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Dresden: Erneuter Zoff um Dynamo-Million

Das Trainingszentrum der SG Dynamo sorgt weiter für Debatten. Eine Million Euro soll die Stadt zusätzlich zahlen, das schien geklärt - warum es das nun doch nicht ist.

Das Trainingszentrum von Dynamo Dresden wurde teurer als gedacht, der Streit, wer zahlt, geht weiter.
Das Trainingszentrum von Dynamo Dresden wurde teurer als gedacht, der Streit, wer zahlt, geht weiter. © J. Loesel, loesel-photographie.d

Dresden. Die Mehrkosten für das Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum der SG Dynamo Dresden werden zum Dauer-Streit-Thema. Der Bau der modernen Anlage im Ostragehe wurde deutlich teurer als geplant.

Allerdings ist nachweislich nicht der Verein dafür verantwortlich. Deshalb will Dresdens Stadtspitze eine weitere Million zuschießen. Das wird nun zum politischen Hin und Her.

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Aus den ursprünglich geplanten rund 15 Millionen Euro wurden knapp 20 Millionen Euro, die der Bau des Trainingszentrums im Ostragehege kostete. Die teure Entsorgung unerwarteter Altlasten und weitere Verzögerungen ließen machten es teurer als geplant.

Weil Dynamo Dresden keine Schuld an der Kostenexplosion trägt, schlug der für Sport zuständige Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) einen städtischen Zuschuss von fünf statt der geplanten vier Millionen Euro vor.

Das lehnte der Stadtrat im November ab. Stattdessen solle die Million Euro in die Sanierung von Sportstätten anderer Vereine fließen, die es nötiger hätten als Dynamo. Wenige Wochen später gab es dann die Kehrtwende. Auf Drängen der FDP wurde im Haushaltskompromiss zwischen Grünen, CDU, Linke, SPD und FDP vereinbart, Dynamo doch noch die Million zu geben.

Deshalb kündigte Lames im Januar an, die im November abgelehnte Vorlage erneut in den Stadtrat einzubringen, wenn der Haushalt von der Landesdirektion genehmigt wurde. Das ist mittlerweile erfolgt. Nun steht die Vorlage zur Dynamo-Million erneut auf der Tagesordnung des Sportausschusses.

Doch bereits im Vorfeld der erneuten Debatte bahnt sich ein Streit ums Geld an. "Wir haben ja nicht aus Jux und Dollerei im November beschlossen, das Geld nicht an Dynamo zu geben", sagt Grünen-Stadtrat Torsten Schulze. "Es müssen auch mal andere Sportstätten saniert werden."

Dass Finanzbürgermeister Lames als erste Vorlage nach der Genehmigung des Haushaltes dieses Thema auf die Tagesordnung setzt, ist laut Schulze "sehr unsensibel". "Die anderen Sportstätten haben unter der von Herrn Lames wegen der Coronakrise verhängten Haushaltssperre stark gelitten, Dynamo hat mit den Coronahilfen einen Ausgleich dafür bekommen, dass sie ohne Zuschauer spielen müssen und kann sich eine leicht erhöhte Miete eher leisten als andere Vereine."

Über die Million Euro für Dynamo Dresden jetzt zu entscheiden, sei "völlig unangebracht", meint Schulze. "Wir wissen ja auch nicht, ob Herr Lames vor der Sommerpause erneut eine Haushaltssperre verhängt und wichtige Investitionen in andere Sportstätten warten müssen." Das Dynamo-Trainingszentrum sei in Betrieb.

Wie Schulze für die Grünen sagt auch CDU-Stadträtin Anke Wagner: "An meiner Haltung dazu hat sich nichts geändert." Die CDU hat die Zahlung im November mit abgelehnt, das wurde allerdings intern kontrovers diskutiert. Aber auch jetzt könnten andere Sportvereine das Geld besser gebrauchen.

FDP-Fraktionschef Holger Zastrow zeigt sich verwundert über die erneute Debatte. "Wir haben dazu eine Vereinbarung, ich gehe davon aus, dass sich die Fraktionen, die sich beim Haushalt geeinigt haben, auch daran halten."

Wenn ein Verein für unverschuldete Mehrkosten bei einem Bauprojekt alleine bezahlen müsse, sei das ein "Sündenfall, der geheilt werden muss", sagt Zastrow. "Sonst kann das irgendwann den DSC oder die Eislöwen genauso treffen." Zastrow beruft sich darauf, dass die Dynamo-Million eine zentrale Forderung der FDP im Haushaltskompromiss war.

"Herr Zastrow war doch der erste, der den Stein geworfen hat", kontert Schulze. Damit spielt er darauf an, dass Zastrow sich massiv gegen die Erhöhung der Parkgebühren gewehrt hat, obwohl auch dieser Punkt mit dem Haushalt von den fünf Fraktionen beschlossen wurde. "Deshalb sollte er vorsichtig sein, uns Wortbruch vorzuwerfen."

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Zastrow sagt, das könne man nicht vergleichen. Bei den Parkgebühren sei vereinbart worden, es solle eine Einigung zwischen allen gefunden werden. "Das wurde gar nicht versucht", so der FDP-Fraktionschef. Allerdings haben die Stadträte mit den Haushalt auch konkrete Mehreinnahmen durch die Parkgebühren beschlossen, die durch geringere Gebühren nicht erreicht werden könnten.

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