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Das letzte Shoppen vor dem Lockdown

Schon bevor manche Läden öffneten, hatten sich am Mittwoch Schlangen davor gebildet. Was Händler jetzt noch vom Weihnachtsgeschäft erwarten.

Schlangen im Elbepark vor einigen Läden: Viele sind vor dem Lockdown am Mittwoch noch schnell einkaufen gegangen.
Schlangen im Elbepark vor einigen Läden: Viele sind vor dem Lockdown am Mittwoch noch schnell einkaufen gegangen. © SZ

Dresden. Die Ankündigung von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), dass ab Montag die meisten Läden in Sachsen geschlossen bleiben müssen, hat viele Dresdner kalt erwischt.

Nicht alle haben schon Weihnachtsgeschenke eingekauft und wollen jetzt die Tage bis zum Wochenende nutzen, um noch Präsente zu finden. Im Elbepark bildete sich bereits morgens eine 100 Meter lange Schlange vor dem Spielzeuganbieter Smyth Toys. "Wenn nichts mehr geht, aber die Geschenke für die Kinder wollen die Kunden auf jeden Fall noch haben", sagt Centermanager Gordon Knabe.

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Er hatte am Mittwoch mit einem größeren Kundenansturm gerechnet. Doch bis 16.30 Uhr waren erst 21.000 Besucher da. An vergleichbaren Tagen im Vorjahr waren es bis dahin schon 28.000. Gut funktioniert in seinem Center der Gutscheinverkauf. Damit hatte er gerechnet und Sonderschichten dafür angesetzt.

Auch im Haus des Buches berichteten Thalia-Mitarbeiter am Mittwochmorgen schon von einem Kundenansturm. "Bei uns ist jeden Tag der Laden voll", berichtet auch eine Mitarbeiterin des Ratags-Laden für erzgebirgische Holzkunst in der Altmarkt-Galerie.

Weihnachtsbäume ja, Kinderspielzeug nein

Schlangen auch vor Ladenöffnung vor der Spielaxie in der Altmarktgalerie. "Eigentlich toll für uns", sagt Inhaber Daniel Dorner, für den das Weihnachtsgeschäft der wichtigste Umsatzbringer im Jahr ist.

Dementsprechend viel Ware ordert er auch dafür. "Natürlich habe ich mit meiner Frau überlegt, was wir machen. Doch hätten wir nur wenig bestellt, wäre kaum etwas da gewesen und die Kunden verärgert. Zumal wir nicht mit einem zweiten Lockdown gerechnet haben", sagt Dorner.

Nun wird er wohl auf einem Teil der Ware sitzenbleiben, denn ihm fehlen zehn Tage im Weihnachtsgeschäft und weitere zehn im Januar, wenn es bei den angekündigten Maßnahmen bleibt.

"Ich mache mir ernsthaft Sorgen, wie lange wir und andere das durchhalten. Das wird Auswirkungen auf Dresdens Innenstadt haben, wenn Läden sterben." Der Spielwarenhändler weiß ebenso, dass die Kunden bei den Kindern am wenigsten sparen und Weihnachten als Fest der Familie vor allem auf die Freude der Kinder und Zeit mit ihnen ausgerichtet ist.

"Wenn Sachsen Wirtschaftsminister Martin Dulig sagt, dass Weihnachtsbaum-Verkaufsstellen offen bleiben können, hätte er das aus meiner Sicht auch auf die Spielwarenläden ausdehnen können."

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Mit seinem Onlineshop kann Dorner die Umsatzausfälle nicht kompensieren. "Es ist ganz einfach: Im Internet bestellen die Kunden nur einen bestimmten Artikel. 99 Prozent meiner Pakete enthalten nur ein Produkt. Aber beim Einkauf im Laden wird oft eine ganze Geschenkeliste abgearbeitet, da verkaufe ich deutlich mehr", sagt er.

Dennoch hofft er natürlich auf Onlinebestellungen, weist aber auf ein Problem hin. "Es ist nicht mehr viel Zeit zum Bestellen, denn ab Mitte nächster Woche ist nicht mehr sicher, dass bis Weihnachten noch alles ankommt. Die Logistikunternehmen arbeiten am Limit."

Den Lockdown sinnvoll nutzen

Das kann Steve Kupke, Geschäftsführer der beiden Unipolar-Läden für faire Kleidung in Dresden, bislang nicht bestätigen. "Zurzeit garantieren uns die Lieferunternehmen noch, dass Ware, die bis zum 22. Dezember bestellt wird, zu Weihnachten unter dem Baum liegt. Aber das kann sich natürlich ändern."

