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Kostenlose Beratung für Verschuldete

Durch Corona haben viele Dresdner ihre Finanzen nicht mehr im Griff. Gratis-Termine mit Beratungsstellen sollen das Schlimmste verhindern.

Ein dickes Minus zum Jahresende: Bei vielen Menschen in Dresden ist das Konto leer - Corona hat besonders in Problemvierteln zu Überschuldung geführt.
Ein dickes Minus zum Jahresende: Bei vielen Menschen in Dresden ist das Konto leer - Corona hat besonders in Problemvierteln zu Überschuldung geführt. © Foto: Claudia Hübschmann

Dresden. Am Ende des Jahres müssen oft viele Rechnungen bezahlt werden. Gerade Weihnachten reißt bei denen, die sowieso nicht viel haben, häufig zusätzlich ein Loch in den Geldbeutel.

Und dann ist da noch die Corona-Pandemie gewesen: Die Verschuldung hat in Dresden 2020 noch stärker als in den Jahren zuvor in Stadtteilen mit sozialen Problemen zugeschlagen.

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Um die Ungleichheit nicht weiter zu verstärken, macht die Stadt Dresden zum Jahresende nochmal auf die kostenlosen Angebote der Schuldnerberatungsstellen aufmerksam. Gleichzeitig haben auch viele Dresdner Geldprobleme, die normalerweise in der Gastronomie, im Dienstleistungsbereich oder in der Kulturbranche arbeiten.

Stadt schlägt Alarm: Viele können nicht mehr zahlen

"Viele Menschen haben finanzielle Schwierigkeiten und können ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen", schlägt die Stadt jetzt Alarm. Als Gründe werden vor allem Kurzarbeit, leere Auftragsbücher und Jobverlust genannt.

Unter dem Motto "Wir lassen Sie nicht im Dunkeln sitzen!" soll dafür geworben werden, sich frühzeitig Hilfe zu suchen, wenn absehbar wird, dass Schulden bald nicht mehr abgezahlt werden könnten.

Die Belastung dürfe sich nicht weiter zuspitzen, heißt es vonseiten der Stadt. Die Mitarbeiter der geförderten Beratungsstellen arbeiten kostenlos und auf Wunsch anonym.

Sie sind vor allem dafür da, einen Überblick über die eigenen Finanzen zu gewinnen, aber auch, um mit den Gläubigern über Lösungen zu verhandeln und dem Betroffenen wieder eine Perspektive zu geben.

Insgesamt ist die Verschuldung in Dresden bis zum Oktober 2020 relativ konstant geblieben. Allerdings wird die Schere zwischen den Stadtteilen immer größer. 41.625 Menschen, also rund jeder 11. Dresdner, war bis zu diesem Datum in der Schuldenfalle gelandet.

Besonders betroffen von Überschuldung waren dem Schuldenatlas 2020 zufolge die Stadtteile Gorbitz, Pieschen, Niedersedlitz und Prohlis. Gregor Gantert, der in Prohlis bei der AWO-Schuldnerberatung arbeitet, hatte bereits im Herbst auf die Auswirkungen der Pandemie auf die finanzielle Situation vieler Prohliser aufmerksam gemacht.

Der Ernst der Lage zeigt sich erst Anfang 2021

"Was vorher gut funktioniert hat, klappt jetzt wegen Corona nicht mehr", so Gantert damals. Das liege vor allem daran, dass viele Menschen in Vierteln wie Prohlis prekäre Jobs ausüben würden, die durch die Pandemie oft weggefallen seien.

Schnell sei dann der Dispo überzogen und Verträge könnten nicht mehr bedient werden. Thomas Schulz, Prokurist bei Creditreform in Dresden, geht davon aus, dass die Überschuldungsquote 2021 deutlich steigen wird.

"Die Auswirkungen der Corona‐Pandemie sind noch nicht beim Verbraucher angekommen", sagte Schulz im Herbst bei der Vorstellung des Schuldenatlas.

Wie sich die Zahlen in Dresden und bundesweit entwickeln, werden also erst die Statistiken im ersten Quartal 2021 zeigen. Viel hängt auch davon ab, ob die Hilfszahlungen für gebeutelte Branchen in den nächsten Wochen und Monaten schneller bei den Betroffenen ankommen - und ob sich die Infektionslage beruhigt und Lockerungen möglich sind.

Währenddessen setzt die Stadt Dresden auf umfassende Aufklärung. Fünf Beratungsstellen bieten kostenlose Hilfe an: Die Gemeinnützige Gesellschaft Striesen-Pentacon, die AWO in Pieschen, Prohlis und Gorbitz sowie die Caritas in der Johannstadt.

Die erste Beratung dauert immer pauschal 1,5 Stunden. Je nach individuellem Bedarf können dann aber zwischen fünf und 20 weitere Beratungsstunden notwendig sein.

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