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Dresdens Sommer der Extreme

Der Sommer in Dresden war von sehr vielen heißen Tagen und wenig Regen geprägt. Doch es gab Ausnahmen - mit Auswirkungen.

Der vergangene Sommer war wieder extrem trocken in Dresden. Pflanzen vertrockneten, Wiesen dörrten aus.
Der vergangene Sommer war wieder extrem trocken in Dresden. Pflanzen vertrockneten, Wiesen dörrten aus. © René Meinig

Dresden. Am kommenden Dienstag beginnt der Herbst. Hinter uns liegt ein wechselhafter, zu warmer, zu trockener und sehr sonniger Dresdner Sommer. Wiesen sind ausgedörrt, der Elbpegel ist niedrig und zwei Drittel der Bäche sind ausgetrocknet. Der Klimawandel lässt grüßen. Das Umweltamt bilanziert, wie der Sommer genau verlaufen ist.

44 heiße Sommertage

Mit 19,5 Grad Celsius war der Sommer 2,2 Grad zu warm gegenüber dem langjährigen Vergleichszeitraum des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Diese sogenannte Klimareferenzperiode bezieht sich auf die Jahre 1961 bis 1990. Gezählt wurden 44 statt der durchschnittlich 31 Sommertage, an denen die 25-Grad-Marke erreicht oder überschritten wurde. An 14 Tagen lag die Höchsttemperatur bei 30 Grad oder darüber. Im Zeitraum von 1961 bis 1990 gab es in den Sommern nur 6,5 derart heiße Tage. An 680 Stunden schien die Sonne, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem DWD-Durchschnitt. Demgegenüber fielen 19 Prozent weniger Regen als normal.

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Viel weniger Regen als normal im Juli

Der Juli war besonders trocken. In Dresden erfasst die Stadtentwässerung an 19 Stationen, wie viel Regen fällt. Waren es im Juni noch 78 Prozent des normalen Niederschlags, so lag die mittlere Summe im Juli nur bei 39 Prozent gegenüber dem langjährigen DWD-Wert. So litten besonders Dresdner Bäume und Grünanlagen. Wiesen trockneten erneut vollkommen aus. Zwar erholen sie sich nach Regen schnell. Doch durch die wiederholt lange Trockenheit verkrauten sie zunehmend. Die Sonne schien oft. Doch erst Ende Juli erreichten die Temperaturen hochsommerliches Niveau. 

Der Elbpegel stand auch in diesem Sommer meistens viel tiefer als normal. Derzeit liegt er bei 1,07 Metern. Der mittlere Wasserstand ist 1,65 Meter.
Der Elbpegel stand auch in diesem Sommer meistens viel tiefer als normal. Derzeit liegt er bei 1,07 Metern. Der mittlere Wasserstand ist 1,65 Meter. © René Meinig

Ein Hoch beschert lange Hitzewelle im August

Das Hoch Detlef bescherte auch Dresden eine lange Hitzewelle. Vom 7. bis 21. August wurden fast täglich Temperaturen über 30 Grad erreicht. Der extremste Wert wurde am 9. August mit 35,8 Grad in Strehlen gemessen. An der DWD-Station Klotzsche wurden mit 19 überdurchschnittlich viele Sommertage gezählt – normal sind elf. Der Temperaturdurchschnitt lag 3,5 Grad höher. Mit 21,1 Grad war der August 2020 der viert wärmste seit 1961.

Kräftig geregnet hatte es im August an mehreren Tagen.
Kräftig geregnet hatte es im August an mehreren Tagen. © Sven Ellger

Allerdings war der August auch sehr nass. Die Messwerte zeigen, dass die mittlere Niederschlagssumme aller Regenschreiber 128 Prozent des langjährigen Wertes des Deutschen Wetterdienstes entspricht, erläutert Udo Zimmermann von der Stadtentwässerung, der für die Auswertung der Daten zuständig ist. Pro Quadratmeter fielen 99,5 Liter Regen statt der im August üblichen 77,9 Liter. Damit war der August der zehnt nasseste seit 1961. Starkregen und Gewitter prasselten überwiegend in lokal begrenzten Gebieten herab. 

