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Gelebter Drehtüreffekt

Ein 36-jähriger Dresdner steht schon zum dritten Mal in diesem Jahr vor Gericht. Es kann eigentlich nur noch besser werden.

Ein 36-Jähriger stand nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr vor dem Amtsgericht Dresden - und könnte es auch noch bis ans Landgericht schaffen. Der Mann hofft auf eine Drogentherapie.
Ein 36-Jähriger stand nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr vor dem Amtsgericht Dresden - und könnte es auch noch bis ans Landgericht schaffen. Der Mann hofft auf eine Drogentherapie. © René Meinig

Dresden. Erst vor zwei Monaten wurde Andreas D. am Amtsgericht Dresden verurteilt, nun saß er dort wieder als Angeklagter. Die Staatsanwaltschaft hat drei weitere Einbrüche angeklagt, die der 36-jährige Dresdner im vergangenen Jahr begangen hatte, um seine Drogensucht zu finanzieren. Der Mann interpretiert den sogenannten Drehtüreffekt wie kaum ein anderer: Frisch aus dem Gefängnis entlassen, begeht er neue Straftaten und wandert bald wieder ein.

Seit 20 Jahren ist Andreas D. abhängig, hat weder Beruf noch Job, war immer gezwungen, seine Sucht zu stillen. Es begann mit Cannabis, als D. noch die Förderschule besuchte. Mit 18 konsumierte er Heroin. Eine Therapie hat er geschmissen, weil sie ihm zu lange dauerte im Vergleich zu der Freiheitsstrafe, die er stattdessen abzusitzen hatte. Dass sich das rächen sollte und er für neue Taten schnell wieder verurteilt würde, habe ihr Mandant damals noch nicht begriffen, erklärt Verteidigerin Uta Modschiedler.

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Vorstrafenregister überholt

Schon als Jugendlicher hatte D. Bekanntschaft mit mehrjährigen Aufenthalten hinter Gittern und auf Staatskosten gemacht. Inzwischen ist sein amtliches Vorstrafenregister auf stattliche 15 Einträge angewachsen. Doch das ist längst überholt. Auch die Justiz hat Mühe, den Überblick zu behalten.

2017 wurde der Angeklagte zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt, die er bis März 2020 abgesessen hat. Dann begannen die neuen Straftaten, die es noch nicht ins Register geschafft haben. Für einen Ladendiebstahl bei Kaufland, wo er sich im September 2020 Lebensmittel für 80 Euro eingesteckt hatte, erhielt er im Februar drei Monate Haft. Natürlich ohne Bewährung.

Für fünf Einbrüche und Diebstähle zwischen Juni und November 2020 wurde Andreas D. erst vor zwei Monaten zu einer weiteren Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Und jetzt im Juli wurden ihm drei weitere Einbrüche vorgeworfen: Im Juni 2020 stahl er zwei Geldbörsen von Bauarbeitern und ein Klappmesser aus einem Baucontainer am Prohliser Schwimmbad, im Oktober stahl er unter anderem einen Laptop aus dem Restaurant an der Seidnitzer Galopprennbahn und schließlich einen ganzen Tresor mit mehr als 2.000 Euro Bargeld aus der Sächsischen Landesbibliothek. Dafür wurde Andreas D. nun zu einer weiteren Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt.

Späte Einsicht in eine Therapie?

Nicht alle Verurteilungen sind rechtskräftig und so ist nun auch das Landgericht mit Andreas D.s aktuellen Taten befasst. Dort muss dann aus den drei erstinstanzlichen Urteilen dieses Jahres eine einzige, neue Gesamtfreiheitsstrafe gebildet werden, das Urteil dürfte im Bereich von vier Jahren liegen. Es könnte D.s vierter Prozess im laufenden Jahr werden.

Und nun zu dem eher hoffnungsvollen Teil der Geschichte von Andreas D. Er hofft, dass er diese Strafe nur zum Teil verbüßen muss und er stattdessen eine stationäre Drogentherapie absolvieren kann. Verteidigerin Uta Modschiedler hatte in D.s jüngsten Prozessen mehrfach betont, dass die Einsicht ihres Mandanten inzwischen so weit gereift sei, dass er mit seinem alten Leben ernsthaft abschließen will: „Er weiß, ohne Therapie geht das nicht“, sagte die Anwältin.

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