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Geheimnisse der Pillnitzer Schlosskapelle

Wie Restauratoren mit einer Art Radiergummi Schäden beseitigen und die Farben der Gemälde wieder leuchten lassen. Auch im Lustgarten wird es bunt.

Ein außergewöhnlicher Blick in die frisch restaurierte Schlosskapelle von der Orgel aus.
Ein außergewöhnlicher Blick in die frisch restaurierte Schlosskapelle von der Orgel aus. © Marion Doering

Dresden. Das leuchtende Blau in den zehn Wand- und Deckengemälden zieht den Besucher der Pillnitzer Schlosskapelle sofort in den Bann. Sie stammen von Carl Christian Vogel von Vogelstein, der sie erst in der italienischen Freskotechnik in einem feuchten Malgrund ausführte. Weil er darin aber noch nicht so erfahren war, hat er sie anschließend auf trockenem Grund noch einmal in der Seccotechnik übermalt.

Seit kurzem sind die Bilder, die das Leben von Maria zeigen, noch schöner geworden. Die Restauratoren Dieter Schmidt und Judith Steinke haben die Bilder seit August des Vorjahres nicht nur von Staub und Ruß befreit, sondern auch Risse verschlossen, die sich in Wänden und Decken sowie in den Gemälden gebildet hatten. "Schloss Pillnitz hat zwei Hochwasser überstanden, die haben Schäden an der Substanz hinterlassen", sagt Norbert Seidel, Projektleiter beim Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) für Schloss Pillnitz.

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Judith Steinke erklärt, dass die Schäden insbesondere die Bilder über Türen betroffen haben. Durch die Erschütterung beim Öffnen und Schließen hätten sich auch Teile des Putzes hinter den Gemälden gelöst. Mit Kanülen haben die Restauratoren winzige Löcher in die bemalten Flächen gestochen und Bindematerial hineingespritzt.

Restauratorin Judith Steinke hat an der Reinigung der Gemälde mitgearbeitet.
Restauratorin Judith Steinke hat an der Reinigung der Gemälde mitgearbeitet. © Marion Doering

Sanierung des Kuppelsaales ab 2022

Für die Reinigung der Wände und Decken haben sie eine Art Radiergummi benutzt, mit dem besonders effektiv und gleichzeitig schonend gearbeitet werden kann. Um dem Besucher aber auch die Möglichkeit zu geben, den vorherigen Zustand zu sehen, findet sich an der Decke ein kleiner Streifen, der dunkler ist als seine Umgebung. "So etwas macht man gern, um das Vorher und Nachher zu zeigen", sagt Ulf Nickol, der Leiter der Dresdner SIB-Niederlassung.

Die Kapelle im Neuen Palais, eine Saalkirche mit reicher Stuckatur und Gemälden, wurde 1830 geweiht. 45 Jahre ist ihre letzte Restaurierung her. "Es war jetzt Zeit vor allem die Risse zu schließen", sagt Seidel. Jeden Sonntag findet in der weitestgehend original erhaltenen Kapelle ein katholischer Gottesdienst statt. Auch während der Arbeiten, für die Gerüste nötig waren.

Neben der Frischekur für die Gemälde wurde auch das defekte Weihwasserbecken am Eingang erneuert. An den Arbeiten waren neun Firmen aus Sachsen beteiligt, neben Restauratoren auch Kirchenmaler und Stuckateure. In die Restaurierung wurden rund 120.000 Euro investiert.

Leuchtende Farben auch auch beim Hauptdeckengemälde "Die Krönung Marias".
Leuchtende Farben auch auch beim Hauptdeckengemälde "Die Krönung Marias". © Marion Doering

Judith Steinke hat an den Gemälden versteckte Botschaften früherer Restauratoren gefunden. "Es muss bereits 1881 und 1912 an den Bildern gearbeitet worden sein", sagt sie. Die damaligen Künstler, die noch keine Restauratoren waren, haben ihre Signaturen entweder am unteren Bildrand hinterlassen oder manchmal ein Stück Papier mit ihrer Signatur auf die Rückseite geklebt, weiß Steinke. Den Besuchern der Kapelle, die auch im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann, fällt dies aber nicht auf.

Auch an der Fassade des Neuen Palais zum Fliederhof wird noch bis Ende Juni gearbeitet. Wie in der Kapelle sind es Risse, die verschlossen werden. Maurer, Maler und Klempner sind im Einsatz.

