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Altenpflegerin in Dresden verurteilt

Wegen Überforderung in ihrem Job soll eine 53-jährige Dresdnerin Patienten eingeschlossen haben. Sie stand nun wegen Freiheitsberaubung vor Gericht.

Unter Pflegedruck? Zweimal soll eine überforderte Altenpflegerin in Dresden Patienten eingeschlossen haben. Das Urteil des Amtsgerichts Dresden akzeptierte sie nicht.
Unter Pflegedruck? Zweimal soll eine überforderte Altenpflegerin in Dresden Patienten eingeschlossen haben. Das Urteil des Amtsgerichts Dresden akzeptierte sie nicht. © dpa

Dresden. Eine 53-jährige Altenpflegerin ist nach zwei Verhandlungstagen am Amtsgericht Dresden wegen Freiheitsberaubung in zwei Fällen verurteilt worden. Sie muss eine Geldstrafe von 750 Euro zahlen. Das Gericht war überzeugt, dass die Angeklagte, die in einem Dresdner Pflegeheim gearbeitet hatte, mit ihren Aufgaben überfordert gewesen ist und zweimal Patienten eingeschlossen hat.

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Die 53-Jährige hatte zunächst wegen Freiheitsberaubung in sogar drei Fällen eine Geldstrafe per Strafbefehl erhalten. Danach habe sie einen schwer demenzkranken Mann im Mai 2019 morgens in einem Aufenthaltsraum eingeschlossen. Auch an zwei weiteren Tagen im Juni 2019 habe sie mehrere Patienten in ihrem Zimmer eingeschlossen. Weil die Angeklagte das Urteil nicht akzeptierte, befasste sich das Gericht in einer Hauptverhandlung mit den Vorwürfen.

Die Verteidigerin der Angeklagten erklärte, dass ihre Mandantin im ersten Fall den Mann nur sehr kurz eingeschlossen habe. Der Patient sei erst seit Kurzem auf der Station gewesen und habe immer wieder bei der morgendlichen Pflege gestört, indem er unvermittelt in fremde Patientenzimmer gekommen sei. Die Angeklagte habe den Mann nur sehr kurz in dem Aufenthaltsraum eingeschlossen, ihr Ziel sei es gewesen, andere Patienten vor ihm zu schützen. Sie habe sich nicht anders zu helfen gewusst, habe kaum Hilfe bekommen und sei überfordert gewesen.

Tests mit verriegelter Tür

Zu den beiden weiteren Vorwürfen machte die Angeklagte keine Angaben mehr. Allerdings bestritt sie die Vorwürfe mit der Begründung, es sei aus Sicherheitsgründen gar nicht möglich, Patienten in ihren Zimmern einzusperren. Man könne die verriegelte Tür von innen jederzeit öffnen.

Da die Staatsanwaltschaft einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage, wie es die Richterin vorgeschlagen hatte, nicht zustimmte – der Grund war die fehlende Einsicht der Angeklagten und ihrer Verteidigerin – war der zweite Verhandlungstag mit weiteren Zeugen notwendig.

Mitarbeiter der Einrichtung hatten sogar Tests mit ihren Bewohnern gemacht und festgestellt, dass sie nicht in der Lage waren, ihre verriegelten Zimmertüren selbstständig zu öffnen. Die Angeklagte habe ihre Aufgabe in der Regel zwar vernünftig erledigt, aber auch nur das, was sie musste, sagten Zeugen.

Die Richterin kam zu dem Ergebnis, dass die Angeklagte eine falsche Strategie gewählt hatte und verurteilte sie wegen Freiheitsberaubung in zwei Fällen. Die Angeklagte hatte nur den ersten Vorwurf eingeräumt, wenn auch nicht in der Schwere, wie es die Zeugen berichtet hatten.

Die 53-Jährige akzeptierte das Urteil nicht. Ihre Verteidigerin hatte in ihrem Plädoyer von einem Verschulden der Pflegeeinrichtung gesprochen, schon wegen der personellen Unterbesetzung. Nun könnte der Fall vor dem Landgericht in einem Berufungsverfahren neu aufgerollt werden. Die Frau arbeitet inzwischen in einer anderen Dresdner Einrichtung. Sie war nach den Taten entlassen worden.

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