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Rettungsaktion für einen Habicht

Zwischen Klärbecken und Feldern befindet sich in Dresden-Kaditz eine ganz besondere Notaufnahme. Wie Vögeln dort geholfen wird.

Steffen Keller und seine Praktikantin Ronja Fulsche füttern den verletzten Habicht. Heute gibt es leckere Häppchen aus Hühnchenherzen.
Steffen Keller und seine Praktikantin Ronja Fulsche füttern den verletzten Habicht. Heute gibt es leckere Häppchen aus Hühnchenherzen. © Sven Ellger

Von Cosima Chalk 

Dresden. Das ist nichts für schwache Herzen: Ohne zu zögern schluckt der hungrige Habicht ein zerkleinertes Küken. Steffen Keller und Ronja Fulsche halten mit großer Vorsicht seine Flügel zusammen, damit er nicht auf die Idee kommt, die Schwingen auszubreiten und sich damit zu verletzen. Die beiden Mitarbeiter der Vogelauffangstation im Klärwerk Kaditz hoffen, dass der Greifvogel in wenigen Tagen wieder fliegen kann.

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Ob Habicht, Falken, Eulen, Meisen oder sogar Schwäne – in der Vogelauffangstation ist jeder willkommen. Hier beschäftigt sich seit fast 15 Jahren der Falkner Steffen Keller mit verletzt gefundenen Vögeln. Er und seine Helfer füttern, pflegen und sorgen sich um die Tiere, bis sie wieder gesund sind und aus der Station entlassen werden können.

Mit der Unterstützung des Umweltzentrums und der Stadtentwässerung gibt es die Vogelauffangstation seit 2007 auf einer Fläche von 550 Quadratmetern. Nicht nur in Dresden, sondern auch bei Leipzig und Stollberg/Erzgebirge befinden sich Kellers Stationen. Die Tiere brauchen Hilfe rund um die Uhr. Kein normaler Job: „Ein normaler Arbeitstag dauert zwölf bis dreizehn Stunden“, sagt Keller. 

Er hat die Station zusammen mit Theo Puschmann und Klaus Schelske gegründet. „Inzwischen ist Theo 84 Jahre alt und Klaus 82“, sagt Keller. Trotzdem helfen sie immer noch mit, wenn es um das Bauen von Insektenhäusern oder Nistkästen geht. 

"Ohne Stationen wie diese würden jährlich viele Tiere zugrunde gehen"

Dabei helfen ihnen die Praktikanten und andere junge Menschen, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren wollen. Pro Jahr werden  1.100 bis 1.300 Vögel aufgepäppelt, davon ungefähr 400 Kleinvögel und genau so viele Greifvögel. Zudem wird auch Schwänen, Reihern, Störchen und sogar Gänsegeiern geholfen, auf die Beine zu kommen.

Doch die Vögel brauchen sich hier erst gar nicht einzuleben. Denn meistens werden sie schnell wieder gesund und kommen in die Wildnis zurück.

Im Sommer ist besonders viel los, denn dann werden 60 Prozent der Tiere aufgenommen. Sie verletzen sich an Stromleitungen, bei Autounfällen oder an Glasscheiben. Sie werden zur Wildvogelauffangstation gebracht oder zu Keller nach Hause, wenn die Station geschlossen sein sollte. Das Futter für die Vögel wird selbst gezüchtet, unter anderem Mäuse, Ratten und Meerschweinchen.

Obwohl Falkner Steffen Keller seine Arbeit liebt, hat er die Leitung seiner 35-jährigen Tochter Saskia übergeben. Keller ist 62 und hat auch noch andere Interessen.  In seinem Kaditzer Labor kann sich etwa für die Erhaltung  wilder Orchideen einsetzen. Außerdem bildet er seit zehn Jahren Falkner im Schülerlabor "Aquamundi", ebenfalls im Klärwerk, aus.

„Ohne Stationen wie diese würden jährlich so viele Tiere zugrunde gehen, die man noch hätte retten können“, sagt Steffen Keller. Deshalb habe es sich gelohnt, dass er die Station gegründet hat. 

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