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Leutewitzer Park: SPD will Wald erhalten

Auf einem Dresdner Waldstück sollen Wohnungen entstehen. Bürger wollen das verhindern. Der Investor sagt, die positive Wirkung des Waldes werde sogar verstärkt.

Eine Dresdner Bürgerinitiative will verhindern, dass ein Waldstück am Leutewitzer Park neuen Wohnhäusern weichen muss.
Eine Dresdner Bürgerinitiative will verhindern, dass ein Waldstück am Leutewitzer Park neuen Wohnhäusern weichen muss. © Sven Ellger

Dresden. "Hände weg vom Wald" - das fordert eine Dresdner Bürgerinitiative mit gut 100 Mitgliedern, die ein Waldstück am Leutewitzer Park retten will. Investor Uwe Köhn plant auf dem Areal einer ehemaligen Gärtnerei an der Ockerwitzer und Schaumberger Straße 48 Wohnungen in acht Mehrfamilienhäusern. Dafür muss ein Großteil der Bäume weichen, die dort in den vergangenen Jahren gewachsen sind. Im künftigen Flächennutzungsplan ist das Grundstück denn auch als Wald eingeordnet. Um das Projekt dennoch umsetzen zu können, soll nun ein Bebauungsplan aufgestellt werden - so hatte es der Bauausschuss im Juni 2019 beschlossen. Im September 2019 reichte daraufhin der Investor die entsprechenden Unterlagen und einen ersten Entwurf ein.

An diesem Mittwoch war die Vorlage zum Bebauungsplan Thema im Bauausschuss. Deshalb hatte die Bürgerinitiative in der vergangenen Woche erneut dagegen demonstriert. Dabei gehe es vor allem darum, das Waldstück für ein gutes Dresdner Klima zu erhalten. Anfang dieser Woche meldete sich daraufhin Investor Uwe Köhn zu Wort. "Selbstverständlich teilen auch wir die Einschätzung zur Bedeutung eines Waldes als Naherholungsgebiet, Lebensraum und vor allem natürlich für den Klimawandel", sagt er. Deshalb stelle die "kultivierte Neugestaltung eines Großteils der betroffenen Fläche einen zentralen Aspekt unseres geplanten Vorhabens dar". Damit werde die positive Wirkung des Waldes sogar noch verstärkt. Konkret soll ein 11.000 Quadratmeter großes Grundstück den Dresdnern als Erweiterung des Leutewitzer Parks zur Verfügung stehen. 

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"Sind bereit, das Angebot notariell beglaubigen zu lassen"

"Gemeinsam mit der Stadt Dresden und den Bürgern soll für diese bislang brachliegende Fläche ein Gestaltungskonzept entstehen", so Köhn. Bei dessen Umsetzung biete seine Familie der Stadt Dresden eine Unterstützung von 500.000 Euro an. Neben Spielplätzen und Begegnungsflächen seien auch Lehrpfade denkbar. "An dieser Stelle kann sich gern jeder mit Ideen und Anregungen am gemeinsamen Gestaltungskonzept beteiligen." Und Köhn bietet an: "Selbstverständlich sind wir gern bereit, dieses Angebot vor Beginn des Bebauungsplanverfahrens notariell beglaubigen zu lassen."

Der geplante Wohnpark soll auf einer rund 4.200 Quadratmeter großen Fläche entstehen, erklärt Köhn. Sie solle Dresdner Familien als dringend benötigte neue Heimat dienen, auch mit bezahlbaren Mieten. In den Mehrfamilienhäusern sind 30 Prozent soziale Mietwohnungen vorgesehen. Auch dazu soll es ein gemeinsames Gestaltungskonzept geben, "welches unter anderem die vorhandene Rotbuche als zentrales Element einbindet und großzügige Grünflächen als Ausgleichsbepflanzung für die notwendige Versiegelung vorsieht."

Die alte Rotbuche auf dem geplanten Baugrundstück muss erhalten bleiben. Sie soll das zentrale Element des neuen Wohnparks werden, verspricht Investor Uwe Köhn.
Die alte Rotbuche auf dem geplanten Baugrundstück muss erhalten bleiben. Sie soll das zentrale Element des neuen Wohnparks werden, verspricht Investor Uwe Köhn. © Archiv: Steffen Füssel

Das Engagement der Bürgerinitiativen sei bis zu einem gewissen Grad zwar durchaus nachvollziehbar, räumt der Investor ein. "Allerdings sollten wir uns ebenso bewusst sein, dass vor dem Interesse einzelner stets das Wohl der Gesamtheit der Dresdner Bürger im Vordergrund stehen sollte." Und Köhn stellt die Frage: "Was geschieht mit der rund 15.000 Quadratmeter großen und wild bewachsenen Brachfläche, sollte eine Umsetzung des dargestellten Vorhabens nicht genehmigt werden?" 

SPD unterstützt Bürgerinitiative

Doch auch im Bauausschuss gibt es zu Köhns Plänen kritische Stimmen. SPD-Stadtrat Stefan Engel lehnt das Vorhaben ab. Aus Sicht seiner Fraktion existierten im Dresdner Westen ausreichend andere Potenziale für die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum. 

"Für eine lebenswerte Stadt braucht es aber eben auch naturnahe Grünflächen." Am Leutewitzer Park habe sich in den letzten Jahrzehnten ein Wald entwickelt. "Warum dieser jetzt zum Teil verschwinden soll, leuchtet mir nicht ein", so Engel. 

Er befürchte eine Salami-Taktik, die nach und nach zu einem immer stärkeren Verlust an Grünflächen führt. "Warum beschließt der Stadtrat umfassende Planwerke, wenn sie beim einzelnen Bauvorhaben niemanden mehr interessieren", fragt Engel mit Blick auf den künftigen Flächennutzungsplan. Ob in Dresden ausreichend Wohnraum geschaffen wird, entscheide sich an anderen Stellen. 

Der Cottaer SPD-Stadtbezirksbeirat Henrik Ahlers bestätigt, dass die SPD das Anliegen der Bürgerinitiative unterstütze. Und er fordert: "Der Leutewitzer Park sollte bis zur jetzigen Bebauungsgrenze im Norden erweitert werden." Damit biete sich die Möglichkeit, dauerhaft eine Grünfläche für die umliegenden Stadtteile zu sichern. "Danach besteht im Dresdner Westen großer Bedarf.“

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