merken
PLUS Dresden

Dresden: Weiter Poller-Streit am Blauen Wunder

Seit Mittwoch hat die Stadt den Parkplatz am Schillergarten gesperrt, nun regt sich Widerstand. Ist es nur eine Frage der Zeit bis dort wieder Autos stehen?

Der Parkplatz unterhalb des Blauen Wunder ist nun für Autofahrer gesperrt. Wird das Verbot lange halten?
Der Parkplatz unterhalb des Blauen Wunder ist nun für Autofahrer gesperrt. Wird das Verbot lange halten? © Sven Ellger

Dresden. Die Debatte um die Parkplätze am Blauen Wunder hat sich aufgeheizt. Seit Mittwoch stehen die Poller am Schillergarten und versperren Autofahrern den Weg auf den Parkplatz an der Elbe. Die Kommentarspalten in den sozialen Medien füllen sich seitdem. Während es die einen freut, sind die anderen entsetzt. Was die Poller-Gegner nun planen.

Um was geht es genau?

Am Dienstag angekündigt, am Mittwoch umgesetzt: Das Dresdner Straßen- und Tiefbauamt hat die ersten Poller vor dem Elberadweg am Schillerplatz gesetzt. Sie verhindern, dass Autos über den Radweg fahren und auf der gepflasterten Fläche an der Elbe abgestellt werden. Damit gilt ein Parkverbot zwischen Blauem Wunder und der Schiffsanlegestelle Blasewitz.

Anzeige
Endlich wieder shoppen
Endlich wieder shoppen

Alle Geschäfte des KaufParks in Dresden-Nickern haben wieder geöffnet und laden zum Shoppen ein.

Warum ist das Parken seit dieser Woche am Blauen Wunder verboten?

Es sei nie erlaubt gewesen, dort zu parken, sagt Grünen-Sprecherin Susanne Krause. "Das Parkverbot ist keine politische Entscheidung, sondern eine Durchsetzung gültigen Rechts." Das Straßen- und Tiefbauamt begründet die Entscheidung mit dem Landschaftsschutzgebiet. Die Landesdirektion Sachsen habe die Stadtverwaltung wiederholt aufgefordert, die Zufahrt zum gepflasterten Platz am Blauen Wunder in Blasewitz zu unterbinden, teilte die Verwaltung am Dienstagnachmittag mit. Die Fläche liege im Landschaftsschutzgebiet "Dresdner Elbwiesen und Elbarme". Das Parken im Schutzgebiet sei verboten, es dient der Naherholung und dem Naturschutz.

Außerdem ist das Areal eine Stelle, an der es öfter kracht. Die Polizei registrierte von 2018 bis 2020 sieben Unfälle, bei denen Personen verletzt wurden. Der ADFC kritisierte schon lange, das große Verkehrschaos unterhalb des Blauen Wunders. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) will deshalb schnellstmöglich den Weg an der Elbe für Radfahrer und Fußgänger sicherer gestalten.

Wie sind die Reaktionen auf das Parkverbot?

In den sozialen Medien ist der Schrei deutlich zu hören - vor Freude oder vor Entsetzen, je nachdem, auf welche Kommentare man schaut. Geschimpft wird auf grüne Klientelpolitik und fehlende Parkmöglichkeiten. "Für die Autofahrer ist das blöd, denn in den Nebenstraßen gibt es vor 18/19 Uhr so gut wie keine Parkmöglichkeiten", schreibt jemand bei Twitter. Laut einer Erhebung der Stadt Dresden gebe es dennoch genügend Parkflächen, wie beispielsweise in der Schiller Galerie. Viele ärgern sich dort aber über die hohen Parkgebühren.

Der Biergarten "Schillergarten" bedankt sich sarkastisch bei Baubürgermeister Kühn für sein Fingerspitzengefühl. "Nach nunmehr fast sieben Monaten unverschuldeter Zwangsschließung wird die Parkfläche am Elbufer pünktlich zur Wiedereröffnung, dem kleinen Hoffnungsschimmer für unser Haus und unsere Mitarbeiter, gesperrt", schreiben sie auf Facebook. Betreiber Thomas Jacob will sich auf Nachfrage nicht äußern. Auch das ansässige Restaurant Villa-Marie steht dem Verbot kritisch gegenüber: Ebenfalls in einem offenen Brief kritisiert das Team Oberbürgermeister Hilbert für das Parkverbot.

Der Schillergarten bedankt sich sarkastisch für das Fingergefühl der Bürgermeister.
Der Schillergarten bedankt sich sarkastisch für das Fingergefühl der Bürgermeister. © Sreenshot: SZ

Gibt es auch positiv gestimmte Meinungen?

