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Nach Havarie: Haben Dresdens Fähren eine Zukunft?

Ein Motorschaden hat eines der neuesten Schiffe während der Fahrt auf der Elbe gestoppt. Was die Verkehrsbetriebe mit ihren fünf Fährboote vorhaben.

Nachdem die "Johanna" wegen einer Havarie nicht weiterfahren konnte, holte die Feuerwehr die Passagiere an Land. Der Dampferverkehr war nicht gestört.
Nachdem die "Johanna" wegen einer Havarie nicht weiterfahren konnte, holte die Feuerwehr die Passagiere an Land. Der Dampferverkehr war nicht gestört. © Archiv/Roland Halkasch

Dresden. Das hat die Verantwortlichen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) überrascht, vor allem aber den Fährmann und dessen sechs Passagiere: Ohne Ankündigung, ohne warnende Geräusche aus dem Bauch des Fährschiffs quittierte der Motor der "Johanna" am Sonntag plötzlich die Arbeit. Mitten auf der Elbe ging er aus.

Der Fährmann ankerte, damit die Strömung das Schiff nicht Richtung Albertbrücke trägt. Auf der linken Seite, also Backbord, wie es richtig heißt, war noch genug Platz für die Dampfer. So musste die Elbe wenigstens nicht für den Schiffsverkehr gesperrt werden. Die Passagiere holte die Feuerwehr in einem kleinen Boot an Land, später wurde die "Johanna" ans Neustädter Ufer geschleppt. Der Schaden war letztlich gering - nur ein Schalter war kaputtgegangen. Tags darauf wurde er ersetzt und die Fähre konnte wieder fahren.

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"Schiffs-Tüv" alle fünf Jahre

So ein Bauteil sei noch nie kaputtgegangen, sagte danach DVB-Sprecher Falk Lösch. Für den Fall, dass das noch einmal passiert, liegen seitdem im Ersatzteillager auch solche Schalter bereit. Doch eigentlich werden die Fähren regelmäßig überprüft, vor allem von den Fährleuten selbst. Mindestens alle fünf Jahre müssen sie zu einer Untersuchung, die dem Auto-Tüv ähnelt, aber umfangreicher ist - je älter sie werden, desto häufiger. Dabei geht es nicht nur um die Technik, sondern zum Beispiel auch um den Schiffsrumpf und dessen Materialstärke. Für solche Untersuchungen müssen die Fähren aus dem Wasser - das passiert in der Regel in der Werft in Laubegast.

Fachleute holen sich die DVB für die Wartung ihrer Fähren vor allem dann, wenn von deren Arbeiten auch Garantiezeiten abhängen. "Kleine Motorschäden und Probleme an den Anlagen machen wir selbst", sagt Lösch. Aufwändigere Arbeiten wie einen Motorwechsel geben die Verkehrsbetriebe dagegen an andere Firmen ab.

Bei Bedarf arbeiten die Techniker und die DVB-Mitarbeiter dann auch selbst in der Laubegaster Werft. Schließlich haben sie es nicht weit bis dorthin - von ihrer Zentrale in Kleinzschachwitz bis zur Werft sind es nur rund 1,5 Elbkilometer. Und sie kennen die fünf Fährboote aus dem Effeff.

Die älteste Fähre stammt von 1927

Da ist erstens die "Erna", das mit Abstand älteste Fährschiff der DVB. 1927 ist sie in der Werft Übigau vom Stapel gelaufen. Meistens liegt sie in Kleinzschachwitz an einem Anleger, eingesetzt wird die "Erna" vor allem, wenn Ersatz gebraucht wird.

Dann gibt es zwei Fähren, die sich sehr ähneln. Beide stammen von der Laubegaster Werft. Die "Johanna", die eigentlich planmäßig zwischen der Neustadt und der Johannstadt unterwegs ist und daher auch ihren Namen hat. Sie ist seit 2004 im Einsatz. Und die "Caroline", 2012 in Laubegast gebaut. Ihr Stammplatz ist die Fährstelle zwischen Niederpoyritz und Laubegast.

Die größte Personenfähre ist die "Elbflorenz". Sie stammt aus dem Jahr 2000, wurde ebenfalls in Laubegast gebaut und ist wegen ihrer Größe vor allem in Pillnitz im Einsatz, denn dort gibt es die meisten Passagiere. Gelegentlich wird sie auch für sogenannte Längsfahrten eingesetzt, also für Ausflugstouren auf der Elbe, für die sie dann gechartert wurde. Allerdings dürfen dabei nur Fährleute ans Steuer, die auch das sogenannte Längspatent haben, also auf "große Fahrt" gehen dürfen. Das aber haben nicht alle DVB-Fährmänner und -frauen.

Wenn die Schloßfähre in der Werft ist, wird nicht nur die Technik geprüft und erneuert. Auch am Äußeren des Fährschiffs wird dann gearbeitet, wie auf diesem Foto aus dem Jahr 2014.
Wenn die Schloßfähre in der Werft ist, wird nicht nur die Technik geprüft und erneuert. Auch am Äußeren des Fährschiffs wird dann gearbeitet, wie auf diesem Foto aus dem Jahr 2014. © Archiv/Steffen Füssel

Das größte Schiff ist die Schloßfähre, die auch Autos transportieren kann. Bis zu acht drei Tonnen schwere Pkw und zusätzlich 140 Personen haben darauf Platz. Sie ist die einzige Fähre mit einem sogenannten Schottelantrieb, der Wasser ansaugt und wieder nach draußen drückt und das Schiff so bewegt. Der Antrieb ist allerdings störanfällig, Treibgut oder Unrat aus der Elbe wird gelegentlich auch angesaugt und legt ihn ab und zu lahm.

Zuletzt wurde er im vergangenen Jahr erneuert, als die Fähre drei Wochen lang für Reparatur- und Wartungsarbeiten in Laubegast war. Auf dem Werftgelände stand sie auf dem Trockenen, denn auch die Rumpfbleche mussten untersucht werden - für den "Schiffs-Tüv".

Keine Fährstelle soll geschlossen werden

Obwohl die Passagierzahlen vor allem zwischen Laubegast und Niederpoyritz längst nicht dafür sorgen, dass der Betrieb kostendeckend funktioniert, halten die DVB-Verantwortlichen derzeit an allen drei Fährstellen fest. Vor Corona fuhren dort pro Werktag im Schnitt 280 Personen über die Elbe. Zwischen der Neustadt und der Johannstadt waren es 440, zwischen Pillnitz und Kleinzschachwitz 1.540.

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Rund 700.000 Euro lassen sich die Verkehrsbetriebe die drei Elbquerungen per Schiff im Jahr kosten. Diese Zahl war für 2018 und 2019 aktuell. Für 2020 liegen den DVB noch keine bestätigten Zahlen vor. Obwohl die Fähren also insgesamt ein Zuschussgeschäft sind - nur die Fährstelle Pillnitz-Kleinzschachwitz funktioniert unbestätigten Angaben zufolge kostendeckend - sagt Unternehmenssprecher Falk Lösch: "Es gibt bei uns keine Überlegungen zur Einstellung einzelner Fährstellen."

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