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„Mein Riesenrad soll in Dresden Tradition werden“

Seit Juni dreht sich das "Wheel of Vision". Selbst bei Regen herrscht Andrang. Trotz Corona hat Betreiber Oscar Bruch viel vor.

Betreiber Oscar Bruch ist froh, dass sich sein Riesenrad trotz der Coronakrise am Postplatz drehen darf.
Betreiber Oscar Bruch ist froh, dass sich sein Riesenrad trotz der Coronakrise am Postplatz drehen darf. © Christian Juppe

Dresden. Die Dresdner haben sich an das Bild gewöhnt. Das Aussichtsriesenrad "Wheel of Vision" ragt seit Juni am Postplatz hoch empor. Aus bis zu 55 Metern können die Fahrgäste aus den 42 voll klimatisierten Gondeln spektakuläre Aussichten auf Dresden genießen, die bis zu den Höhen am Stadtrand und darüber hinaus reichen. 

Das wissen viele offensichtlich zu schätzen. Selbst bei schlechtem Wetter sind Schlangen vor der Attraktion zu sehen. „Mein Riesenrad soll in Dresden Tradition werden“, sagt Betreiber Oscar Bruch. „Die Dresdner und ihre Gäste sollen sich darauf freuen können.“ Dieses Jahr soll das Riesenrad sich bis zum 4. Oktober drehen.

Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein. Vom Neumarkt an der Frauenkiche bis zur Prager Straße beteiligen sich zahlreiche Händler und die großen Einkaufsgalerien an der Aktion.

Sicher sei sein Riesenrad nicht so weltbekannt wie das London Eye, das 120 Meter hoch ist, erklärt der Düsseldorfer Unternehmer. Doch es könnte sich durchaus zum Dresden Eye, dem Auge von Dresden, entwickeln, zeigt sich der 56-Jährige zuversichtlich.

Diesen tollen Ausblick können Fahrgäste aus der Riesenrad-Gondel genießen. Bei schönem Wetter bieten sich Perspektiven bis zum Stadtrand und darüber hinaus.
Diesen tollen Ausblick können Fahrgäste aus der Riesenrad-Gondel genießen. Bei schönem Wetter bieten sich Perspektiven bis zum Stadtrand und darüber hinaus. © Christian Juppe

Der Tiefschlag: Nach Corona-Auftakt eine Million eingebüßt

Bruch ist glücklich, dass sein Riesenrad jetzt am Postplatz stehen darf. „Zum Auftakt der Coronakrise waren wir geschockt. Weil dieses Jahr alle Veranstaltungen abgesagt waren, hatten wir quasi Berufsverbot“, sagt er. Danach drehte sich nichts mehr. Die Umsatzeinbuße für sein Unternehmen mit 55 Mitarbeitern beziffert er auf über eine Million Euro. Umso dankbarer sei Bruch gewesen, dass es ihm in Zusammenarbeit mit Stadtfest-Organisator Frank Schröder ermöglicht wurde, im Juni sein Riesenrad mit einem entsprechenden Hygienekonzept am Postplatz aufzubauen. 

Noch bis zum 4. Oktober wird sich das Aussichtsriesenrad am Postplatz drehen.
Noch bis zum 4. Oktober wird sich das Aussichtsriesenrad am Postplatz drehen. © Sven Ellger

„Wir wollten ein Zeichen setzen, dass hier touristisch etwas läuft“, sagt Bruch. „Wir waren die erste derartige Attraktion, die in Dresden wieder geöffnet hatte.“ 

Das Hygiene-Konzept: Wenige Fahrgäste in den Gondeln

Bis zu acht Fahrgäste passen in jede Gondel. Doch entsprechend dem Hygienekonzept dürfen nur Alleinstehende, Paare oder Familien zusteigen, sodass viel weniger Leute in den Gondeln sitzen. Am Zugang stehen Desinfektionsspender. Mundschutz ist Pflicht. „Nach jedem Zu- und Ausstieg werden die Gondeln komplett gelüftet“, sagt Bruch. Zudem werden sie regelmäßig gereinigt. Das Hygienekonzept habe sich bewährt. Die Leute seien sehr sorgfältig. „Da gibt es keine Diskussionen.“

Die Touristinnen Caroline Baumann (l.) und ihre Schwester Juliane aus Nordrhein-Westfalen genießen die Fahrt in der klimatisierten Gondel. Aufgrund der Hygiene dürfen nur Alleinstehende oder Familien in einer Gondel mitfahren.
Die Touristinnen Caroline Baumann (l.) und ihre Schwester Juliane aus Nordrhein-Westfalen genießen die Fahrt in der klimatisierten Gondel. Aufgrund der Hygiene dürfen nur Alleinstehende oder Familien in einer Gondel mitfahren. © Christian Juppe

