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Zu alt für einen Dumme-Jungen-Streich

Ein 27-jähriger Dresdner sprengte ein großes Loch in einen Supermarkt - offenbar aus purer Freude am Knall. Die Inspiration fand er in einem Instagram-Video.

Ein 27-Jähriger wurde am Amtsgericht Dresden verurteilt, weil er ein großes Loch in einen Supermarkt gesprengt hat.
Ein 27-Jähriger wurde am Amtsgericht Dresden verurteilt, weil er ein großes Loch in einen Supermarkt gesprengt hat. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Wegen eines Bandscheibenvorfalls hat ein 27-jähriger Gebäudereiniger aus Dresden seinen Job aufgeben müssen. Die schmerzhafte Sache ist etwa eineinhalb Jahre her und liegt zeitlich nahe an einer ungewöhnlichen Tat, wegen der er am Montag vor dem Amtsgericht Dresden stand.

Laut Anklage hat er in der Nacht zum 31. August 2019 Pyrotechnik der „Kategorie 4“ in die Luft gejagt und erheblichen Schaden verursacht. Der Mann soll kurz vor Mitternacht den Sprengstoff an einem Regenwasserrohr des Rewe-Marktes in der Pirnaer Landstraße angebracht haben. Um 23.58 Uhr erschütterte eine lautstarke Detonation das Viertel. In der Außenwand des Supermarktes klaffte ein eineinhalb Quadratmeter großes Loch. Ein Metallsplitter durchschlug die Wellblech-Fassade der 66. Oberschule nebenan.

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Der Angeklagte habe keine Erlaubnis für den Umgang mit diesem pyrotechnischen Erzeugnis, das 100 Gramm Sprengstoff enthielt, gehabt. Es entstanden rund 7.000 Euro Schaden am Rewe-Mauerwerk und der Schule. Der Angeklagte habe diese Schäden zumindest billigend in Kauf genommen. Ihm wurde daher Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen.

Abgabe nur an Sprengmeister erlaubt

Nach dem Gutachten der Spezialisten für "unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen" (USBV) des Landeskriminalamtes Sachsen handelte es sich zwar um in Deutschland erlaubte Pyrotechnik, doch die Abgabe sei nur an Menschen mit einer entsprechenden Erlaubnis gestattet, erklärte Richter Fiedler, der Vorsitzende des Schöffengerichts. Der Angeklagte sei jedoch kein solcher Sprengmeister gewesen.

Die Ermittler kamen anhand von DNA-Spuren, die sie auf Resten des Feuerwerkskörpers sicherstellen konnten, auf die Spur des 27-Jährigen aus Laubegast. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung stellte die Polizei im September 2020 neben einem Elektroschocker eine ganze Reihe weiterer Feuerwerkskörper und Raketen sicher. Bei einem Brand in der Wohnung des Angeklagten hätte der Sprengstoff ausgereicht, das ganze Haus in die Luft zu jagen, sagte Fiedler.

Auf Anregung des Verteidigers traf das Gericht mit den Beteiligten hinter verschlossenen Türen eine Verfahrensabsprache, die dem Angeklagten im Falle eines Geständnisses eine Bewährung sicherte. Der Mann war zwar in seiner Jugend erheblich auf- und straffällig, seit acht Jahren jedoch sei nichts mehr vorgefallen, weshalb auch das Vorstrafenregister des Mannes sauber war.

Sprengstoff von einem Instagram-Kontakt?

Der 27-Jährige entschuldigte sich und räumte den Vorwurf ein. Er habe etwa einen Monat vor der Tat auf Instagram ein Video gesehen, das die Detonation einer Kugelbombe zeigte. Das habe ihm so sehr gefallen, dass er dem Instagram-Kontakt geschrieben habe. Es sei ein Mann aus dem Kreis Bautzen gewesen. An dessen Namen könne er sich nicht erinnern, auch an Kontaktdaten nicht. Von ihm habe er allerlei Pyrotechnik erworben.

Etwa vier Wochen vor der Tat hätten sich die Männer am Kaufpark Nickern getroffen. Der Unbekannte habe den ganzen Kofferraum seines Komi, "ein VW oder ein Skoda", voll gehabt. Dort habe er sich einiges ausgesucht, so der Angeklagte. Nachdem er die Bombe gezündet habe, sei er selbst von dem "viehischen Knall so geschockt" gewesen, dass er das Weite gesucht habe.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Auflage müsse er nun selbstverständlich auch den Schaden regulieren, sagte Fiedler. Es habe sich erwiesen, dass der 27-Jährige mit der Tat keinerlei extremistischen oder politischen Ziele verfolgt habe. Der Richter sprach von einem "Dumme-Jungen-Streich", für den der Angeklagte jedoch schon reichlich alt sei.

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