Seit dem Lockdown im Frühjahr bietet er seine Kleidung auch auf "Avocado Store" an, einem überregionalen Markplatz für faire und nachhaltige Produkte. Etwa 50 Prozent der Bestellungen laufen nun bei ihm online ab, die andere Hälfte kauft noch in den Läden.

Obwohl er die Zweitfiliale in Dresden-Mitte - auch wegen Corona - zum Ende des Jahres schließen muss, wird er dank des Online-Geschäfts den zweiten Lockdown ohne staatliche Mittel überstehen können.

"Es tut trotzdem weh", sagt er. Eine fünfstellige Summe wird ihm im Weihnachtsgeschäft fehlen. Am kommenden Wochenende rechnet er noch einmal mit einem Kundenansturm, dafür bringt er noch einmal viele Produkte in den Laden, damit möglichst alle Kleidungsgrößen verfügbar sind. Auch das Personal wird noch einmal aufgestockt.

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Ab Montag bleiben dann die Türen geschlossen, doch den Lockdown will er wie im Frühjahr sinnvoll nutzen. Während der Schließung will er regelmäßig einen Newsletter mit Weihnachtsangeboten verschicken, dazu eine Beratungshotline und einen virtuellen Rundgang durch das Geschäft einrichten.

"Viele bleiben in ihren Stadtteilen"

Auch die Händler in der QF-Passage am Neumarkt versuchen, in der Zeit des zweiten harten Lockdowns für ihre Kunden erreichbar zu bleiben. "Wir haben in den letzten Wochen gemeinsam schon viel online unternommen. Doch dass jetzt so kurzfristig geschlossen wird, ist ein herber Schlag für uns", sagt Passagenmanagerin Andrea Knabe.

Bereits das ganze Jahr habe man schwer zu kämpfen gehabt. Denn das Einkaufszentrum auf dem Neumarkt ist stark von Touristen abhängig, insbesondere von Tschechen, Amerikanern und asiatischen Kunden. Die fielen weg, viele deutsche Touristen im Sommer konnten das nur zum Teil ausgleichen.

Jetzt, kurz bevor wieder alles dicht macht, beobachtet Knabe, dass durchaus Besucher kommen, die noch gezielt nach Geschenken suchen. Viele aber würden eher in ihren Stadtteilen bleiben und dort Ausschau halten. Besonders schmerzhaft für die Passage: "Zwischen den Jahren werden sonst oft Gutscheine eingelöst oder vom Geld, das geschenkt wurde, Dinge gekauft."

Die Kinder sind diejenigen, für die auf jeden Fall Geschenke unter dem Baum liegen sollen. Entsprechend lang war die Schlange vor dem Spielzeuganbieter Smyth Toys im Elbepark.
Die Kinder sind diejenigen, für die auf jeden Fall Geschenke unter dem Baum liegen sollen. Entsprechend lang war die Schlange vor dem Spielzeuganbieter Smyth Toys im Elbepark. © SZ

Sportgeschäfte: Hoffen auf einen kalten Winter

Die Centrum-Galerie an der Prager Straße sei "etwas besser gefüllt als sonst", sagt Centermanager Jürgen Wolf. "Aber was heute als Ansturm zählt, wäre ja wegen der Beschränkungen früher nicht der Rede wert gewesen", sagt er, nicht ohne Frust in der Stimme.

Er erwarte auch in den kommenden Tagen nicht, dass sich diese Lage nochmal ungemein verändert. Wie sich der zweite Lockdown auf die wirtschaftliche Situation der Centrum-Galerie und ihre Geschäfte auswirken wird? "Dazu kann ich wirklich noch keine Prognose abgeben", sagt Wolf. Überraschend kommt die Schließung für ihn aber nicht: "Es war abzusehen."

Bei Decathlon, dem Sportbedarf-Discounter gegenüber dem Hauptbahnhof, ist Geschäftsführerin Romy Fink optimistischer. Zwar gebe es aktuell keinen Ansturm, aber am Dienstagabend kurz nach der Verkündung habe man durchaus "eine Spitze" bei den Besucherzahlen bemerkt.

Fink hofft allerdings sowieso weniger auf das Wochenende als auf die Zeit nach dem Lockdown. "Gerade haben wir Corona und keinen Schnee, also nicht die Temperaturen für regionalen Wintersport", sagt sie.

Aber im Januar, so der Wunsch, werde hoffentlich alles zusammenkommen: Kälte und das Ende des Virus.

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