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Dresden: Erinnerungen zum 13. Februar gesucht

Sie taucht auf und verschwindet wieder - für ein Kunstprojekt zum Gedenktag wollen die Künstler von den Dresdnern wissen, was sie bewegt.

Juliane Hanka (v.l.) von Societätstheater und die Künstler Marek Pisarsky und Anne Peschken zeigen die Wanderboje auf dem Jorge Gomondai Platz.
Juliane Hanka (v.l.) von Societätstheater und die Künstler Marek Pisarsky und Anne Peschken zeigen die Wanderboje auf dem Jorge Gomondai Platz. © René Meinig

Dresden. In diesem Jahr ist auch was den 13. Februar betrifft alles anders. Das Gedenken an den 76. Jahrestag der Bombardierung findet vor allem virtuell statt.

Aber es gibt Aktionen, bei denen sich die Dresdner einbringen können. Für ein besonderes Kunstprojekt werden noch Geschichten und Orte gesucht. Wie Sie sich beim Gedenken einbringen können.

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Boje erinnert an Dresdner Neonazi-Hetzjagd

"1. Todesopfer rassistischer Gewalt", steht auf einem LED-Bildschirm. Das eiförmige Objekt, an dem dieser angebracht ist, ist eine Boje - genauer eine Wanderboje. An diesem Montag erinnert es an Jorge Gomondai. Der Mosambikaner wurde in der Nacht zu Ostermontag 1991 in Dresden von Rechtsextremen zu Tode gehetzt. Er war das erste Todesopfer eines rassistischen Überfalls in Dresden nach der Wiedervereinigung.

Die Wanderboje ist ein Projekt des Künstlerduos "Peschken & Pisarsky - Urban Art". Dahinter stecken die Berliner und polnischen Künstler Anne Peschken und Marek Pisarsky. Sie ziehen seit einigen Jahren mit ihrer Boje durch die Welt. Nun sind sie zum ersten Mal in Dresden und bleiben bis zum 13. Februar.

Engagiert wurden sie von einer Initiative mehrerer Kulturinstitutionen: "Weltoffenes Dresden (WOD)". Sie beteiligt sich seit Jahren am Gedenken rund um den 13. Februar und setzt sich vor allem dafür ein, dass Neonazis das Datum nicht für ihre Zwecke missbrauchen.

"Denkmäler werden schnell vergessen"

"Eine Boje ist vor allem ein Markierungswerkzeug", erklärt Pisarsky. Poetisch gesehen, gehe es darum, die Untiefen der Geschichte zu markieren. Diese seien auch in Dresden besonders ausgeprägt. Feststehende Denkmäler würden schnell vergessen, so Peschken. "Die Boje taucht auf, sorgt für Aufmerksamkeit und taucht irgendwann wieder ab." Das sei die Idee, die dahinter stecke.

Insgesamt kann die LED-Wand bis zu 30.000 Zeichen anzeigen. Es gehe aber um kurze Botschaften, die neugierig machen, damit die Leute mit den Künstlern oder den Mitarbeitern des Societätstheaters Dresden ins Gespräch kommen.

Aktuell werde noch nicht verraten, wann die Boje wo genau auftaucht. Die Künstler haben zwar einen Fahrplan, wann sie wo seien wollen. "Aber wir sind die ganze Woche über offen für Erinnerungen", erklärt Peschken.

Dresdner, die Erinnerungen im Zusammenhang mit dem 13. Februar haben, können sich bei den Künstlern melden. Diese könnten von 1945 bis heute reichen, sagen die Künstler. Wer eine interessante Geschichte hat, kann diese per Mail, via Twitter unter "#wanderboje" oder SMS an die Künstler schicken.

Das Duo könne schnell an jedem Ort in Dresden sein, der mit der Geschichte in Zusammenhang steht und dort die Boje aufstellen. Denn diese steht auf einem ganz normalen und zugelassener Anhänger, der schnell umgesetzt werden kann.

Schon gut 100 Bilder von Dresdnern an die Stadt

"WOD" hat neben der Boje auch eine Plakatkunstaktion, die sich bis zum Sonnabend durch Dresden ziehen wird. Zu der Vereinigung gehören beispielsweise das Staatsschauspiel, die Operette, das Hygienemuseum, aber auch die Landesbühnen in Radebeul.

Auch die Stadt Dresden veranstaltet ihr offizielles Gedenken in diesem Jahr vorwiegend virtuell. So ruft Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zur Teilnahme an einer Menschenkette in völlig anderer Form auf. Das Motto lautet: „Wir reichen uns die Hände und bleiben trotzdem zu Hause.“ Die Menschenkette wird nur als Fassadenprojektion in der Altstadt sichtbar.

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Bis zu diesem Mittwoch kann jeder ein Foto von sich im Hochformat mit den Armen links und rechts vom Körper bei der Stadt hochladen. Gut 100 Dresdner haben sich bereits daran beteiligt. Die Bilder werden dann am 13. Februar an die Fassaden von Synagoge, Frauenkirche, Kreuzkirche, Rathaus, Schauspielhaus und Staatskanzlei projiziert.

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