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Messerangriff: Staatsanwalt fordert Höchststrafe

Im Mordprozess um den Anschlag eines Dschihadisten auf ein homosexuelles Paar in Dresden haben nun die Plädoyers begonnen.

Der beschuldigte Abdullah H. während des Prozesses am Oberlandesgericht Dresden.
Der beschuldigte Abdullah H. während des Prozesses am Oberlandesgericht Dresden. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Seit einem knappen Monat befasst sich das Oberlandesgericht Dresden mit dem islamistisch motivierten Mordanschlag auf ein Touristenpaar im Oktober 2020 in Dresden. Ein damals 20-jähriger Syrer stach von hinten und ohne Vorwarnung auf die beiden Männer ein. Für einen 55-jährigen aus Krefeld kam jede Hilfe zu spät, sein Partner, ein 53-Jähriger aus Köln überlebte das Attentat. Während der Angeklagte nach wie vor schweigt, schloss das Gericht am Donnerstag die Beweisaufnahme.

In seinem Plädoyer bezeichnete Marcel Croissant von der Generalbundesanwaltschaft die Tat als "Angriff auf uns alle, weil es ein Angriff auf unserer Werte war". Er sprach von einem Angriff auf die "freie und demokratische Gesellschaft", die „einzigartig, vielfältig, bunt und tolerant“ sei. Die Geschädigten seien letzten Endes nur zufällig in der Innenstadt gewesen, wo sie dem Angeklagten auffielen. Croissant: "Es hätte jeden von uns treffen können."

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Besondere Schwere der Schuld

Zuvor sagte der Ankläger, dass es keinen Zweifel an der Täterschaft von Abdullah H. gebe. Der 21-Jährige habe sich gegenüber dem psychiatrischen Gutachter Norbert Leygraf ausführlich zu seiner Motivation geäußert. Schon drei Tage nach seiner Haftentlassung habe er sich zwei Messer-Sets, darunter die beiden Tatwaffen, gekauft.

Am 4. Oktober habe er nach Gebeten und einem Moscheebesuch in der Innenstadt nach Opfern für seinen „Krieg gegen Ungläubige“ gesucht. Als H. zwei Wochen später verhaftet wurde, habe er wieder ein langes Messer unbekannter Herkunft mit sich geführt. Möglicherweise "war er wieder auf der Suche nach neuen Opfern".

Das geforderte Strafmaß der Generalbundesanwaltschaft war nicht überraschend. Croissant plädierte auf eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld nach dem Erwachsenenstrafrecht.

In der Jugendhaft allen etwas vorgemacht

Der Mann soll in einer sozialtherapeutischen Einrichtung untergebracht werden. Darüber hinaus möge sich der Senat die anschließende Unterbringung in der Sicherungsverwahrung vorbehalten. Mehr als ein Vorbehalt ist bei heranwachsenden Intensivtätern nicht möglich.

Die Staatsanwaltschaft schloss sich der Einschätzung Leygrafs an, der H. als Mensch mit gefestigtem salafistisch-dschihadistischem Weltbild beschrieb, einen Heranwachsenden, der selbst in seiner dreijährigen Jugendhaft allen etwas vorgemacht habe.

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Davon abweichend hatte sich zuvor ein Sozialarbeiter der Jugendgerichtshilfe dafür ausgesprochen, den Angeklagten aufgrund seiner Reife- und Entwicklungsdefizite nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen. Am 19. Mai um 12 Uhr, sind die weiteren Plädoyers geplant, das Urteil wird am 21. Mai erwartet.

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