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Schillerplatz: Markt an die Elbe verlegen?

Einer der beliebtesten Wochenmärkte Dresdens funktioniere an anderer Stelle besser und würde das Poller-Problem entspannen, glauben die Freien Wähler.

Hinter dem Wochenmarkt am Schillerplatz ist Schluss: Poller versperren Autos den Weg zum Platz an der Elbe.
Hinter dem Wochenmarkt am Schillerplatz ist Schluss: Poller versperren Autos den Weg zum Platz an der Elbe. © Sven Ellger

Dresden. Der Ärger ist groß, Gewerbetreibende und Kunden sind massiv verärgert. Innerhalb von zwei Tagen hat die Stadt die gepflasterte Fläche am Bauen Wunder in Blasewitz mit Pollern abgesperrt, seit dem 19. Mai kann aus Sicherheitsgründen für Radfahrer dort nicht mehr geparkt werden.

Das zieht nicht nur Anlieferprobleme für die ansässigen Gastronomen nach sich, auch die Händler des Wochenmarktes am Schillerplatz wissen jetzt nicht mehr, wo sie ihre Lieferfahrzeuge abstellen können. Betroffen sind zudem Pendler aus dem nordöstlichen Umland, die im Stadtzentrum arbeiten und ihre Autos kostenlos unterhalb des Schillergartens abgestellt haben, um dann mit Bus und Bahn weiterzufahren. Einige von ihnen haben noch vor Jahren auf dem Park&Ride-Platz in Bühlau geparkt, mussten aber an den Schillerplatz ausweichen, nachdem der Bühlauer Platz mit einer Schule bebaut wurde.

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Einfach mit Doppeleffekt

Torsten Nitzsche von der Fraktion Freie Wähler im Stadtrat ist an diesem Dienstagnachmittag auf dem Markt unterwegs und erfährt mehr von den Sorgen der Händler und Kunden. "Schwierig ist, dass der Baubürgermeister nicht vorher mit den Gewerbetreibenden gesprochen und nach Lösungen für sie gesucht hat, bevor die Poller aufgestellt wurden", sagt er.

Auch Sicht seiner Fraktion könnte die Stadt das Parkproblem mit einer einfachen Veränderung zumindest entspannen. "Dazu zieht der Wochenmarkt, zu dem dienstags, donnerstags und samstags zahlreiche Kunden kommen, mit seinen Ständen auf den abgesperrten Platz an der Elbe." Dies sei bereits im Vorjahr zeitweise so gehandhabt worden, als coronabedingt größere Abstände einzuhalten waren. "Ich habe das Einkaufen damals als sehr angenehm wahrgenommen mit mehr Platz als auf der angestammten Fläche."

Positiver Nebeneffekt: Die Parkplätze auf der bisherigen Wochenmarktfläche blieben weiter nutzbar. "Und die 25 Cent, die dort pro 30 Minuten Parkzeit zu zahlen sind, können kein Hindernis für Kunden sein", ist Nitzsche überzeugt.

In der kommenden Woche, wenn der Stadtrat am Donnerstag und Freitag tagt, will seine Fraktion einen Eilantrag dazu einreichen. "Die Sache drängt. Gehen wir den normalen Weg, kommt der Antrag erst nach der Sommerpause dran. Nicht nur für die Biergärten wäre eine schnellere Lösung besser", sagt Nitzsche. Er ist sicher, Unterstützer zu finden.

Der Antrag umfasst zwei weitere Punkte. Auf der Straße Am Schillergarten gibt es ein privates unbebautes Grundstück, das bereits zu Parkzwecken genutzt wird. Mit dem Besitzer könnte die Stadt Kontakt aufnehmen, ob man es interimsweise zum öffentlichen Parkplatz umgestalten oder nach einer Bebauung die Tiefgarage öffentlich nutzbar machen könnte, so die Idee der Freien Wähler.

Im Hinblick auf die geplante Sanierung des Blauen Wunders inklusive veränderter Verkehrsführungen sollte es außerdem einen Runden Tisch geben, an dem sich Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) im Vorfeld mit den ansässigen Händlern und Gastronomen über Einschränkungen und gangbare Lösungen austauschen. Ob OB Hilbert den Eilantrag im Stadtrat zulässt, ist allerdings ungewiss.

Falscher Eindruck

Ganz so einfach, wie er klingt, ließe sich der Vorschlag aber nicht umsetzen. Die Flächen unterhalb des Schillergartens gehören dem Freistaat. Das Amt für Wirtschaftsförderung sagt ganz klar, dass der Bereich zahlreiche Nachteile aufweise und keine Alternative für den Wochenmarkt sei. So habe es im Vorjahr zahlreiche Rückmeldungen von Händlern und Marktbesuchern gegeben, die dort nicht zufrieden waren. Unter anderem ist die Barrierefreiheit stark beeinträchtigt, für Rollatoren und Rollstühle ist der Untergrund nicht geeignet. Der ist am jetzigen Standort aber vergleichbar.

Eine weitere Einschränkung sei die Hochwassergefahr, die regelmäßig zum Rückzug zwingen würde. Diese Einschätzung teile auch die Deutsche Marktgilde, die für die Stadt die Märkte organisiert. Die Vorjahresregelung an der Elbe sei nur eine Notvariante gewesen, die man mit dem Freistaat zu Beginn der Pandemie vereinbaren konnte.

Zum Hintergrund: Die Poller wurden aufgestellt um zu verhindern, dass Autos den Elberadweg queren und damit Radfahrer gefährden. Außerdem liegt die gepflasterte Fläche unterhalb des Schillergartens im Landschaftsschutzgebiet "Dresdner Elbwiesen und Elbarme". Mehrfach hatte die Landesdirektion die Stadt aufgefordert, das unerlaubte Parken dort zu unterbinden.

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Der Bereich am Elberadweg, den die Autos überqueren, ist eine Unfallhäufungsstelle. Vom 1. Januar 2018 bis zum 31. Dezember 2020 registrierte die Polizei dort sieben Unfälle mit Personenschaden. An allen Unfällen waren Radfahrer beteiligt, wobei sich vier Unfälle zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrern ereigneten.

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