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Halbzeit am Neumarkt-Quartier Hoym

Die Arbeiten an der letzten Baulücke am Dresdner Neumarkt haben sich um fast zwei Jahre verzögert. Künftig kann man hier wohnen, arbeiteten und entspannen.

Das Palais Hoym ist derzeit im Rohbau, später werden die am historischen Vorbild orientierten Fassaden montiert.
Das Palais Hoym ist derzeit im Rohbau, später werden die am historischen Vorbild orientierten Fassaden montiert. © Sven Ellger

Dresden. Es ist das größte Bauquartier und gleichzeitig das, was den Neumarkt vollenden wird: das Quartier Hoym. Im Juni 2019 wurde der Grundstein für den Komplex von 13 Häusern zwischen Rampischer und Landhausstraße gelegt, an diesem Donnerstag wurde Richtfest gefeiert. Was genau in der letzten Baulücke am Neumarkt entsteht.

Was wird genau gebaut?

Auf dem rund 9.600 Quadratmeter großen Grundstück, das an das Polizeipräsidium angrenzt, entstehen 13 Gebäude mit 258 Mietwohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, zwischen 30 bis 130 Quadratmeter groß, sowie 27 Büro- und Gewerbeeinheiten, die unter anderem Platz für Gastronomie bieten. Außerdem wird es das wohl nobelste Hostel Deutschlands im Quartier geben: Es zieht in die Räume des Palais Hoym ein, dessen Deckenhöhen bei fünf Metern liegen. Diese sollen teilweise Galerien erhalten, auf denen die Gäste schlafen. Unter den Häusern gibt es eine zweigeschossige Tiefgarage mit mehr als 300 Stellplätzen.

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Die Arbeiten erfolgten unter einer großen Enge, in drei räumlich getrennten Abschnitten. Hintergrund war die logistische Herausforderung auf der Baustelle. Hinter dem Polizeipräsidium wurde zwar eine große Baugrube ausgehoben. Doch damit Betonmischer und voll beladene Lastwagen überhaupt von den schmalen Zufahrtsstraßen hineinkommen und dort neben den großen Kränen auch wenden und abladen können, musste im Vorfeld genau geplant werden. Auch beim Innenausbau müssen sich die Gewerke wieder genau absprechen.

Entstehen historische Fassaden?

Wie in allen Quartieren am Neumarkt wird auch das Hoym eine Mischung aus Leitbauten mit historischen Fassaden und modernen Häusern. Darin entsteht das Palais Hoym als Leitbau des Vierseitenhofes. Das Besondere daran: Nicht nur die Fassaden werden historisch rekonstruiert, sondern sämtliche Gebäudestrukturen entstehen fast originalgetreu, sagt Architekt Michael Dähne, der das Projekt Quartier Hoym seit 2014 betreut. Außerdem wird es auf der Rampischen Straße 3 und 4 Gebäude mit Leitfassaden geben.

Aus den oberen Wohnungen hat man zum Teil fantastische Ausblicke.
Aus den oberen Wohnungen hat man zum Teil fantastische Ausblicke. © Sven Ellger

Insgesamt haben zehn Architekturbüros am Quartier Hoym mitgearbeitet und die unterschiedlichsten Fassaden gestaltet, aber auch Wege durch das Quartier, die sich an historischen Bezügen orientieren.

Wer ist der Bauherr?

Gestartet wurde das Projekt von der CG-Gruppe unter Leitung von Christoph Gröner. Dieser hatte zur Grundsteinlegung im Juni 2019 mit einer ambitionierten Rede zum Zustand der Gesellschaft überrascht. Gröner sprach von einer Vertrauenskrise in Politik und Wirtschaft, obwohl es den Menschen noch nie besser gegangen sei. Damals erlaubte sich der Unternehmer einen Weckruf, damit das Zusammenleben wieder harmonischer werde und die Gesellschaft sich nicht weiter spalte. Über ein Jahr später hat die Firma Consus Real Estate AG das Quartier übernommen. Diese ist in der Adler Group aufgegangen, die jetzt der Bauherr ist.

Wie ist der weitere Zeitplan?

Der Rohbau ist in der kommenden Woche beendet, sagt Jörg Muschol von der Arbeitsgemeinschaft Züblin und Dreßler Bau, die mit den Arbeiten beauftragt ist. Noch bis zum Februar oder März kommenden Jahres wird es dauern, bis alle Dächer geschlossen sind. Während zum Neumarkt sowie zur Rampischen und Landhausstraße Walmdächer entstehen, gibt es zu den Hofseiten auch Flachdächer. In den folgenden Wochen beginnt der Innenausbau, der sich bis 2023 hinziehen wird. In rund zwei Jahren soll der Gebäudekomplex abschnittsweise fertig werden.

Die Richtkrone schwebt über dem Vierseitenhof Palais Hoym
Die Richtkrone schwebt über dem Vierseitenhof Palais Hoym © Sven Ellger

Gab es Verzögerungen?

Bereits im Vorfeld des Baus gab es Verzögerungen, unter anderem, weil ein zweites Wettbewerbsverfahren nötig wurde. Dann gab es Unstimmigkeiten, ob man vom Dach der neuen Bebauung auf das des Polizeipräsidiums gelangen könnte. Auch dieses Problem wurde gelöst. Insgesamt aber kamen so schon anderthalb Jahre Verzögerung zustande.

Nach der Grundsteinlegung im Juni 2019 stand das Jahr 2021 als Fertigstellungsdatum. Doch auch das musste mehrfach korrigiert werden. Unter anderem, weil die Arbeiten auf der Baustelle im Dezember 2020 eingestellt wurden und erst im März wieder aufgenommen worden sind. Der Bauherr sprach damals von Winterruhe. Inzwischen ist das Jahr 2023 als Termin gesetzt.

Was kostet das Projekt?

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Am Beginn war von 140 Millionen Euro die Rede, inzwischen geht die Adler Group von rund 300 Millionen Euro aus. Das Quartier Hoym wurde bereits 2017 an die Investmentfirma Aberdeen Asset Management Deutschland verkauft, die es im Auftrag einer großen deutschen Pensionskasse erworben hat. "Wir sind sehr froh über dieses innerstädtische Quartier mit gemischter Nutzung, das voller Leben sein wird", sagt Fondsmanagerin Michaela Ruhl.

Aberdeen-Fondsmanagerin Michaela Ruhl und Adler-Regionalleiter René Naumann beim Richtfest.
Aberdeen-Fondsmanagerin Michaela Ruhl und Adler-Regionalleiter René Naumann beim Richtfest. © Sven Ellger

Aufgrund der steigenden Bau- und Materialpreise geht René Naumann, der Regionalleiter der Adler Group, noch von einer weiteren Kostensteigerung zwischen drei bis zehn Prozent aus.

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