Trotz der vielen Kritik freuen sich zahlreiche Dresdner über die neue schöne Aussicht aufs blaue Wunder ohne Autos. Auch der ADFC begrüßt die Umsetzung: "Kein Verkehrswirrwarr mehr, keine Unfälle mehr und vor allem auch die vielen Beinah-Unfälle sind nun Geschichte." Familien mit Kindern könnten nun unbeschwert flanieren, Enten und Schwäne füttern ohne sich durch Parkreihen schlängeln zu müssen. "Die Aufenthaltsqualität profitiert enorm", sagt ADFC-Geschäftsführer Edwin Seifert. Dass sich die Gastronomen aufregen, wundert den ein oder anderen Nutzer in den sozialen Medien: Jetzt könne der Gast mit der Bahn anreisen und ein zweites oder drittes Bier trinken, schreibt jemand auf Twitter. "Bringt dem Wirt auch mehr Umsatz. Ist doch super!" Das jetzt einsetzende Lamento der Gastwirte sei unverständlich, sagt auch Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe. "Es stehen nach wie vor bewirtschaftete Parkplätze unmittelbar am Schillerplatz zur Verfügung."

Mit dem Parkplatzverbot soll der Weg entlang der Elbe sicherer werden, sowie zur Naherholung einladen.
Mit dem Parkplatzverbot soll der Weg entlang der Elbe sicherer werden, sowie zur Naherholung einladen. © Sven Ellger

Was fordern die Gegner?

"Wir wollen zum alten Zustand zurückkehren", verlangt Holger Zastrow (FDP). Das heißt: Die Poller sollen abgerissen und die Parkplätze wieder hergerichtet werden. Er ist mit der Ansicht nicht allein. Zusammen mit Thomas Ladzinski (AfD)und Jens Genschmar (Freie Wähler) sammelt er in den nächsten zwei Wochen Fotos und Karten von dem umstrittenen Areal: "Wenn wir gegenüber der Stadtverwaltung nachweisen können, dass die Fläche unterhalb des Blauen Wunders bereits vor 1993 als Parkplatz genutzt wurde, hätte der Parkplatz Bestandsschutz", schreibt Ladzinski auf Facebook.

Das würde bedeuten, dass die Poller möglicherweise wieder abgebaut werden müssen. Diese Rechtsauffassung werde vom Straßen- und Tiefbauamt nicht geteilt, sagt Stadt-Sprecherin Anke Hofmann. Der Stadt liegen demnach keine Daten vor, die darauf deuten, dass das Areal vor 1993 öffentlich als Parkplatz genutzt wurde.

Gibt es weitere Forderungen?

Auch die CDU steht dem Parkplatzverbot kritisch gegenüber. "Wir fordern den Elbweg für Radfahrer und Fußgänger zu verbreitern sowie den Parkplatz zu verkleinern", heißt es vom verkehrspolitischen Sprecher Veit Böhm. Er weist entschieden zurück, dass der Bereich eine Unfallhäufungsstelle sei. Auf anderen Straßen in Dresden gebe es viel mehr Unfälle. Am 10. Juni möchte die CDU ihren Antrag im Stadtrat erneut einbringen.

Es gebe Böhm zufolge mehrere Möglichkeiten, den Parkplatz zu legalisieren: Entweder man widme das Areal in eine öffentliche Fläche um, oder der Parkplatz würde aus dem Landschaftsschutzgebiet gestrichen. Letzteres sei auch schon mit der Waldschlösschenbrücke geschehen, warnt Susanne Krause von den Grünen. Für den Bau gibt es bis heute keine legale Genehmigung. Das Straßen- und Tiefbauamt hält auf Anfrage daran fest, dass der Parkplatz nicht mehr legal genutzt werden könne.

Weiterführende Artikel

Blaues Wunder: Poller-Gegner scheitern

Blaues Wunder: Poller-Gegner scheitern

Ein weiterer Versuch, das Parken am Elbufer zu dulden, ist am Freitag fehlgeschlagen. Allerdings sollen nun auch die Radfahrer ausgebremst werden.

Dresdner Poller-Streit: Das sagt der Bau-Chef

Dresdner Poller-Streit: Das sagt der Bau-Chef

Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) antwortet mit einem Offenen Brief auf die Kritik vom Schillergarten. Warum er die Poller weiter für richtig hält.

Schillerplatz: Markt an die Elbe verlegen?

Schillerplatz: Markt an die Elbe verlegen?

Einer der beliebtesten Wochenmärkte Dresdens funktioniere an anderer Stelle besser und würde das Poller-Problem entspannen, glauben die Freien Wähler.

Blaues Wunder: Poller-Ärger am Markttag

Blaues Wunder: Poller-Ärger am Markttag

Die Händler berichten am Sonnabend von mehreren neuen Problemen. Eins davon: Sie wissen nicht, wohin mit ihren eigenen Autos.

Anmerkung: In der ursprünglichen Fassung war irrtümlicherweise die Zahl der Unfälle am Parkplatzareal nur auf das vergangenen Jahr begrenzt. Die Polizei registrierte aber von 2018 bis 2020 sieben Unfälle mit Personenschaden am Elbradweg unterhalb des Blauen Wunders. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen und haben ihn im Text korrigiert.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden