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Fake-Anzeige geht nach hinten los

Ein 38-Jähriger Dresdner reagierte etwas ungewöhnlich, als er eine Mahnung erhielt. Er zeigte die Firma wegen Betruges an. Das brachte jedoch ihn vor Gericht.

Ein Angeklagter hat eine Kreditkarte bestellt - als es jedoch ans Bezahlen ging, zeigte er die Firma an. In seinem Prozess behauptete er nun, er habe die Karte nie erhalten.
Ein Angeklagter hat eine Kreditkarte bestellt - als es jedoch ans Bezahlen ging, zeigte er die Firma an. In seinem Prozess behauptete er nun, er habe die Karte nie erhalten. © Boris Roessler/dpa (Symbolfoto)

Dresden. Ende 2018 bestellte sich ein 38-jähriger Dresdner eine neue Kreditkarte. Als es aber ans Bezahlen ging, änderte der Mann seine Pläne überraschend. Auf die Mahnung der Kreditkarten-Firma reagierte er mit einer Online-Anzeige wegen Betruges bei der Polizei. Am Mittwoch stand der gelernte Maler wegen Vortäuschens einer Straftat vor dem Amtsgericht Dresden.

„Ich habe nie ‘ne Kreditkarte bekommen“, schimpfte der Angeklagte los, nachdem ihm die Richterin das Wort gegeben hatte. Weder sei die Zahlungskarte im Briefkasten gewesen, noch eine Postkarte mit der Bitte, sich die Ware bei der Post abzuholen.

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Ja, er könne ja nicht einmal sagen, ob er sich überhaupt eine Kreditkarte bestellt habe. Das einzige, was gekommen sei, waren Mahnungen. Knapp 100 Euro hatte der Mann zahlen sollen. „Die zu zahlen, hab' ich nicht eingesehen.“

Keine gute Idee

Also Anzeige? Keine gute Idee. Polizeibeamtin Nadine M., sie bearbeitete die Online-Anzeige Anfang 2019, hatte nicht viel zu tun. Sie habe die Bestell-Unterlagen von der Finanz-Firma angefordert, die Mail- und die Lieferadresse des Kunden kannte die Ermittlerin schon – es waren dieselben, die der 38-Jährige auch bei seiner Anzeige angegeben hatte.

Als die Beamtin den Anzeige-Erstatter dann zur Vernehmung vor sich sitzen hatte, habe der keine Angaben mehr gemacht. Schon da dämmerte es der Ermittlerin, dass an der Anzeige etwas faul sein könnte.

Vom Aufwand, den die Polizei mit dieser Fake-Anzeige hatte, einmal abgesehen, ist kein Schaden entstanden. Das wertete die Richterin zugunsten des Angeklagten, auch wenn sich nicht mehr klären lässt, was aus der Kreditkarte geworden ist. Gegen ihn sprach sein  Vorstrafenregister mit zehn Einträgen, darunter etwa eine Verurteilung wegen Computerbetruges in Dutzenden Fällen und Urkundenfälschung 2011.

Bewährungsbruch

Zuletzt wurde der Mann 2015 unter anderem wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden war. Das heißt, dass der 38-Jährige einen Bewährungsbruch begangen hatte, als er kurz vor Weihnachten 2018 die Anzeige erstattet hatte.

Doch der vierfache Vater hatte Glück. Sowohl die Staatsanwältin als auch die Richterin werteten das Vergehen des Bewährungsbrechers nicht so erheblich, um ihn dafür ins Gefängnis zu schicken. Das Gericht verurteilte den Maler wie gefordert zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro.

Die Richterin sei überzeugt, dass es keine Straftat gegeben hatte. Immerhin habe der Angeklagte am Ende eingeräumt, dass er die Kreditkarte tatsächlich bestellt habe. Der Betrugsvorwurf sei geschwindelt gewesen. "Die Polizei hat andere Aufgaben, als solchen Anzeigen nachzugehen", sagte die Richterin. Der Angeklagte, der ohne Verteidiger gekommen war, überlegt nun, das Urteil anzufechten. 

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