, nicht nur mit den zwei Salonschiffen, sondern auch mit einem Dampfer.

"Aber bei dem Dampfer gibt es eine Problematik", sagt Bloch. "Wir brauchen zwei Wochen Zeit, um den Kessel anzuheizen." Voraussichtlich werde dann der Dampfer Pillnitz einsatzbereit gemacht, der zur Zeit am Terrassenufer gleich neben der Carolabrücke liegt.

Es gilt, den Lockdown durchzustehen. Dabei helfen auch die Werftarbeiten, die derzeit - wie in jedem Winter - stattfinden.
Es gilt, den Lockdown durchzustehen. Dabei helfen auch die Werftarbeiten, die derzeit - wie in jedem Winter - stattfinden. © Archiv/Sven Ellger

21 Fahrten nach Tschechien

Fast fertig ist inzwischen der Fahrplan für die Saison 2020. Die Preise für alle bislang angebotenen Touren bleiben unverändert, sagt Bloch, doch es werde auch neue Fahrangebote geben.

Zum Beispiel dieses: Anfang Mai und Ende September sind insgesamt 21 Dampferausflüge von Königstein über Bad Schandau und Hřensko nach Děčín geplant. Vorausgesetzt, die Elbe spielt mit und der Pegel erlaubt diese Fahrten. Bloch freut sich: "Wir haben aus Prossen schon einen Dankesbrief dafür bekommen, dass wir dort wieder anlegen."

Parallel dazu planen die neuen Flottenchefs - ähnlich wie auf dem Rhein - Dinnerschiffe, bei denen die Gäste während der Fahrt besonders edel essen können. Ein Veranstaltungskatalog soll außerdem zusätzliches Publikum an Bord locken.

Auf den Januar verschoben ist dagegen die Umgestaltung des Dampfschifffahrt-Ladens am Georg-Treu-Platz. Dort soll es mehr als Tickets, Dampfer-Devotionalien und allerlei Dresdnerisches geben.

Für die Mitarbeiter der Flotte, die laut Bloch einschließlich der Bürokollegen derzeit zu 50 Prozent in Kurzarbeit sind, haben die neuen Dampferchefs Geld vom Staat beantragt.

"Die Novemberhilfe, aber es ist noch nix da", sagt Bloch. Mit Urlaub und Überstundenabbau wollen sie darüber hinaus die Zeit ohne Fahrten überbrücken.

Bloch ist davon überzeugt, dass es gelingt, die Corona-Zeit zu überstehen, ohne dass die Weiße Flotte wieder in existenzgefährdende Schwierigkeiten gerät. ""Das tut schon weh, deswegen fallen wir jetzt aber nicht um", versichert der neue Dampfer-Geschäftsführer.

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