merken
PLUS Dresden

Dresdner Polizei will Radverkehr sicherer machen

Am Dienstag beginnt eine besondere Kontrollaktion auf Dresdens Straßen. Die Polizei zieht Verkehrsrowdys gerade dort raus, wo es häufig zu Verstößen kommt.

Wie hier 2019 auf der Stauffenbergallee nimmt die Polizei Radfahrer demnächst besonders in den Blick.
Wie hier 2019 auf der Stauffenbergallee nimmt die Polizei Radfahrer demnächst besonders in den Blick. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Diese schlimme Bestätigung hätte es nicht gebraucht. Schon Wochen vor dem schweren Unfall vom Freitagmorgen, bei dem eine Radfahrerin in der Neustadt ihr Leben verlor, hat die Dresdner Verkehrspolizei die Neuauflage ihrer Aktion "Respekt durch Rücksicht" geplant, die am Dienstag beginnt.

Der Unfall, bei dem an der Ecke Bautzner Straße/Weintraubenstraße eine Radfahrerin von einem abbiegenden Lkw erfasst wurde, hat den Chef der Verkehrspolizei Gerald Baier und seine Kollegen bestätigt. Sie sind überzeugt: Radfahrer und Autofahrer sind auf den Dresdner Straßen mitunter wie Feuer und Wasser. Mehr Aufmerksamkeit und mehr Rücksicht sind nötig, damit die Unfallzahlen nicht weiter steigen, damit nicht mehr Menschen verletzt werden oder - wie am Freitag - sogar ums Leben kommen.

Anzeige
Die Städte der Zukunft
Die Städte der Zukunft

In der Veranstaltungsreihe von SLUB und Konrad-Adenauer-Stiftung steht am 20.05.2021 die Zukunft der Stadt im Fokus. Diskutieren Sie mit!

Einsatz gegen "Berserker"

Zwei Radfahrer verloren im vergangenen Jahr in Dresden bei Unfällen ihr Leben. Darunter eine 55-Jährige, die auf der Reicker Straße unterwegs war und sich gerade zum Linksabbiegen eingeordnet hatte. Sie wurde von hinten von einem Mercedes erfasst, der mit rund 100 Sachen Richtung Innenstadt raste.

Beim Prozess gegen den 18-jährigen Autofahrer stellte sich später heraus: Er war ein notorischer Raser, veröffentlichte sogar eigene Videos dazu im Internet. Der Unfallfahrer wurde im Oktober 2020 zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und einem zweiwöchigen Dauerarrest verurteilt, musste zu einem Sozialkurs und darf drei Jahre lang keine Fahrerlaubnis machen.

"Wüteriche" und "Berserker" nennt Gerald Baier solche Autofahrer. Und nicht nur sie. Es gibt solche Menschen auch unter den Radfahrern, weiß der Chef der Verkehrspolizei. "Sie nehmen sich nur die Regeln aus der Straßenverkehrsordnung, die ihnen passen", hat er diese Radfahrer Mitte vergangener Woche beschrieben, als die Polizei den Start ihrer Aktion "Respekt durch Rücksicht" ankündigte. Alle anderen Regeln ignorierten sie - etwa rote Ampeln und Richtungsvorgaben in Einbahnstraßen oder auf Radwegen.

Gegen die "Wüteriche" richtet sich die Polizeiaktion. Vor zwei Jahren fand die erste Auflage statt. Insgesamt 52-mal kontrollierten die Beamten damals Auto- und Radfahrer auf Kreuzungen oder kritischen Straßen und stellten dabei über 1.000 Verkehrsverstöße fest.

Rausgezogen wurden 768 Autofahrer und 938 Fahrradfahrer. Die meisten Fehltritte am Steuer waren das Handy am Ohr oder das Überfahren einer roten Ampel. "Auch die Einhaltung des Seitenabstandes beim Überholen spielte eine Rolle", berichteten die Beamten nach Abschluss der Aktion. Radler seien oft beim Fahren auf der falschen Seite und ebenfalls beim Ignorieren von roten Ampeln erwischt worden.

