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Dresden: Bangen um Fernsehturm-Zukunft

Vor einem Jahr wurde die Wiedereröffnung des Turmes besiegelt. Doch 2020 wackelt das Projekt plötzlich erheblich.

Gern würden viele Dresdner diese Aussicht vom Fernsehturm wieder genießen.
Gern würden viele Dresdner diese Aussicht vom Fernsehturm wieder genießen. © René Meinig

Dresden. So schnell kann‘s gehen. Vor reichlich einem Jahr wurde die Vereinbarung zwischen Bund, Land und Freistaat unterzeichnet, sich mit insgesamt 26,5 Millionen Euro an der Finanzierung zur Wiedereröffnung des Dresdner Fernsehturmes zu beteiligen.

Öffentlichkeitswirksam wurde das zum 50. Geburtstag des Turmes in der Besucherplattform in 145 Metern Höhe erledigt. Die Freude war groß. Hoffnungen, bald wieder den Blick von der Aussichtplattform auf die Stadt genießen zu können, keimten bei vielen Dresdnern auf.

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Doch 2020 wurde zur Zäsur für die Zukunft des Wachwitzer Turmes. Die Euphorie wich angesichts zahlreicher Probleme, die mit der Wiederöffnung einhergehen. Wie sollen die bis zu 250.000 erwarteten Besucher pro Jahr den Turm am Stadtrand erreichen?

Und wie soll das gelingen, ohne dass die Gäste mit eigenem Auto anreisen? Nicht nur die Anwohner sahen angesichts der Lage des Turmes mitten im Landschaftsschutzgebiet und der schmalen Zufahrtsstraßen nur wenige Lösungen.

Zwei Varianten, um zum Turm zu kommen

Die Probleme traten auch im Verkehrskonzept zutage, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte und das im Sommer vorgestellt wurde. Beispielhaft, wie die Verwaltung es allen Interessierten über einen Livestream ermöglichte, der Vorstellung des Konzeptes folgen zu können.

Im Kulturpalast war das angesichts großer coronabedingter Abstände nur einem Teil möglich. Gut gelöst wurde anschließend auch die Bürgerbeteiligung, bei der Hinweise und Ideen online übermittelt werden konnten.

Immerhin 2.308 Einzelanregungen gab es, die vom Rathaus in einer 99-seitigen Tabelle zusammengefasst und ausgewertet wurden. Sie fanden den Weg teilweise ins Konzept, das nun mit zwei Varianten arbeitet.

Wesentlicher Unterschied darin ist, dass es bei Variante A einen Parkplatz direkt am Fuß des Fernsehturmes gibt, der nicht nur für Reisebusse, sondern auch für rund 50 Autos gedacht ist.

In Variante B gibt es neben dem Reisebusparkplatz auch eine Wendeschleife für den Linienbusverkehr. „Unsere Vorzugsvariante ist Nummer B, da diese darauf abzielt, keinen Individualverkehr zum Turm zu lassen, sondern ihn auf den Park&Ride-Platz an der Straßenbahn-Gleisschleife Rossendorfer Straße zu lenken und die Besucher von dort mit Bussen zum Fernsehturm zu bringen“, erklärte Stefan Szuggat, der Leiter des Stadtplanungsamtes.

Mit dem Zeitplan wird es kritisch

Doch der Zeitplan für die Wiederöffnung des Turmes gerät mittlerweile ins Wanken. Eigentlich soll der Fernsehturm 2025 für Gäste zugänglich sein. Laut Ausschreibung stehen die 26,5 Millionen Euro für Umbauarbeiten an der Kanzel, am Turmschaft und -fuß zu Verfügung.

Am Boden soll eine gastronomische Einrichtung mit rund 500 Quadratmetern Fläche neu gebaut werden, in der auch die Speisen für das Restaurant gekocht werden sollen, weil eine Küche oben aus Brandschutzgründen nicht möglich ist. Im ehemaligen Restaurant in der Höhe erhält der künftige Betreiber rund 480 Quadratmeter Fläche.

199 Personen könnten sich gleichzeitig auf dem Turm aufhalten und mit zwei Aufzügen hinauffahren. Diese müssen neu eingebaut werden, weil es derzeit nur einen langsamen Lastenaufzug gibt. Im Turmschaft muss zudem der Brandschutz erneuert werden.

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Doch bisher ist weder vom Eigentümer des Fernsehturmes, der Deutsche Funkturm GmbH, ein Betreiber gefunden, noch kann das Verkehrskonzept im Ganzen bis dahin umgesetzt werden, wie selbst der Leiter des Stadtplanungsamtes erklärte.

Für ihn ist es unrealistisch, dass bis 2025 die Straßenbahn-Gleisschleife vom Ullersdorfer Platz verlegt und dort der Park-Ride-Platz gebaut werden kann. Das nötige Planfeststellungsverfahren dauere Jahre. Deshalb schlägt die Stadt nun den Bau eines kleineren Parkplatzes an der Tennishalle Pappritz als Alternative vor.

Betreiber soll im Frühjahr präsentiert werden

Im Dresdner Stadtrat sorgten all diese Entwicklungen angesichts der coronabedingten Mehrausgaben für Zweifel, Geld für das Projekt Fernsehturm bereitzustellen. Im Oktober wurde die Entscheidung verschoben, erst vor wenigen Tagen wurde die Absichtserklärung beschlossen, mit der sich Bund, Land, Stadt und Deutsche Funkturm verpflichten, den Turm zu sanieren und bis 2025 wieder zu eröffnen.

Damit ist Geld für die Planung bereitgestellt. Allerdings hat der Freistaat Sachsen sein Engagement für den Turm zunächst gedrosselt. Zwar flossen rund 500.000 Euro für die Betreibersuche und es ist auch Geld für die Planungen da, aber Weiteres ist im nächsten Doppelhaushalt nicht vorgesehen.

Somit bleibt das Projekt Fernsehturm weiter spannend. Optimisten bleiben die Mitglieder des Fernsehturm-Vereins, die sich seit vielen Jahren für die Wiedereröffnung engagieren und auch die Idee einer Seilbahn zum Turm immer wieder ins Spiel bringen.

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Die nächste Etappe steht im Frühjahr 2021 an, wenn die Funkturm GmbH einen Betreiber präsentieren will. Die Dresdner sind gespannt auf seine Pläne mit dem Turm.

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