Ein Großprojekt im Neuen Palais steht noch bevor. Der Kuppelsaal, in dem unter anderem die Bürgerversammlung zum damals geplanten Parkeintritt stattgefunden hat, soll ab 2022 für fünf Millionen Euro saniert werden.

20.000 Sommerblumen für den Park

Die Besucher des Schlossparks erfreuen sich momentan vor allem an den 20.000 Sommerblumen, die gerade von zwölf Mitarbeitern und drei Praktikanten gepflanzt werden. Zentimetergenau müssen dabei beispielsweise tausende Edellieschen, Begonien oder Mittelmeer-Strohblumen nach dem Pflanzplan in die Erde gebracht werden. Fast vierzig verschiedene Arten und Sorten werden bis Oktober ihre Blütenpracht entfalten.

Darunter auch Bienen-, Hummel- und Schmetterlingslieblinge wie die blühfreudige Goldmarie und lila-blaue Vanilleblumen. Über 450 mediterrane Kübelpflanzen wie Oleander, Granatapfel, Lorbeer, Pomeranzen- und Zitrusbäume, aber auch Hortensien, Korallenbäume und meterhohe Palmen haben in den vergangenen Wochen ihr Winterquartier in der Orangerie verlassen und stehen nun dank Gabelstapler und Muskelkraft an ihren Sommerplätzen.

Gärtner Swen Schulz gestaltet mit verschiedensten blühenden Pflanzen wie Ziertabak und Bidens die Rabatten und Beete.
Gärtner Swen Schulz gestaltet mit verschiedensten blühenden Pflanzen wie Ziertabak und Bidens die Rabatten und Beete. © Marion Doering

Tragisch nicht allein für Stammbesucher: Eine der beiden imposanten Blutbuchen im Lustgarten ist abgestorben. Nicht nur die drei trockenen Sommer der vergangenen Jahre haben ihr zugesetzt, sondern auch der Riesenporling. Der Pilz befällt zunächst den Wurzelbereich, insbesondere von Buchen, aber auch anderen Laubbäumen. Von dort dringt er in Richtung Stamm vor und verursacht eine Störung der Versorgung. Der Baum verliert an Vitalität und stirbt wie in diesem Fall ab.

Um die gegenüberstehende Blutbuche zu retten, die auch befallen ist, wurden Teile des Bodens abgesaugt und in ein Labor geschickt. Dort soll ein Gegenspieler für den Riesenporling gezüchtet werden, der den Schädling in Schach hält. Viele Besucher werden sich wünschen, dass diese Methode beim alten und stattlichen Baum Erfolg hat.

Im Lustgarten ist eine beiden imposanten Rotbuchen abgestorben, die Verbleibende soll vor dem aggressiven Pilz Riesenporling gerettet werden.
Im Lustgarten ist eine beiden imposanten Rotbuchen abgestorben, die Verbleibende soll vor dem aggressiven Pilz Riesenporling gerettet werden. © Marion Doering

Testzentrum für Besucher und Anwohner

Im Neuen Palais von Schloss Pillnitz hat am Freitag ein Corona-Testzentrum der Malteser eröffnet. Wer das Schlossmuseum im Neuen Palais oder das Kunstgewerbemuseum im Wasserpalais besuchen will, kann sich hier freitags bis sonntags von 12 bis 19Uhr kostenfrei auf das Coronavirus testen lassen.

Auch Einheimische können das Testzentrum nutzen. Es befindet sich im Erdgeschoss des Neuen Palais direkt am Fliederhof. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Mit einem negativen Testergebnis sind Museumsbesuche wieder spontan möglich. Die beiden Museen haben freitags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der letzte Einlass ist 16 Uhr. Die Tickets sind in zwei Zeitfenster unterteilt: Besucher können zwischen 10 bis 13 Uhr und 13 bis 16 Uhr wählen.

Für das Einhalten des Zeitfensters ist der erstmalige Zutritt in die Schloss- und Parkanlage entscheidend, die Aufenthaltsdauer ist dann – innerhalb der Öffnungszeiten – unbegrenzt möglich. In den Museen, im Besucher- und im Testzentrum besteht Maskenpflicht. Für den Aufenthalt im Park ist kein Test nötig.

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Das Tagesticket Schloss & Park Pillnitz kostet acht Euro, ermäßigt sechs. Kinder bis 16 Jahre erhalten freien Zutritt. Besucher müssen ihre Kontaktdaten für eine etwaige Nachverfolgung hinterlegen, beim Onlinekauf geschieht dies automatisch, beim Ticketerwerb vor Ort ist die Adresse schriftlich zu hinterlassen.

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