Das Ergebnis: Deutlich geringere Einnahmen als 2019

Eine Fahrt dauert etwa zwölf Minuten. Sie kostet wie bereits 2019 für Erwachsene 7,50 Euro und für Kinder, die bis zu 1,40 Meter groß sind, fünf Euro. Kinder unter drei Jahren fahren kostenlos mit. Allerdings spiegelt sich das Hygienekonzept mit der viel geringeren Auslastung der Gondeln auch in den Einnahmen wider. „Im vergangenen Jahr hatten wir bis zu 1.000 Fahrgäste täglich, jetzt bis zu 600“, sagt der Unternehmer. „Dadurch haben wir etwa ein Drittel weniger Einnahmen.“

Betriebsleiter Gabriel Pal wirft einen Blick in die Gondel. Nach jeder Fahrt wird sie gelüftet.
Betriebsleiter Gabriel Pal wirft einen Blick in die Gondel. Nach jeder Fahrt wird sie gelüftet. © Christian Juppe

Der Plan: 2021 dreht sich Riesenrad vorm Schauspielhaus

Bruch ist froh, dass es auch 2021 möglich ist, sein Riesenrad wieder in Dresden aufzubauen. Dieses Jahr musste der Platz gewechselt werden, da die Fläche vor dem Schauspielhaus für den Promenadenring um die Altstadt ausgebaut wurde. Nicht nur für Bruch, sondern auch für Stadtfest-Organisator Schröder war zuvor jedoch Anfang dieses Jahres Zittern angesagt. 

Künftig soll sich das Riesenrad auf dem jetzt ausgebauten Platz vor dem Schauspielhaus drehen. Oscar Bruch (r.) und sein Betriebsleiter Gabriel Pal vermessen mit dem Bandmaß schon einmal die Fläche zwischen dem Wasservorhang und den neu angelegten Beeten.
Künftig soll sich das Riesenrad auf dem jetzt ausgebauten Platz vor dem Schauspielhaus drehen. Oscar Bruch (r.) und sein Betriebsleiter Gabriel Pal vermessen mit dem Bandmaß schon einmal die Fläche zwischen dem Wasservorhang und den neu angelegten Beeten. © Christian Juppe

Wäre es nach den ursprünglichen Plänen der Stadt gegangen, hätte sich dort kein Riesenrad mehr drehen können. Doch die Stadt zeigte sich flexibel und ordnete die Beete so an, dass der Platz dafür ist. Jetzt ist die Fläche fertig ausgebaut. Vor einer guten Woche sind die Bauzäune verschwunden. So konnte Bruch zwischen dem Wasservorhang und den Beeten schon einmal Maß nehmen, wo sein Riesenrad nächstes Jahr stehen kann.

Die Tradition: Schaustellerfamilie seit 1828

Seine Familie ist seit 1828 im Schaustellergewerbe aktiv, zuerst in Wuppertal, später in Düsseldorf. Damals wurden Pferdekarussells betrieben. Sein Urgroßvater Emil Bruch kaufte 1895 das erste Riesenrad, eine etwa zwölf Meter hohe Russische Schaukel. „Die Gondeln hatten schräg in der Luft gehangen, was bei den Damen zu Lustschreien führte“, sagt Bruch. Sein Opa William habe ihm erzählt, dass sie als junge Männer das Riesenrad schneller laufen ließen, um die mitfahrenden Mädchen zu erschrecken. 

Das Aussichtsriesenrad hat sich schon in vielen Städten gedreht. Hier steht es in Budapest.
Das Aussichtsriesenrad hat sich schon in vielen Städten gedreht. Hier steht es in Budapest. © Firma Oscar Bruch

In den 1960er-Jahren kamen die ersten Stahlriesenräder. Sein Onkel Willi habe 1971 mit seinem Großvater ein 40 Meter hohes Riesenrad gekauft. Von Kindesbeinen an war Oscar Bruch mit den Riesenrädern auf Tour. In der Schulzeit wohnte er zu Hause bei der Oma. „An Wochenenden und in den Ferien war ich unterwegs. Mich hat es schon immer zum Riesenrad gezogen.“ 

Spektakuläre Ausblicke boten sich vom Riesenrad, als es vor der Kathedrale in der französischen Stadt Metz an der Mosel stand.
Spektakuläre Ausblicke boten sich vom Riesenrad, als es vor der Kathedrale in der französischen Stadt Metz an der Mosel stand. © Firma Oscar Bruch

1993 kaufte Oscar mit seinem Onkel sein erstes großes Aussichtsriesenrad Bellevue. Davon hat er heute drei. Das Größte ist 60 Meter hoch. Der Vater von fünf Kindern ist zuversichtlich, dass die lange Familientradition fortgesetzt wird. Seine 28-jährige Tochter Wiebke Bruch arbeitet bereits als Betriebsleiterin in dem Familienunternehmen.

Das Riesenrad: Erster Standort in Australien

Bruchs modernstes Riesenrad dreht sich derzeit am Postplatz. Er hatte es 2012 für rund sechs Millionen Euro gekauft. „Es hat schon die ganze Welt gesehen“, sagt er. Damals stand es noch im australischen Brisbane. Der Betreiber sei jedoch pleite gegangen. Also konnte Bruch es übernehmen. Das Riesenrad hat schon in Budapest, Lyon, Metz und Danzig gestanden. Und jetzt soll es sich jedes Jahr hier drehen und zum Dresden Eye werden. 

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