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Neuer Ärger um Dresdens Messe

Geschäftsführer Ulrich Finger baut die Messe Dresden um. Das sorgt für Wirbel, auch wegen "Altlasten". Was Finger damit erreichen will.

Dresdens Messe-Chef Ulrich Finger strukturiert um, deshalb gibt es einige Aufregung.
Dresdens Messe-Chef Ulrich Finger strukturiert um, deshalb gibt es einige Aufregung. © Sven Ellger

Dresden. Internen Ärger gibt es bei der Messe Dresden schon seit einigen Jahren. Mitarbeiter kritisieren den Führungsstil von Chef Ulrich Finger und auch Entscheidungen.

Nun hat Finger erneut umstrukturiert, das kostet offenbar weitere Arbeitsplätze und sorgt für Zoff. Deshalb gibt es auch Unmut im Aufsichtsrat. Finger gibt als Hauptgrund für seine Entscheidungen die Corona-Krise an.

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Messe-Geschäftsführer will Marketing auslagern

Vor zwei Jahren war es der IT-Bereich, den Finger ausgelagert und an den städtischen Eigenbetrieb IT vergeben hat. Zwei Mitarbeiter wurden entlassen, gingen mit einer Abfindung.

Jetzt ist das Marketing betroffen. In diesem Bereich arbeiten drei der insgesamt noch 37 Messe-Mitarbeiter. Zwei von ihnen werden versetzt, dazu soll es nach SZ-Informationen eine Kündigung gegeben haben und eine weitere betriebsbedingte Kündigung im Bereich Eigenmessen.

Finger hat sich nach und nach immer mehr Entscheidungen und Macht auf den Tisch gezogen. Mitarbeiter fürchten, das schade dem Unternehmen.

Zudem agiere Finger am Aufsichtsrat vorbei. Vorsitzende des Gremiums ist Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke), außerdem sitzen Stadträte im Aufsichtsrat. Die Gesellschafterversammlung ist Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), weil die Messe zu 100 Prozent der Stadt gehört. Äußern will sich auf SZ-Anfrage von ihnen niemand zu den Vorgängen bei der Messe Dresden.

Finger: "Erheblich von Corona-Einschränkungen betroffen"

"Als Teil der Veranstaltungswirtschaft ist die Messe Dresden erheblich von den Auswirkungen von Corona betroffen", so Finger auf SZ-Anfrage. "Da das Ereignis Corona sich mittlerweile zu einem ´nicht vorübergehenden Ereignis´ entwickelt hat, sind wir seit einigen Monaten intern in der Diskussion über das ´Wie weiter?´".

Das betreffe "alle Bereiche, von den Messen, die auch in den kommenden Jahren Bestand haben werden oder teilweise auch nicht, über verstärkte Akquisetätigkeiten im Bereich kleinerer Tagungen und Kongresse unter Einbeziehung und Entwicklung hybrider Formate bis zu strukturellen Veränderungen."

Von diesen Veränderungen sei auch die Abteilung Marketing betroffen. Ein Großteil werde ausgelagert. Finger hat die Leistungen an DDV Kreation vergeben. Wegen der Corona-Krise und den ausgefallenen Veranstaltungen wäre die Messe Dresden ohne weitere Zuschüsse von der Stadt im kommenden Frühjahr zahlungsunfähig.

Transparenzhinweis: DDV Kreation ist ein Unternehmen der DDV Mediengruppe, zu der auch Sächsische.de und die Sächsische Zeitung gehören.

Messechef verspricht keine weiteren Kündigungen

Durch die Auslagerung rechne Finger mit einer sechsstelligen Summe, die gespart werden könne, weil der Auftragnehmer "aufgrund der Größe und der Erfahrungen im Markt wesentlich flexibler und leistungsfähiger" sei das bisher eigene Marketing der Messe.

Die Auslagerung des IT-Bereichs spare mindestens 70.000 Euro pro Jahr. Nach SZ-Informationen trifft dies für das Jahr 2020 zu, davor gab es aber keine Einsparungen.

Die Messe-Mitarbeiter müssen laut Finger auch keine weiteren Auslagerungen und Kündigungen befürchten. "Derzeit sind keine weiteren strukturellen Veränderungen geplant."

Differenzen mit Mitarbeitern eskaliert

Im Aufsichtsrat gibt es Bedenken wegen der Entlassungen und auch, dass die angestrebten Einsparungen trotzdem nicht erreicht werden. "Es gibt konkrete Berechnungen, die vom Aufsichtsrat zur Kenntnis genommen wurden", so Finger.

Der Messe-Chef räumt auch ein, dass es Differenzen zwischen Mitarbeitern und ihm gibt. Diese waren 2018 zum ersten Mal eskaliert.

"Zur Verbesserung des Betriebsklimas wurde in den Jahren 2019 und 2020 mit einem nicht unerheblichen Kostenaufwand eine Mediation durchgeführt, in deren Ergebnis in zwei Abteilungen personelle und strukturelle Veränderungen umgesetzt wurden", so Finger.

"Keine Verbesserung des Betriebsklimas"

"Beide Abteilungen konnten damit die internen Arbeitsabläufe verbessern und damit effektiver auf den Markt reagieren. Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund zu der Aussage, dass die Mediation nicht erfolgreich beendet werden konnte."

Mitarbeiter werten diese Mediation, die nach SZ-Informationen rund 20.000 Euro gekostet hat, als gescheitert. Messe-Betriebsrätin Antje Andrich antwortet auf SZ-Anfrage mit "Nein" auf die Fragen, ob die Mediation erfolgreich war und sich das Betriebsklima verbessert hat.

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