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Lampen-Kunst für Pirnaischen Platz in Dresden

Die Kunstkommission hat einen Sieger im Wettbewerb für den Promenadenring Ost gekürt. Wie der Entwurf "Standbein – Spielbein" das Preisgericht überzeugte.

Das ist der Siegerentwurf vom Künstlerkollektiv "Inges Idee".
Das ist der Siegerentwurf vom Künstlerkollektiv "Inges Idee". © Inges Idee

Dresden. Moderne Kunst im öffentlichen Raum hat es in Dresden nicht leicht. Bestes Beispiel waren im Frühjahr 2017 die hochkant gestellten Busse auf den Neumarkt. Über die Installation "Monument" des syrisch-deutschen Künstlers Manaf Halbouni wurde noch Monate später in der Stadt kontrovers diskutiert. Auch mit der Skulptur "Denkmal für den permanenten Neuanfang" des Hamburger Künstlerduos Heike Mutter und Ulrich Genth, die ebenfalls 2017 auf dem Neumarkt zu sehen war, konnten die Dresdner wenig anfangen. Einige bezeichneten die Collage auf einer Hebebühne gar als "Schrott".

Dabei war letztgenanntes Beispiel ein Projekt, das von der Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum initiiert und gefördert wurde. Sie hatte auch 2020 wieder einen Wettbewerb ausgeschrieben, um die Stadt mit zeitgenössischer Kunst zu bereichern. Diesmal soll der Pirnaische Platz Standort der künstlerischen Arbeit sein.

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International bekannte Künstlergruppe

Im Wettbewerb hat sich der Entwurf "Standbein – Spielbein" der Künstlergruppe "Inges Idee" gegen sechs weitere Bewerber durchgesetzt. Die vier Berliner Künstler Hans Hemmert, Axel Lieber, Thomas A. Schmidt und Georg Zey, die das Kollektiv bilden, arbeiten seit 1992 ausschließlich an Projekten im Bereich Kunst im öffentlichen Raum zusammen und sind international bekannt. Ihre Arbeiten stehen unter anderem in Kanada, Schweden, Südkorea und in mehreren deutschen Städten.

Hinter ihrem Entwurf verbergen sich, grob zusammengefasst, zwei Lampen in den Farben Rot und Grün, wovon eine schon steht. Sie ist den Künstlern als "Prototyp einer Ost-Straßenlaterne" sofort ins Auge gefallen, wie Georg Zey sagt. Sie wirke markant und reduziert und soll rot angestrichen werden. Als grünes Gegenüber erhält sie die Kopie eines Kandelabers von der Brühlschen Terrasse, der rund 16 Meter in die Höhe wächst. Beide Lampen wirken aus der Ferne wie ein Tor. Kein Zufall, denn am Pirnaischen Platz stand das historische Pirnaische Tor, ein Haupttor in den Dresdner Befestigungsanlagen. 1820 wurde es mit den Anlagen abgerissen. Mit den Ampel-Signalfarben der beiden Lampen soll außerdem der Charakter des Platzes als Verkehrsraum aufgegriffen werden.

Der Siegerentwurf wird im kommenden Jahr am Pirnaischen Platz direkt angrenzend an die Wilsdruffer Straße aufgestellt. Stolze 130.000 Euro stellt die Kunstkommission für die Umsetzung zur Verfügung, zudem wurden 30.000 Euro für die Planung und das Preisgeld ausgegeben. Zum Vergleich: Für das vorherige Projekt "Denkmal für den permanenten Neuanfang" wurden "nur" 60.000 Euro ausgegeben.

Wer sehen möchte, welche Arbeiten noch eingereicht wurden, kann alle Entwürfe des Wettbewerbes noch bis zum Sonntag, dem 18. Juli, im Festsaal des Stadtmuseums Dresden anschauen.

Licht in die Geschichte bringen

Warum hat sich Kommission gerade für diese Arbeit von "Inges Idee" entschieden? "Der künstlerische Entwurf 'Standbein – Spielbein' überzeugt das Preisgericht, weil es sich um ein in besonderem Maße gelungenes, sichtbares Zeichen im Stadtraum handelt", heißt es in der Begründung der Jury. Die künstlerische Sprache werde als eigenständig, stark und selbstbewusst wahrgenommen. Das Kunstwerk sei eine "dem Ort außerordentlich angemessene, skulptural ausgeprägte und konzeptuelle Setzung". Der klar definierte Standort nehme Bezug auf die beiden Hauptsichtachsen des Platzes.

Die Künstler selbst sehen den Pirnaischen Platz als einen Ort aus der Gründerzeit und der DDR-Ostmoderne, der die vielfältige Geschichte widerspiegele. Ihr Entwurf versuche, den urbanen Transitraum mit seiner "programmatischen Weite sozialistischer Verkehrsplanung" in einer Art "skulpturaler Akupunktur" zu aktivieren und in ein spannungsvolles Verhältnis von Geschichte und Gegenwart zu setzten.

Die alltägliche Wahrnehmung des von ständiger Bewegung geprägten Platzes soll durch die überdimensionalen Leuchten unerwartet unterbrochen werden. Der Entwurf sei mit dem Standbein fest in der vorgefundenen städtebaulichen Situation verankert, und bilde mit dem Spielbein augenzwinkernd ein neues, metaphorisches Stadttor, erklären sie den Namen des Kunstwerkes. Beide Akteure seien so, auch wörtlich in ihrer Funktion als Beleuchter, in der Lage, unterschiedlichste Aspekte des Ortes und seiner bewegten Geschichte ans "Licht" zu bringen.

Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) sagt, dass der Wettbewerb den Mut zu mehr zeitgenössischer Kunst und spannender Gestaltung im öffentlichen Stadtraum zeigt. "Mit Blick auf die Geschichte und die Gegenwart des Pirnaischen Platzes, seine städtebauliche Situation, seine Architektur und seine Funktion wollen wir Öffentlichkeit durch Kunst herstellen und wir hoffen sehr, dass der Siegerentwurf auch bei den Dresdnerinnen und Dresdnern auf Sympathie stößt."

Seit 1994 gibt es in Dresden eine Richtlinie für Kunst im öffentlichen Raum, deren Umsetzung in den Händen der Kunstkommission der Landeshauptstadt Dresden liegt. Ziel ist es, künstlerische Arbeiten an sozialen, städtebaulichen oder kulturgeschichtlichen Brennpunkten in der Stadt wirksam werden zu lassen.

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