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Naziparolen in Dresdner Kaserne strafbar

Nach einem Freispruch für einen rechtsextremen Eklat in der Offizierschule musste nun ein 24-Jähriger erneut vor Gericht antanzen.

In einem Berufungsprozess kippte das Landgericht Dresden den Freispruch eines ehemaligen Soldaten. Braune Parolen in einer Kaserne können doch strafbar sein. Dennoch wurde der Angeklagte nicht verurteilt.
In einem Berufungsprozess kippte das Landgericht Dresden den Freispruch eines ehemaligen Soldaten. Braune Parolen in einer Kaserne können doch strafbar sein. Dennoch wurde der Angeklagte nicht verurteilt. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Wenn die Auswüchse der Abschlussfeier einen Rückschluss auf die Schwere der Prüfungen zulässt, muss der Lehrgang auf der Offizierschule des Heeres (OSH) ganz schön heftig gewesen sein. Die Folgen der Feier jedoch beendeten einige Offizierskarrieren noch vor ihrem Beginn. So die eines 24-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen, der nun zum zweiten Mal vor Gericht stand. Es ging, heikel-heikel, um das Verwenden von Nazi-Symbolen in der traditionsreichen Dresdner Schule für alles rund ums Kriegshandwerk.

Die bis zu 20 Soldaten, darunter zwei Frauen, feierten ihre Prüfung in einem Gemeinschaftsraum im Kasernendachgeschoss. Kameraden sollen ein Ritual aus Niedersachsen mitgebracht haben, dem sie zu vorgerückter Stunde neues Leben eingehauchten. Unter dem Befehl vom „Hosenzwang befreit“ zu sein, ließen die angeschickerten Obergefreiten ihre Beinkleider fallen, auch die Damen. Man intonierte die Nationalhymne einschließlich der umstrittenen ersten Strophe, tanzte im Schlüpfer auf den Tischen und grölte gemeinsam „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“.

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Am nächsten Morgen machten zwei Soldaten Meldung. Die Nazi-Exzesse hatten sie nicht mehr losgelassen. Einer war dabei gewesen, der andere sei zweimal aus dem Schlaf gerissen worden. Die Folgen waren erheblich, denn die OSH ging der Sache konsequent nach. Mehrere Soldaten wurden aus der Bundeswehr entlassen. Doch einzig der 24-Jährige stand aufgrund der klaren Beweislage auch vor Gericht.

Am Amtsgericht wurde der Ex-Soldat überraschend freigesprochen. Zwar habe der Mann die Tat begangen, so der Richter, es fehle jedoch an der für den Tatbestand notwendigen Öffentlichkeit. Die Feier habe in der Kaserne stattgefunden.

„Wie geil!“ – „Sieg Heil!“?

Aufgrund der Berufung der Staatsanwaltschaft landete der Fall nun vor dem Landgericht Dresden, wo der Freispruch aufgehoben wurde. Da andere in der Kaserne das Gegröle gehört hatten, könne man nicht mehr von einem nicht-öffentlichen Vorfall sprechen. Das sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Scheuring und verwies auf einschlägige Urteile.

Der Angeklagte gab zu, er habe sich zu dem „Sieg Heil“ hinreißen lassen, wobei er zunächst „Wie geil“ gerufen habe. Grund dafür sei die Erleichterung nach der Prüfung gewesen. Leichtsinn, Gruppendynamik, Ausgelassenheit sagte auch Verteidiger Andreas Gumprich.

Auch das Landgericht verurteilte den Angeklagten nicht, sondern stellte das Verfahren gegen eine Geldauflage vorläufig ein. Der nicht vorbestrafte Mann, dessen Lebenstraum eine Offizierslaufbahn gewesen war, sei durch die Folgen gestraft genug. Er stürzte nach dem Rauswurf in eine Lebenskrise. Heute macht der Angeklagte eine Banklehre.

Die Auflage von 1.000 Euro entspricht einem Monatsgehalt. Es ist für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bestimmt, der etwa das Grab von Robert Hartert in Wilsdruff pflegt. Der 25-jährige Sachse starb mit zwei weiteren Kameraden am Karfreitag, 2. April 2010, in Kundus/Afghanistan. Die drei sind die ersten deutschen Gefallenen nach 1945.

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