Die meisten Einsatzorte stehen fest

Um diese Themen geht es jetzt wieder: Die 1,50-Meter-Abstandsregel beim Überholen eines Fahrrads, die Handynutzung während der Fahrt, Ampelschaltungen, Fahrtrichtungen von Radfahrern und letztlich um alle denkbaren Verstöße gegen die Verkehrsregeln, die den Beamten bei ihren Einsätzen noch auffallen.

Einsatzorte werden unter anderem die Chemnitzer Straße und die Marienbrücke sein. Die Chemnitzer Straße, weil es dort eng ist und Autofahrer immer wieder die 1,50-Meter-Regel missachten. Die Marienbrücke, weil Radfahrer dort auf den gemeinsamen Gehwegen häufig auf der falschen Seite fahren.

Auch die Orte, an denen Dresdner Bürger Regelverstöße beobachtet und die sie anschließend im Bürgerbeteiligungsportal des Freistaats eingetragen haben, sollen bei den bevorstehenden Kontrollen eine Rolle spielen. Mehr als 1.050 Einträge registrierte die Polizei dort seit dem Aufruf vom 21. April bis zum Freitag. Die meisten seien sachlich, nur selten werde Frust über Auto- und Radfahrer abgelassen, sagte Gerald Baier vergangene Woche.

Auf der Internetseite können alle Hinweise nachgelesen werden. Dort berichten Dresdner unter anderem von knappen Überholmanövern in den Haltestellen auf der Leipziger Straße, bei denen Autos Radfahrer gefährden. Dort geht es auch um die Marienbrücke und die Chemnitzer Straße. Rotlichtverstöße von Radfahrern werden von der Ecke Freiberger Straße/Hertha-Lindner-Straße gemeldet und von der "Wilsdruffer", auf der Radfahrer Signale der Fußgängerampeln ignorieren.

Elberadweg wird gesondert kontrolliert

Weiterführende Artikel

Dresdner Polizei stoppt 82 Radfahrer

Dresdner Polizei stoppt 82 Radfahrer

Auf der Marienbrücke verstoßen Radfahrer häufig gegen die Verkehrsregeln. Die Polizei rückte deshalb zu einer Kontrolle aus.

Dresdner Radfahrer im Blick der Polizei

Dresdner Radfahrer im Blick der Polizei

An vier Einsatzorten in Dresden wird am Dienstag kontrolliert, wie der Abstand zwischen Autos zu Radfahrern eingehalten wird. Es gibt mehrere Verstöße.

Einsatz gegen "Wüteriche" auf Dresdens Straßen

Einsatz gegen "Wüteriche" auf Dresdens Straßen

Die Verkehrspolizei ist an Problemstellen in Dresden im Einsatz, um das Verhalten von Auto- und Radfahrern zu kontrollieren. Sie weiß auch, wer an den Unfällen schuld ist.

Radfahrer und Autos sind wie Feuer und Wasser

Radfahrer und Autos sind wie Feuer und Wasser

Der Kontrollmarathon der Polizei geht langsam zu Ende. Verkehrspolizei-Chef Gerald Baier haben die Zahlen überrascht. 

Noch kein Thema ist bei der am Dienstag beginnenden Aktionszeit der Elberadweg. "Die Problematik ist bekannt", sagt Baier, aber die Zahl von Unfällen, die der Polizei von dort gemeldet würden, sei gering. "Wir wissen sehr wohl, dass es dort immer häufiger zu Konflikten kommt", räumt der Chef der Verkehrspolizeiinspektion ein. Unangemessene Geschwindigkeit von Radfahrern beim Überholen sei zum Beispiel ein Thema. Deshalb sei geplant, dass der Radweg in diesem Jahr unabhängig von der Aktion "Respekt durch Rücksicht" kontrolliert werden soll.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden