merken
PLUS Dresden

Schläge und wüste Drohungen

Nach der Trennung von seiner Partnerin landet ein 29-Jähriger auf der Straße. Gestohlen hatte er schon vorher, nun soll er wiederholt geprügelt haben.

Ein Angeklagter hat hinter den Gefängnismauern mit seinen Alias-Namen für Verwirrung gesorgt. Doch an seinem Prozess am Landgericht Dresden änderte das nichts.
Ein Angeklagter hat hinter den Gefängnismauern mit seinen Alias-Namen für Verwirrung gesorgt. Doch an seinem Prozess am Landgericht Dresden änderte das nichts. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Auf Raub im besonders schweren Fall stehen mindestens fünf Jahre Haft, jedenfalls wenn sich keine Gründe finden, die Tat als einen sogenannten minder schweren Fall darzustellen. Um nicht weniger als das geht es jetzt für einen 29-jährigen Angeklagten, der schon seit einigen Monaten in Untersuchungshaft sitzt, sozusagen in der Eingewöhnungsphase.

Dabei wäre es fast zu einem Malheur gekommen, denn im Dresdner Gefängnis war der Insasse offenbar unter einem Alias-Namen gelistet, sodass „der Echte“ seine Ladung zum Prozess nicht erhalten hatte. Immerhin war der Nordafrikaner am Mittwoch noch in Haft, denn da hat sein Prozess am Landgericht Dresden begonnen.

Anzeige
Reiseapotheke? Diese Produkte sind Pflicht!
Reiseapotheke? Diese Produkte sind Pflicht!

Wer jetzt endlich wieder wandern oder verreisen will, sollte einige Produkte mitnehmen, um seinen Urlaub jederzeit genießen zu können.

Die Staatsanwältin zählte einen ganzen Strauß an Straftaten auf, die sie dem Angeklagten vorwirft: Im März 2020 soll er seine ehemalige Lebensgefährtin in der ehemals gemeinsamen Wohnung angegriffen und ihr den Wohnungsschlüssel gestohlen haben. Im Mai habe er sie morgens auf dem Weg zur Arbeit abgepasst und ihr ins Gesicht geschlagen.

Auch mit anderen Ausländern hatte er Auseinandersetzungen, einmal habe er zugeschlagen, einmal seinen Gegner mit Pfefferspray verletzt. Weil er bei Lidl im Hauptbahnhof ohne Schutzmaske erwischt wurde, habe er den Detektiv bedroht: „Wir kennen uns. Dieses Mal vergebe ich dir, das nächste Mal bring' ich dich um!“ Im September schließlich soll er nachts gemeinsam mit Komplizen einem Mann am Albertplatz das Handy geraubt haben. A. habe ihm ein Messer an den Hals gehalten.

Mit 19 unterwegs in Europa

Aissa A. gibt sich mal als Tunesier und mal als Algerier aus. Mit 19 verließ er seine Heimat, suchte in Europa ein besseres Leben, wie er sagt. Er war einige Monate in Italien und fünf Jahre in Frankreich, ehe er 2018 nach Deutschland kam. Sein Asylantrag wurde vor einem Jahr abgelehnt. Justizbekannt ist er bereits als mehrfacher Ladendieb. Unter seinem falschen Namen wurde er offenbar auch schon einmal verurteilt.

Zunächst machte A. keine Angaben zu den Vorwürfen, dann erklärte sein Verteidiger Peter Hollstein, dass A. nach einer etwa einjährigen Beziehung von seiner Partnerin ohne Nennung von Gründen Anfang 2020 vor die Tür gesetzt worden sei. Seitdem habe er auf der Straße gelebt – und nicht etwa in einer Asylunterkunft in Riesa, wo er einen Platz hatte. Zum Monatsende jedoch, so der Angeklagte, habe er sich dort sein Geld abgeholt, 320 Euro. Sein Mandant könne zu den meisten Vorwürfen, vor allem zu dem Raub, nichts sagen, da er sich nicht erinnere, so Hollstein.

Als erste Zeugin vernahm das Gericht die 27-jährige Exfreundin. Sie berichtete, dass sie ihn Anfang 2019 in einer Dresdner Asyleinrichtung kennengelernt hatte, wo sie gearbeitet hatte. Er habe bei ihr gewohnt, doch dann habe sie die Beziehung beendet. Es sei zu anstrengend geworden mit ihm. Sie habe ihm das auch wieder und wieder erklärt. Sie schilderte die Übergriffe, wie sie angeklagt waren. Eines Tages im September habe sie die gestohlenen Schlüssel überraschend in ihrem Briefkasten gefunden.

Das Gericht hat noch drei weitere Prozesstage bis zum 18. Juni terminiert.

Mehr zum Thema Dresden