Während in einigen Stadtteilen die Natur weiter unter der Trockenheit litt, lief im benachbarten Stadtteil so mancher Keller voll. Am meisten regnete es im Dresdner Stadtgebiet in Obergorbitz, wo 121,4 Liter je Quadratmeter gemessen wurden, am wenigsten in Hosterwitz (86,7 Liter). Besonders starken Niederschlag gab es am 10. August in Trachau und Klotzsche, am 14. August in Rochwitz, Reick und Naußlitz und am 18. August in Klotzsche, Tolkewitz und am Hauptbahnhof.

Sturm und Starkregen zum Ende des Sommers

Mit Sturmtief Kirsten wurde es in den letzten Augusttagen dann überall schon recht herbstlich. Stark regnete es zum Monatsende am 30./31. August. So wurden an der Station Obergorbitz 77,7 Liter je Quadratmeter gemessen. Das entspricht laut Statistik einem Regen, der nur alle zehn Jahre fällt. In Schönfeld fielen hingegen nur 37,7 Liter. Durchschnittlich wurden in Dresden 55,3 Liter gemessen. 

Der vorangegangene Sturm hatte viele Äste abgebrochen, sodass sich die Rechen als Treibgutfänge zusetzten. Besonders hart betroffen war der Kaitzbach in der Innenstadt. Dort staute sich das Wasser bis zur Bürgerwiese. Auch das Hochwasser-Rückhaltebecken im Strehlener Hugo-Bürkner-Park war randvoll. Große Schäden gab es nicht. Doch die Feuerwehr musste einige Keller und eine Tiefgarage leer pumpen und Schlamm von Straßen beseitigen.

Stark regnete es am 30./31. August. Pro Quadratmeter wurde ein Niederschlag von rund 55 Litern gemessen.
Stark regnete es am 30./31. August. Pro Quadratmeter wurde ein Niederschlag von rund 55 Litern gemessen. © dpa-Zentralbild

Grundwasserstand sinkt, Hausbrunnen versiegen

Zwar füllten sich Bäche aufgrund des Regens im August wieder. Doch die jahrelange Trockenheit wirkt sich beim Grundwasser aus. Bereits seit 2015 kam viel weniger Nachschub als üblich. Deshalb ist seitdem der Grundwasserstand gesunken und hat sich auf niedrigem Niveau eingepegelt. Die weitere Entwicklung wird vom kommenden Herbst und Winter abhängen, da es dann im Normalfall viel regnet oder schneit und nicht so viel Wasser verdunstet. 

Temperaturen steigen immer weiter

Eine Konstante gibt es, bilanziert das Umweltamt: "Seit 1961 steigen die Sommertemperaturen zwischen 0,3 und 0,6 Grad pro Dekade." Zwischen 2011 und 2020 lag die durchschnittliche Temperatur 1,8 Grad höher gegenüber 1961 bis 1970. Seit den 1990er-Jahren ist ebenfalls ein steter Anstieg der Sonnenscheindauer zu verzeichnen. "In den letzten drei Dekaden erhöhte sich die Sonnenscheindauer um durchschnittlich jeweils 7 Prozent."

Beim Regen gibt es hingegen keinen einheitlichen Trend. Seit 1961 schwanken die sommerlichen Niederschlagsmengen um maximal 8,5 Prozent. Dabei war der nasseste Zeitraum die Dekade 1991 bis 2000. Zwischen 2011 bis 2020 lag die mittlere Niederschlagssumme bei 219 Litern je Quadratmeter. Im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 bis 1990, in der es durchschnittlich 217 Liter im Sommer regnete, gibt es fast keine Abweichung. 

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Allerdings hat die Anzahl der Tage, an denen es regnet, abgenommen - in den Sommermonaten um durchschnittlich sieben Prozent. "Dies bedeutet im Umkehrschluss: Längere Trockenperioden werden durch deutlich intensivere Regenereignisse unterbrochen. Insbesondere der August hat uns dies gezeigt", so das Umweltamt.

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